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Früherkennung mit Sputum-Zytologie

08.10.2001
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LUNGENKREBS

Früherkennung mit Sputum-Zytologie

von Elke Wolf, Rödermark

Gegen Lungenkrebs ist die Medizin bislang weitgehend machtlos. Die durchschnittliche Überlebenszeit nach der Diagnosestellung beträgt nur etwa ein Jahr. Nach fünf Jahren leben weniger als 10 Prozent der Betroffenen. Verbesserte Heilungschancen für Lungenkrebspatienten, die bereits Symptome wahrnehmen, sind derzeit nicht in Sicht. Die größte Chance auf Heilung hat der Patient, wenn Diagnose und Therapie bereits im symptomfreien Stadium einsetzen. Ein neuer Früherkennungstest soll helfen, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen.

Raucher ab 45 Jahren, die in den letzten zehn Jahren durchschnittlich mehr als zehn Zigaretten pro Tag geraucht haben, sind die Zielgruppe des neuen Testkits der Medwell Gesundheits-AG, Köln. Denn annähernd 90 Prozent aller Bronchialkarzinome gehen auf das Konto von Zigarettenrauch. Ein Raucher, der täglich mehr als eine Packung Zigaretten raucht, hat gegenüber einem Nichtraucher ein 25fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Jährlich erkranken allein in Deutschland bis zu 30.000 Männer und 10.000 Frauen an diesem heimtückischen Tumor, die meisten im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Die Prognosen sind alles andere als beruhigend: Das Bronchialkarzinom ist weltweit die häufigste zum Tode führende Krebserkrankung.

Mit Hilfe der neuen Früherkennungsuntersuchung haben Raucher nun die Möglichkeit, durch jährliche zytologische Untersuchung ihres abgehusteten Bronchialschleims Vorstadien oder Frühformen des Lungenkrebses zu erkennen. Die im Sputum vorhandenen Zellen weisen häufig schon sechs bis acht Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome Veränderungen auf, die mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko assoziiert sind. Zudem sind im Sputum bereits vier bis fünf Jahre vor klinisch manifesten Beschwerden Zellen eines Bronchialkarzinoms nachweisbar, heißt es in der Pressemeldung zur neuen Untersuchungsmethode.

In einer breit angelegten Lungenkrebs-Screening-Studie in New York konnten 60 Prozent der Bronchialkarzinome mittels Sputum-Zytologie und Röntgendiagnostik im Stadium I entdeckt werden, teilt Medwell mit. Fünf Jahre nach der Entfernung des Tumors lebten noch rund 80 Prozent der Krebspatienten. Zum Vergleich: Ohne Sputum-Zytologie werden derzeit nur 15 Prozent der Lungentumoren im erfolgreich operablen Stadium I aufgespürt. Die mittlere Überlebenszeit von Rauchern, deren Lungenkrebs durch eine Reihenuntersuchung gefunden und früh operiert wurde, ist um elf Jahre länger als bei Patienten, die nicht an derartigen Früherkennungsprogrammen teilgenommen haben.

Auswertung durch geschulte Ärzte

Wie ist das Procedere? Der Raucher erhält von seinem Hausarzt oder Lungenfacharzt den Testkit mit vier Sputum-Röhrchen. An vier aufeinanderfolgenden Tagen muss der Betroffene jeweils morgens Bronchialschleim abhusten, in einem sauberen Gefäß auffangen und mit der vorhanden Fixationsflüssigkeit in den Röhrchen vermischen. Für jeden Tag steht ein Röhrchen zur Verfügung. Hat der Raucher Schwierigkeiten, spontan Sputum abzuhusten, kann dies der Arzt mit einer hypertonen Kochsalzlösung provozieren. Der Patient schickt dann die vier Röhrchen an speziell geschulte Mediziner, die in der Arbeitsgemeinschaft für Zytophathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie zusammengeschlossen sind. Die Erfahrung der diagnostizierenden Ärzte ist entscheidend für den Erfolg einer Sputum-zytologischen Früherkennung, informiert Medwell. Einige Tage danach informiert der Pathologe den vom Raucher konsultierten Arzt, ob Auffälligkeiten im Sputum zu beobachten waren.

Medwell erwartet, dass in 2 Prozent der Fälle Hinweise auf einen bestehenden Lungenkrebs gefunden werden. Bei einem weiteren Teil der Untersuchten ist mit schwer geschädigten Zellen zu rechnen, die einen Krebs ankündigen. In über 90 Prozent der Fälle wird der Raucher also erfahren, dass kein Hinweis auf die Entwicklung eines Bronchialkarzinoms gefunden wurde. Deshalb ist es ratsam, die Untersuchung jährlich zu wiederholen.

Die Lungenkrebs-Früherkennung für Raucher ist keine Leistung der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung. Erst bei auffälligen Befunden in der Früherkennung geht die weitere Diagnostik dann zu Lasten der Krankenversicherung. Die Kosten für einen Testkit belaufen sich auf rund 240 DM, teilt Medwell mit; dies entspricht etwa dem Wert von vier Stangen Zigaretten und damit dem durchschnittlichen Monatskonsum eines mittelstarken Rauchers. Der Raucher kann den Test nur machen, wenn ein Arzt eingebunden ist. In Form einer Art Selbstdiagnose ist der Test nicht zu haben.

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