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Jeder Dritte in Deutschland ist schilddrüsenkrank

03.09.2001
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INITIATIVE PAPILLON

Jeder Dritte in Deutschland ist schilddrüsenkrank

von Wolfgang Kappler, Homburg/Saar

Jeder dritte Deutsche ist schilddrüsenkrank, jeder Vierte hat Knoten in der Schilddrüse. So das Zwischenergebnis der bislang größten deutschen Ultraschall-Reihenuntersuchung der Schilddrüse.

Die Initiative "Papillon" hat die Daten von 12. 690 Personen ausgewertet. 15 Prozent hatten eine vergrößerte Schilddrüse, bei 23 Prozent fanden sich Knoten im Organ und bei knapp über sieben Prozent wurde beides festgestellt. Neu sei die Erkenntnis, dass Frauen und Männer gleich betroffen sind.

Mit ihren Hormonen reguliert die Schilddrüse die Geschwindigkeit, mit der Körperzellen Energie liefern und verbrauchen. Ein Hormonüberschuss bedeutet viel Energieverbrauch, ein Mangel weniger Energieumsatz. Die aus einem Ungleichgewicht resultierenden Beschwerden reichen von Leistungs- und Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und depressiven Verstimmungen bei der Hormonunterproduktion bis hin zu Herzklopfen, Gewichtsverlust, Schwitzen und Unruhe bei Überfunktion des Organes.

Drei Ursachen sind möglich. Die Hormondrüsen im Hirn bilden zuwenig Hormone, um die Schilddrüse zu aktivieren, das Schilddrüsengewebe selbst ist unfähig, Befehle aus dem Gehirn auszuführen, oder es mangelt an Iod, einem Baustein der Schilddrüsenhormone. Ein Drittel bis die Hälfte der Bundesbürger nimmt zu wenig Iod mit der Nahrung auf, haben schon frühere Untersuchungen gezeigt. Auch kann Nitrat in Lebensmitteln die Iod-Aufnahme in der Schilddrüse verhindern. Schließlich tragen Nikotin und Medikamente zur Fehlfunktion der Schilddrüse bei.

Um Iodmangel auszugleichen, wächst das Organ. Im vergrößerten Gewebe können Knoten entstehen, die entweder zur Hormonproduktion nicht mehr beitragen (kalte Knoten), oder solche, die Hormone nicht mehr bedarfsgerecht bereit stellen (heiße Knoten). Auf Grund unerkannter Schilddrüsenerkrankungen werden jährlich 100.000 Menschen operiert, 35.000 müssen sich einer Radio-Iod-Behandlung unterziehen. Auf 2,2 Milliarden Mark schätzen Fachleute die Kosten für solche Maßnahmen. Weil die meisten Beschwerden unspezifisch sind und weil der vorherrschende Iodmangel das Krankheitsrisiko erhöht, raten Experten zur regelmäßigen Schilddrüsenuntersuchung.

Die Schilddrüsen-Initiative Papillon (Papillon = Schmetterling) ist eine Gemeinschaftsaktion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner, des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker, der Bundesapothekerkammer, der Arbeitsmedizinische Dienste GmbH und der Henning Berlin GmbH & Co. oHG. Die Reihenuntersuchungen finden in verschiedenen Unternehmen und Institutionen statt. Weitere Zwischenergebnisse wollen die Initiatoren regelmäßig bekannt geben.

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