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Solidarität statt Diskriminierung

26.07.2004
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Aktion AntiSTigma

Solidarität statt Diskriminierung

von Hannelore Gießen, München

Die Ansicht, dass Sucht eine Krankheit ist, setzt sich erst langsam durch. Um auf die Diskriminierung abhängiger Menschen in der Gesellschaft aufmerksam zu machen, wurde Anfang Juli beim 5. Interdisziplinären Suchtkongress in München die Aktion AntiSTigma gestartet.

„Drogenabhängige müssen täglich mit Verachtung, Misstrauen und Ablehnung rechnen – in der U-Bahn, im Krankenhaus ebenso wie bei Behörden“, sagte Dr. Jörg Gölz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin und Mitinitiator der Aktion. Als Beispiel für Diskriminierung führte Gölz einen Drogenabhängigen an, der in der Notaufnahme trotz akuter Atemnot zunächst abgewiesen worden sei. Erst das Insistieren der Angehörigen habe zu einer Behandlung geführt, die sich auf Grund einer Lungenembolie als lebensnotwendig herausstellte. Einem Substitutionspatienten, der auf dem Weg von der Praxis nach Hause war, habe die Polizei die Take-Home-Dosis an Methadon ohne Rücksprache mit der Praxis weggenommen und vernichtet.

„Es ist wichtig, viel für die Suchtprävention zu tun. Es ist aber ebenso wichtig, dass man Suchtkranken nicht das ächtende Gefühl vermittelt, für sie sei jetzt alles zu spät“, so Gölz. Suchtkranke nehmen das Vorurteil des Umfeldes an und fühlen sich wertlos. „Werden Suchtpatienten weniger diskriminiert, können wir ihnen besser helfen“, sagte Dr. Markus Backmund vom Krankenhaus München-Schwabing. „Eine Behandlung lohnt sich. Sucht hat nie eine infauste Prognose.“

Ziel der jetzt gestarteten Kampagne ist es, auf die Diskriminierung aufmerksam zu machen und Sucht als Krankheit ins Bewusstsein zu rufen. Unterstützt wird die Kampagne unter anderem durch Liedermacher Konstantin Wecker, Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld sowie die Regisseure Dieter Wedel und Elmar Goerden. AntiStigma plant neben dem Aufbau eines Freundeskreises, der die Aktion unterstützt, in der nächsten Zeit verschiedene Medienkampagnen.

Die Initialen von AntiSTigma ergeben das Wort „Ast“, der als Symbol der Aktion dient. Ein goldener Ast als Anstecker zeigt analog zur roten Aids-Schleife die Solidarität mit Suchtkranken. Top

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