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Immer mehr Lungenerkrankungen

04.07.2005  00:00 Uhr

Immer mehr Lungenerkrankungen

von Karen Aust, Berlin

Ernüchternd ist der Stand und besorgniserregend die Entwicklung pneumologischer Erkrankungen: Mit COPD, Asthma bronchiale und Lungenkrebs befinden sich derzeit drei Lungenerkrankungen unter den weltweit fünf häufigsten zum Tode führenden Krankheiten.

Dem Weißbuch Lunge 2005 zufolge, das zum dritten Mal erschien, sind Lungenerkrankungen weiterhin auf dem Vormarsch. Nur an Herzkranzgefäßverengung und Schlaganfällen sterben weltweit mehr Menschen.

Allein der Umstand, dass zunehmend jüngere Menschen auf eine lange Raucherkarriere zurückblicken, lässt keine optimistischen Vorhersagen zu. »Zur neuen Risikogruppe für Bronchialkarzinome zählen all diejenigen ab einem Alter von 40 Jahren, die 25 Jahre lang geraucht haben«, sagte Mitherausgeber Professor Dr. Helmut Fabel von der medizinischen Hochschule Hannover anlässlich der Vorstellung des Weißbuchs in Berlin. So wird sich der Trend der letzten 15 Jahre, in denen das schwer zu therapierende Lungenkarzinom von Platz zehn auf drei der häufigsten erkrankungsbedingten Todesfälle gerückt ist, fortsetzen.

Fabel lobte die derzeitigen öffentlichen Anstrengungen zur Lungenkrebsprävention, wie die Antiraucherkampagnen, gab jedoch zu bedenken, dass deren Effekte noch mindestens 15 Jahre auf sich warten lassen werden. Auch aus diesem Grund müsse in Deutschland mit einem enormen Anstieg der Lungenkrebstoten von derzeit circa 39.000 auf jährlich 60.000 gerechnet werden.

Im Bereich der Atemwegserkrankungen verursachen jedoch die COPD genannten chronisch-obstruktiven Bronchitiden mit Lungenemphysem volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch die höchsten Kosten. Oft suchen Betroffene erst einen Arzt auf, wenn sich deutliche Einschränkungen in der Lungenfunktion auf die gesamtkörperliche Fitness und auf die Lebensqualität niedergeschlagen haben. Dieser verzögerte Therapiebeginn hat nicht nur eine intensivere medizinische Betreuung zur Folge, sondern auch hohe indirekte Kosten auf Grund von Arbeitsunfähigkeit und frühzeitiger Verrentung. Mit 4,2 Milliarden Euro übertreffen die Aufwendungen für COPD die Gesamtkosten für Bronchialkarzinome von 3,3 Milliarden Euro und sind mehr als doppelt so hoch wie die Kosten, die für Asthma bronchiale (2 Milliarden Euro) aufgebracht werden.

Als »kleine Erfolgsgeschichte« bezeichnete Fabel die Entwicklung der Asthmabehandlung. Durch eine konsequente Therapie und Krankheitskontrolle sei es in den letzten Jahren möglich geworden, die mittelschweren und schweren Krankheitsverläufe zurückzudrängen. Ebenso trug die verstärkte Verlagerung der Betreuung von Asthmatikern in den ambulanten Bereich zur Kostenreduktion in der Zeit von 1992 bis 2002 um 25 Prozent bei.

Als Instrument zur weiteren Optimierung von Therapien und deren Kosten setzen Medizinökonomen und Pneumologen ihre Hoffnung nun in die von einigen Krankenkassen noch für dieses Jahr geplante Einführung von Asthma/COPD-Disease-Management-Programmen (DMP). Top

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