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C-reaktives Protein als Marker

29.08.2005
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Atherosklerose

C-reaktives Protein als Marker

von Brigitte M. Gensthaler, München

Rauchen, Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes und Adipositas erhöhen bekanntlich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Zunehmend ins Bewusstsein rückt das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungsmarker, der in Studien mit dem kardiovaskulären Risiko korrelierte, aber auch selbst zelltoxisch wirkt.

Vorbei sind die Zeiten, da die Atherosklerose als rein mechanische Verengung der Blutgefäße durch Lipide und Lipoproteine verstanden wurde. Das Bild der Pathophysiologie hat sich grundlegend gewandelt. Atherosklerose ist nicht nur durch die gefährliche Plaquebildung und -ruptur, sondern ebenfalls durch einen komplexen subklinischen Entzündungsprozess gekennzeichnet (1). Die bekannten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Hypertonie, Rauchen und Typ-2-Diabetes unterhalten die Entzündung, indem sie die Sekretion proinflammatorischer Zytokine wie Tumornekrosefaktor alpha (TNF α), Interleukin 1 und 6 ankurbeln. Die Akute-Phase-Reaktion in der Leber wird induziert, Adhäsionsmoleküle, Hitzeschockproteine und weitere Mediatoren aus Endothel- und anderen Zellen werden freigesetzt. Als einer der wichtigsten Entzündungsmarker gilt das C-reaktive Protein (CRP), das im Serum mittels hoch sensitiver Analytikmethoden in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar ist (siehe Kasten).

  

Entzündungsmarker CRP Das C-reaktive Protein wird primär in der Leber und eventuell in atherosklerotischen Plaques gebildet. CRP besteht aus fünf identischen Polypeptideinheiten mit einem Molekulargewicht von je 21 kDa, die zu einem Ring zusammengelagert sind. Als klassisches Akute-Phase-Protein stellt es einen hoch sensitiven Entzündungsmarker dar, der als Reaktion auf eine akute Verletzung, Infektion oder einen anderen proentzündlichen Stimulus sehr rasch auf das 1000- bis 10.000fache ansteigen kann. Die Plasmahalbwertszeit liegt relativ konstant bei 19 Stunden. CRP kann sehr genau im Serum oder Plasma gemessen werden.

Galten Werte unter 5 mg/l früher als klinisch irrelevant, so werden heute Werte unter 1 mg/l als Zeichen eines niedrigen kardiovaskulären Risikos eingestuft. Ab 2 bis 3 mg/l geht man von einer Entzündung im Körper aus, höhere Werte zeigen ein deutlich erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko an. Ab 7 bis 10 mg/l sollte der Arzt nach einem nicht kardiovaskulär bedingten Entzündungsherd fahnden.

  

Fett als endokrines Organ

Nicht nur Rauchen, Diabetes, Hypertonie und Hyperlipidämie, sondern auch Übergewicht sind mit erhöhten CRP-Werten assoziiert. Das Fettgewebe, das lange Zeit als reiner Energiespeicher galt, sezerniert nämlich eine Reihe von Mediatoren. Hormonell aktiv und damit potenziell gefährlich ist das »Bauchfett«, während Speck auf den Hüften das kardiovaskuläre Risiko nicht beeinflusst, erklärte Privatdozent Dr. Carsten Tschöpe von der Berliner Charité vor Journalisten in München. Adipositas und Body-Mass-Index korrelieren mit dem CRP-Spiegel.

Inzwischen sind mehr als 100 Sekretionsprodukte des Fettgewebes ­ Adipokine ­ bekannt, darunter Insulin-like Growth Factor, Apolipoprotein E, TNF α, Interleukine, Prostaglandine, Leptin und Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1 (2). Viele Mediatoren lösen subklinische chronische Entzündungen aus, stören die Insulinwirkung, stimulieren die Lipolyse oder fördern die Thrombozytenaggregation. Zudem kumulieren bei einer Adipositas Monozyten und Makrophagen im Fettgewebe und produzieren reichlich proinflammatorische Proteine. Dagegen sind die Plasmaspiegel des antiatherosklerotisch wirksamen Adiponectin, das ausschließlich von Fettzellen synthetisiert wird, bei dicken im Vergleich zu schlanken Personen erniedrigt.

In den Entzündungsprozess sind auch Angiotensinogen, das ebenfalls vom Fettgewebe gebildet wird, und sein Spaltprodukt Angiotensin II involviert. Angiotensin II wurde vor vielen Jahren als potenter endogener Vasokonstriktor identifiziert; seine Blockade gilt als wichtiger medikamentöser Ansatzpunkt bei Hypertonie. Darüber hinaus fördert Angiotensin II die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen. »Angiotensin wirkt wie ein Zytokin, das Entzündungen triggert«, fasste Tschöpe zusammen.

Marker CRP wirkt selbst toxisch

Mit der chronischen Entzündung im Körper steigen auch die Markerproteine. Das hoch sensitive CRP (hsCRP) korrelierte in Studien gut mit dem Herz-Kreislauf-Risiko, zum Beispiel dem Auftreten von Angina pectoris oder Herzinfarkt. Patienten, deren Wert im obersten Drittel der Verteilung (über 3 mg/l) lag, hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für koronare Ereignisse als Personen mit Werten im untersten Drittel (unter 1 mg/l). Werte über 3 mg/l gelten bereits als Hochrisikobereich. Die prognostische Aussagekraft stieg noch, wenn hsCRP gemeinsam mit dem Quotienten aus Triglyzeriden und HDL-Cholesterol (als Maß einer Fettstoffwechselstörung) betrachtet wurde (3).

Die Tests haben jedoch einen Nachteil: CRP wird bei allen Entzündungen gebildet. Daher ist der Marker bei Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen, zum Beispiel rheumatoider Arthritis, nicht verwertbar. Auch bei akuten Infektionen schnellt der Wert nach oben.

Darüber hinaus scheint das Protein kein reiner Marker, sondern selbst am atherothrombotischen Prozess beteiligt zu sein. CRP wirkt toxisch auf Zellen und tötete in vitro endotheliale Vorläuferzellen (Progenitorzellen) ab, die zur Reparatur eines geschädigten Endothels nötig sind, berichtete Tschöpe.

Abnehmen und mehr Bewegung

Egal ob die Atherosklerose primär auf Fettablagerungen in den Gefäßen oder Entzündungsprozesse zurückgeführt wird: Die Konsequenzen für die Patienten bleiben gleich. Abnehmen, mehr bewegen und Verzicht aufs Rauchen heißt die Devise. Wer deutlich abnimmt, reduziert die Adipokin-Sekretion und in der Folge die chronische Entzündung im Gewebe.

Da dies unbequem ist, werden auch künftig viele Menschen ihre Hoffnung auf Pharmaka richten. Zahlreiche Substanzen, die in die Renin-Angiotensin-Kaskade eingreifen, senken nicht nur den Blutdruck, sondern auch die Spiegel der Entzündungsmediatoren. Gleiches gilt für Lipidsenker. Die Therapie mit ACE-Hemmern, AT1-Antagonisten (Sartane), Statinen, Acetylsalicylsäure und Clopidogrel reduzierte die CRP-Werte. Ob damit das Herz-Kreislauf-Risiko der Patienten tatsächlich abnimmt, muss erst noch in Langzeitstudien mit harten Endpunkten nachgewiesen werden.

 

Literatur

  1. Koenig, W., et al., Atherosklerose als inflammatorischer Prozess. Dt. Ärztebl. 100, Nr. 3 (2003) A117-A126.
  2. Skurk, T., Hauner, H., Vom Energiespeicher zum endokrinen Organ. Münch. Med. Wschr. 147, Nr. 4 (2005) 61-63.
  3. Koenig, W., et al., Systematische Entzündung und Risiko für eine Koronare Herzkrankheit: Ergebnisse der Monica/Kora-Augsburg-Kohortenstudie. Gesundheitswesen 67 (2005) 62-67 (Online-Publikation).
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