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Neue Methode spart Spenderzellen

23.08.2004
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Neue Methode spart Spenderzellen

von Imme Schröder, Eschborn

Neue Forschungsergebnisse könnten das Verfahren, Knochenmarks- oder Blutstammzellen zu transplantieren, effizienter machen. Die Blockade eines Oberflächenenzyms auf den Zellen verbessert im Tierversuch die Akzeptanz der Spenderzellen. Forscher hoffen, dass mithilfe dieses Verfahrens künftig weniger Spendermaterial für eine Transplantation nötig ist.

Wissenschaftler der Universität Indianapolis um Hal Broxmeyer konnten im Tierversuch nachweisen, dass das Enzym CD26 (Dipeptidylpeptidase IV) auf der Oberfläche von Stammzellen die Wanderung zu ihrem Bestimmungsort, dem Knochenmark, behindert. Inhibierten sie das Enzym mit einer Chemikalie oder entfernten es ganz, verdoppelte sich die Anzahl der Zellen, die das Knochenmark erreichten. Auch die Überlebenschance der Spenderzellen stieg mithilfe der Methode um mehr als das Zweifache, berichten die Forscher im Fachmagazin „Science“ vom 13. August (305, Seite 1000 bis 1003). Noch wurde das Verfahren nicht an humanen Zellen getestet, in Zukunft könnte damit jedoch eine geringere Anzahl an Zellen für eine Knochenmarkstransplantation ausreichen, schätzt David Bodine vom National Human Genome Research Institute in Bethesda, Maryland.

Möglicherweise würde eine Knochenmarksspende dann künftig mehrere Empfänger erreichen. Noch infundieren Mediziner bei jeder Transplantation eine große Anzahl Zellen, von denen viele ihr Ziel nicht erreichen oder absterben, bevor sie selbst neue rote und weiße Blutkörperchen beziehungsweise Blutplättchen produzieren. Das neue Verfahren könnte Patienten mit Anämien infolge einer Leukämie, anderen Krebserkrankungen, Schwächungen des Immunsystems und bei der Wiederherstellung der Blutzellproduktion nach einer Chemo- oder Strahlentherapie zugute kommen. Der Bedarf für eine effektivere Nutzung der begehrten Stammzellen ist groß: Allein in Deutschland gehen beim Zentralen Knochenmarkspender-Register jährlich mehr als 1500 Anfragen für Knochenmarks- und Blutstammzellspenden ein.

Chance für Nabelschnurstammzellen

Mit der Inhibition von CD26 könnten nun auch Blutstammzellen aus Nabelschnurvenenblut für einen größeren Patientenkreis als bislang gewonnen werden, hofft Broxmeyer. Das noch relativ junge Verfahren wird zurzeit wegen der geringen Menge an Stammzellen, die sich aus den rund 60 bis 100 ml Blut aus Plazenta und Nabelschnur isolieren lassen, in der Regel nur bei Kindern angewendet. Eingesetzt wird es bei der Behandlung von malignen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems sowie bei Autoimmundefekten. Mithilfe der CD26-Blockade könnten Stammzellen aus Nabelschnurblut Erwachsenen als Alternative dienen, für die kein passender Knochenmarksspender zu finden ist. Denn die noch unreifen, pluripotenten Zellen des Nabelschnurblutes werden weniger schnell vom Empfängerorganismus abgestoßen als andere Zellen. Die Vorteile liegen, neben der für Mutter und Kind risikolosen Gewinnung von Stammzellen, auch in der Qualität des gewonnenen Blutes, das weitgehend frei von malignen transformierten Zellen und Keimen ist. Inzwischen sind weltweit mehrere hunderttausend Nabelschnurblutproben katalogisiert. Bislang sind vor allem die hämatopoetischen Stammzellen von Interesse. Das Nabelschnurblut enthält aber auch Vorläuferzellen verschiedener anderer Gewebetypen, die in künftigen Forschungsvorhaben eine Rolle spielen könnten. Top

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