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Neuer Test zur Früherkennung in den Apotheken

21.07.2003  00:00 Uhr
Darmkrebs

Neuer Test zur Früherkennung in den Apotheken

von Christian Wetzler, Mainz

Ein neues Testverfahren soll wesentlich sensitiver auf Darmtumore ansprechen als herkömmliche, auf dem Guaiak-Test basierende Verfahren zum Nachweis von Blut im Stuhl. Seit Anfang Juli wird der Test auch über Apotheken vertrieben.

Mit 57.000 Neuerkrankungen und 30.000 Todesfällen ist Darmkrebs in Deutschland mittlerweile Todesursache Nummer zwei unter den Krebserkrankungen. Dabei lässt sich die Inzidenz von Darmkrebs wie bei kaum einer anderen Krebsform durch Früherkennungsmaßnahmen senken: Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, dann liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent.

Bei Verdacht auf Darmkrebs ist und bleibt die Diagnose durch Darmspiegelung der Goldstandard. Doch trotz einer groß angelegten Medienkampagne schrecken nach wie vor viele Menschen vor der Koloskopie zurück.

Um erste Hinweise auf einen Tumor im Darm zu erhalten, wird derzeit noch immer der Nachweis von okkultem Blut im Stuhl verwendet, der auf der Guaiak-Methode beruht. Das chemische Verfahren basiert auf einem Farbstoff aus dem Guaiak-Harz, der durch die unspezifische Peroxidaseaktivität des Blutfarbstoffs Hämoglobin verfärbt wird. Der Test ist jedoch nicht spezifisch für Hämoglobin, er zeigt auch bei anderen Substanzen mit Peroxidaseaktivität eine positive Reaktion. Daher liefert der Test nur in 30 Prozent der Fälle liefert einen sicheren Hinweis auf ein Darmkrebsgeschehen.

Die Gießener Firma ScheBo Biotech AG hat jetzt einen Test entwickelt, der wesentlich zuverlässiger auf Tumore ansprechen soll. Das Verfahren basiert auf dem Nachweis einer tumorspezifischen Form der Pyruvatkinase und nicht auf der Detektion von Blut im Stuhl. Die Pyruvatkinase tritt als Schlüsselenzym des Glucosestoffwechsels im Körper in verschiedenen Isoformen auf. Während sie in normalen Zellen als Tetramer vorliegt, kommt es bei Krebsentstehung zur Expression des Isoenzyms M2 und dem Verlust zweier Untereinheiten.

Diese dimere Form tauften Wissenschaftler Tumor-M2-Pyruvatkinase (Tumor M2-PK). Sie tritt in Krebszellen in relativ hoher Konzentration auf und ist im Vergleich zum Tetramer nur wenig aktiv. Dies ist durchaus im Sinne des Tumors: Energiereiche Zwischenprodukte können damit direkt zur Synthese – etwa von Nukleinsäuren - verwendet werden.

Klinische Studien belegen den Nutzen des Tumormarkers zur Früherkennung von Darmkrebs. In rund 85 Prozent gelang es mithilfe des Enzymtests, die Darmkrebserkrankung frühzeitig zu diagnostizieren. Zudem eigne sich das Verfahren im Gegensatz zum Okkultbluttest auch zur Erkennung nicht blutender Tumoren.

Seit Anfang des Monats kann der Patient den Vorsorgetest auch über die Apotheke beziehen. Die eingeschickte Stuhlprobe wird im Labor analysiert, das Ergebnis liegt innerhalb von einer Woche vor. Bei einem positiven Resultat ist eine weitere differenzialdiagnostische Abklärung durch den Arzt erforderlich – in der Regel durch Koloskopie. Der Test sollte ab einem Alter von 35 Jahren und bei Risikopatienten mit familiärer Disposition einmal jährlich durchgeführt werden, so der Anbieter. Top

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