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Fortschritte in der Stammzellforschung

14.08.2000
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-MedizinGovi-Verlag

Fortschritte in der Stammzellforschung

dpa-Artikel

Australische Forscher haben weltweit erstmals aus geklonten, embryonalen Stammzellen von Mäusen Nerven- und Muskelzellen dieser Tiere gewonnen. Dies könnte nach Ansicht der Forscher in einigen Jahren zur Therapie von Morbus Alzheimer, Parkinson, Diabetes und anderen Krankheiten beitragen. Allerdings gibt es erhebliche ethische und juristische Bedenken gegen die Anwendung am Menschen. Die Forscher stellen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Current Biology" (Band 10, Nummer 16, Seite 989) vor.

Peter Mountford vom Biotech-Unternehmen Stem Cell Sciences und Megan Munsie von der Monash University (Clayton) haben Erbmaterial aus den Körperzellen von Mäusen entnommen und damit Gewebezellen gezüchtet. Das Verfahren könnte zu Geweben führen, die vom Patienten nicht abgestoßen werden, weil sie dasselbe Erbgut besitzen.

Die Forscher setzten das Erbmaterial zunächst in eine entkernte Eizelle ein. Diese ließen sie einige Tage bis zum Stadium der Blastozyste heranreifen, entnahmen daraus die embryonalen Stammzellen und kultivierten sie.

Im Labor der Wissenschaftler wuchsen die Zellen zu Nerven- und Muskelzellen heran. Spritzten die Forscher die Stammzellen in Mäuseembryonen, so trugen diese zum Aufbau von Hirn, Leber, Lunge, Niere und anderen Organen bei. Auch in bereits ausgewachsenen Mäusen bildeten die Stammzellen verschiedene Gewebetypen.

Bis zur Anwendung am Menschen dauere es aber mindestens noch fünf Jahre, sagte Institutsdirektor und Mitautor Professor Dr. Alan Trounson. Die Forscher hoffen, mit dem Verfahren später auch abgestorbene Gehirnzellen ersetzen zu können, etwa bei Alzheimer- oder Schlaganfall-Patienten.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Zell- und Gewebezüchtung, Professor Dr. Wolfgang Müller-Kieser, bezeichnete die Ergebnisse als einen "weiteren wesentlichen Schritt" zum therapeutischen Klonen. Bedeutend sei, dass die embryonalen Stammzellen zur Organbildung in Tieren beigetragen haben und dass die Forscher Schalter betätigten, die von Embryozellen zu ausdifferenzierten Geweben führen, sagte der Zellphysiologe der Universität Mainz.

Müller-Kieser forderte, Versuche zum Zwecke des therapeutischen Klonens auch mit menschlichen Zellen in Deutschland in wenigen spezialisierten Forschungszentren sowie unter staatlicher Aufsicht und Finanzierung zu erlauben. In Deutschland verbietet dies das Embryonenschutzgesetz.

Bislang hatten Forscher Stammzellen aus verschiedenen Geweben von ausgewachsenen Tieren umprogrammiert und zu anderen Zellen heranwachsen lassen. Viele Forscher hoffen, damit das Embryonalstadium umgehen zu können..

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