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Die Sonnenfinsternis darf kein riskantes Erlebnis werden

26.07.1999  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Die Sonnenfinsternis darf kein riskantes Erlebnis werden

von Christiane Staiger, Neu-Isenburg

Am 11. August gibt es in Deutschland ein seltenes Ereignis zu beobachten: eine totale Sonnenfinsternis. Wer zwischen rund 11 und 14 Uhr seinen Blick gen Himmel richtet, kann beobachten, wie sich der Mond zwischen die Sonne und die Erde schiebt und sich an den verschiedenen Phasen der Sonnenfinsternis erfreuen. Aber Achtung: Einige Verhaltensregeln sollte man dabei beachten.

Voraussetzung für die Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis ist, daß man sich dort aufhält, wo der Schatten des Mondes die Erdoberfläche trifft. Am 11. August verläuft diese Totalitätszone in einem kleinen Streifen über Süddeutschland. Wer sich außerhalb dieser Zone aufhält, wird leider nur eine partielle Sonnenfinsternis erleben können. Der Mond bedeckt hier die Sonne nicht vollständig. Innerhalb der Totalitätszone nimmt die Dauer der Verfinsterung zur Mitte der Zone hin zu, nahezu ideal liegt zum Beispiel die Stadt Stuttgart. Informationen zum Verlauf der Finsternis findet man auch im Internet, unter http://schwaebische-sternwarte.de/sofi-99/ oder http://sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/TSE1999/TSE1999.html

Augenschutz nicht vergessen

Damit die Beobachtung der Sonnenfinsternis die Gesundheit nicht gefährdet, sollte man einige Hinweise unbedingt beachten. Unerläßlich für den direkten Blick in die Sonne während der partiellen Phasen der Sonnenfinsternis ist ein geeigneter Schutzfilter für die Augen. Dies gilt auch für den Blick durch Kamerasucher, Ferngläser und Teleskope. Auch wer nur kurz ohne Filter in die Sonne schaut, riskiert ernste und dauerhafte Augenschäden bis hin zur Erblindung. Bei ungeschützter Sicht in die Sonne trifft neben dem sichtbaren Licht besonders die unsichtbare UV- und Infrarotstrahlung - durch die Augenlinse wie mit einem Brennglas fokussiert - direkt auf die Netzhaut im Augenhintergrund. Die Netzhaut wird dadurch dauerhaft zerstört.

Vor unzureichendem Augenschutz muß man dringend warnen. Nach der Sonnenfinsternis am 7. März 1970, die hierzulande nicht zu sehen war, wurden allein in den USA 145 Menschen offiziell registriert, die ihr Augenlicht völlig oder weitgehend durch die Beobachtung der Sonne ohne ausreichenden Schutz verloren hatten. Bereits einfache Reizungen des Augenhintergrundes sind zwar, da die Netzhaut keine Schmerzen signalisiert, in der Entstehungsphase schmerzlos, aber gerade deshalb so tückisch. Wenn die Schädigung bemerkt wird, ist es bereits zu spät.

Geeignete Schutzfilter bestehen meist aus einer speziellen Folie oder speziellen Gläsern, die die UV- und IR-Strahlen des Sonnenlichts wirkungsvoll reduzieren. Metallbedampfte Folien müssen sorgsam behandelt werden, damit sie nicht zerkratzen oder kleine Löcher erhalten und dann ihre Funktion nur noch unzureichend erfüllen. Eine gute Schutzbrille verfügt außerdem über extrabreite Bügel, um den bei der Beobachtung ablenkenden seitlichen Lichteinfall zu reduzieren, und trägt die vorgeschriebenen Benutzungs- und Warnhinweise. "Hausmittel" wie Sonnenbrillen, rußgeschwärzte Gläser, Schweißer-Schutzbrillen, schwarze Filmstreifen oder CDs sind wegen unzureichendem UV- und IR-Schutz ungeeignet und gefährlich.

Beobachtungstips

Die Sonnenfinsternis kann man auch beobachten, ohne direkt in die Sonne zu schauen. Das geht ganz einfach mit dem Prinzip der "Camera obscura": Hierfür braucht man nur zwei Kartonblätter. In einen Karton bohrt man ein kleines Loch. Wenn man diesen Karton senkrecht zur Sonne hält, kann man das durch das Loch projizierte Bild der Sonne auf der Fläche des zweiten Kartons auffangen. Gerade für Kinder und Schüler ist das sicher spannend. Bei einem Beobachtungsplatz in der Nähe eines Laubbaumes geht das noch einfacher: Die kleinen Öffnungen zwischen den Blättern haben die gleiche Wirkung wie der gelochte Karton, und man kann unter dem Baum zahllose kleine Sonnenbildchen sehen. Ein Effekt, der um so schöner ist, je stärker die Sonne verfinstert wird.

Die Natur reagiert mit gespenstischer Stille

Die Natur reagiert ebenfalls auf die Verdunklung der Sonne: Eine gespenstische Stille tritt ein, kein Vogel singt mehr. Manche Blüten schließen sich vollständig. Oft kommt böiger Wind auf. Je nach Luftfeuchtigkeit lösen sich durch die sich abkühlende Luft Wolken auf oder es entstehen neue.

Neben dem reinen Betrachten kann eine Sonnenfinsternis auch fotographisch oder mit einer Videokamera aufgezeichnet werden. Hierbei steht die Wahl der richtigen Objektivbrennweite, Blende und Belichtungszeit im Vordergrund. Generell muß auch bei der Fotographie oder beim Filmen während der partiellen Phase immer ein Sonnenfilter benutzt werden, zum einen, damit ohne Gefahr für die Augen fokussiert werden kann, zum anderen, weil das Sonnenlicht bis unmittelbar vor der Totalität sehr hell ist und somit leicht Überbelichtungen zustande kommen. Tips zum richtigen Fotografieren gibts beispielweise im Internet unter http://www.dwd.de/general/eclipse/

Das Beobachtungsvergnügen wird natürlich auch vom Wetter maßgeblich mitbestimmt und kann bei Regen oder Bewölkung stark gemindert sein. Sollte der Himmel an Ihrem Beobachtungsort tatsächlich bewölkt sein, lassen Sie sich nicht zu einer wilden Fahrt über irgendwelche Autobahnen auf der Jagd nach der letzten Wolkenlücke verleiten. Häufig bringt es mehr, an Ort und Stelle bis zuletzt auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Und auch eine Sonnenfinsternis hinter Wolken ist schon ein beeindruckendes Erlebnis. Aber wer will schon bezweifeln, daß uns das Wetter am 11. August ausschließlich strahlenden Sonnenschein beschert?

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