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Mit Genfähren in den Aktienhimmel

18.10.1999
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-MedizinGovi-Verlag

Mit Genfähren in den Aktienhimmel

von Stephanie Czajka, Berlin

Eine sichere und praktikable Genfähre für DNA-Impfstoffe soll einem jungen Berliner Unternehmen zum Erfolg verhelfen. Einen Etappensieg konnte die kleine Aktiengesellschaft Mologen Holding vergangene Woche in Berlin verbuchen: Ihrem Vorstand Professor Dr. Burghardt Wittig wurde von der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer die Auszeichnung "Unternehmer des Jahres" verliehen.

Genfähren schleusen Fremd-DNA in die Zellen eines Organismus ein. Im Falle einer DNA-Vakzine soll der Körper dann gegen die fremden Proteine die gewünschten Antikörper bilden. Bisherige Genfähren bestünden zu 90 Prozent aus überflüssigen Genen, sagte Wittig in Berlin. Sie seien nicht sicher genug, denn diese Gene (der meist viralen oder bakteriellen Vektoren) könnten Antibiotikaresistenzen weitergeben oder in das Wirtsgenom eingebaut und so möglicherweise gefährlich werden. Wittigs Genfähren sind viel kleiner. Statt wie bisher aus 10.000 DNA-Bausteinen, bestehen seine "MIDGE" genannten Vektoren (Minimalistic Immunogenic Defined Content Vector for Gene Expression) nur aus rund 1000 Basen. Sie sind nicht ring-, sondern hantelförmig.

Der jeweilige DNA-Impfstoff läßt sich einfach einbauen. Moleküle, mit deren Hilfe spezifische Zellen gezielt angesteuert werden können, lassen sich leicht ankoppeln. Je nach Indikation müssen andere Hanteln konstruiert werden. Das Herstellungsverfahren sei für industrielle Maßstäbe geeignet, sagte Wittig. In Kooperation mit Pharmaunternehmen werden Impfstoffe entwickelt und bei Mologen in die passenden Fähren gesetzt.

Wittigs Arbeitsgruppe entwickelt auch eigne Impfstoffe, zunächst gegen Haustiererkrankungen. Forschung und Entwicklung seien mit weniger Auflagen verbunden und man sei nicht so stark von der Zulassungsbehörde abhängig, sagte Wittig. In Phase I der klinischen Prüfung sind Impfstoffe gegen eine Aids-ähnliche Viruserkrankung bei Katzen. Etwas weiter sind die Wissenschaftler bei einem Impfstoff gegen Katzenleukämie.

Das Unternehmen entstand auf der Basis einer Public-Private-Partnership. Wittig konnte Räume, technische Ausstattung und das Universitätspersonal für seine Firma nutzen. Von dem Geld, das bei dem Börsengang im vergangenen Jahr eingenommen wurde, baute er ein Labor auf dem Universitätsgelände. Nach drei Jahren Nutzung wird es an die Universität übergeben, die Firma muss dann auf eigenen Füßen stehen.

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