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Jubiläum beim Robert Koch-Institut

09.10.2000  00:00 Uhr

Jubiläum beim Robert Koch-Institut

von Stephanie Czajka, Berlin

Rechtzeitige Therapie und Prophylaxe von Infektionskrankheiten rechtfertigen Eingriffe in die Privatsphäre. Dieser Grundgedanke war erstmals mit dem Reichsseuchengesetz verbunden, das 1900 in Kraft trat, berichtete Erwin Jordan, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit anlässlich einer Festveranstaltung des Robert Koch-Institutes (RKI) in Berlin. Das Institut war vor 100 Jahren an das Nordufer in Berlin umgezogen und befindet sich heute noch zum Teil in den alten Räumen: Ein Jubiläum, das vergangene Woche gefeiert wurde.

Schon bei Einführung der Pockenimpfpflicht habe es Tumulte in der Bevölkerung gegeben, sagte Jordan. Im vergangenen Jahr war die Meldepflicht für Hepatitis C im neuen Infektionsschutzgesetz von heftigen Diskussionen begleitet. Beraten werden Politiker bei Entscheidungen dieser Art von Mitarbeitern des Robert Koch-Institutes. Sie untersuchen Ursachen und Überteragungswege ansteckender Krankheiten, typisieren die Erreger, beobachten die Resistenzsituation und verfolgen Ausbreitung und Verlauf infektiöser, aber auch nicht infektiöser chronischer Krankheiten in Deutschland. Eine "Schnelle Eingreiftruppe" steht bereit, um regionale Seuchenausbrüche aufzuklären.

Für Länderbehörden und Ärzte werden Maßnahmenkataloge und Imfpläne für Notfälle erarbeitet. Das nationale Krebsregister ist ebenso beim RKI angesiedelt wie das Zentrum für Gentechnolgie, das potenzielle Risiken gentechnischer Verfahren und Produkte bewertet. Das Institut sei im Bereich der Biomedizin die größte Einrichtung des Bundes mit Forschungsverpflichtung, sagte Professor Dr. Reinhard Kurth, Direktor des RKI. Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz, das Anfang nächsten Jahres in Kraft treten wird, übernimmt das Institut in dem Geflecht der Gesundheitsbehörden eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Gegründet wurde das damals "Königlich Preußisches Institut für Infektionskrankheiten" genannte Institut bereits 1891 von Robert Koch. Seinerzeit stand die Tuberkulose im Mittelpunkt der Seuchenbekämpfung, heute nimmt die Verbreitung des HI-Virus einen großen Teil der Arbeit ein. Professor Dr. Robert Gallo, University of Maryland, USA, bezeichnete in seiner Festansprache Aids als eine der schlimmsten Epidemien in der Geschichte der Menschheit, "schlimmer als die Pest". Die Pest komme und gehe, Aids jedoch verschwinde nicht wieder sondern verbreite sich von Tag zu Tag weiter.

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz wurde das Meldesystem für bestimmte Krankheiten reformiert. Es gelten bestimmte Fristen (etwa eine Woche) innerhalb derer Infektionen von den Ärzten über die regionalen Gesundheitsbehörden an das RKI gemeldet werden müssen. Ärzte können mit Ordnungswidrigkeiten belegt werden, wenn sie der Meldepflicht nicht nachkommen. Namentlich und schon beim Verdacht auf eine Erkrankung müssen nicht nur Pest und Cholera gemeldet werden, sondern beispielsweise auch Masern, akute Virushepatitis und bakterielle Meningitis. Namentlich bei Nachweis der akuten Infektion sind unter anderem das Auftreten des FSME-Erregers, alle Hepatitis-Viren oder Salmonellen zu melden. HIV-Infektionen werden anonymisiert weitergegeben.   Top

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