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Mit Magnet durch den Magen

05.07.1999
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-MedizinGovi-Verlag

Mit Magnet durch den Magen

Beitrag von der PZ-Redaktion

Mit einem neuen ferromagnetischen Verfahren können Zerfall und Passage von Arzneiformen im Gastrointestinaltrakt untersucht werden. Bei der Magnetischen Quellenlokalisation werden die zu untersuchenden Präparate mit Magnetit (Fe3O4) beladen und anschließend magnetisiert, was zur Ausbildung von Dipolen führt. So können Wissenschaftler die Substanz anhand der entstandenen Feldlinien orten.

Nicht nur die Mediziner, sondern auch Pharmazeuten und dort insbesondere die Technologen sind an den Passagevorgängen im menschlichen Verdauungstrakt interessiert. Das größte Augenmerk gilt vor allem dem Schicksal der oralen Applikationsformen nach ihrer Einnahme. Zahlreiche Methoden der Lokalisation und "Verfolgung" von eingenommenen Arzneiformen sind bekannt: g -Szintigraphie (in Deutschland zur Anwendung am Menschen nicht zugelassen), Radiotelemetrie, Röntgen, Ultraschall, MRT, Endoskopie, um nur einige zu nennen. Doch seit kurzem steht eine neue, beinahe revolutionäre Alternative der Untersuchung zur Verfügung – Magnetische Quellenlokalisation (Magnetic Marker Monitoring).

Beim Zerfall der Arzneiform wird die Ausrichtung der Dipole aufgehoben und dadurch kann die Wanderung mit einer Genauigkeit von 5 mm in allen drei Richtungen verfolgt werden. So können die Passagezeiten für die einzelnen Abschnitte des Gastrointestinaltraktes genau bestimmt und nach entsprechender Datenaufbereitung graphisch dargestellt werden. Dabei beobachteten die Wissenschaftler jetzt diskontinuierliche Transportbewegungen, die durch abwechselnde Ruhe- und Bewegungsphasen gekennzeichnet sind. Manche GIT-Abschnitte werden schneller als bisher angenommen passiert. Diese Erkenntnis läßt zum Beispiel den Einsatz von Kollagenschwammpräparaten in anderem Licht erscheinen, da die Gefahr des Darmverschlusses aufgrund der schnellen Magenpassage nicht mehr ausgeschlossen werden kann.

Die alte pharmazeutische Weisheit, orale Arzneimittel mit einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge einzunehmen, wurde bestätigt, da bei Mengen unter 50 ml circa 20 Prozent der eingenommenen Kapseln im Ösophagus hängenbleiben.

Diese Untersuchungen wurden an Patienten im nüchternen Zustand durchgeführt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Nahrungsaufnahme die Passage beeinflußt, und der direkte Vergleich mit bekannten Verfahren angestellt werden kann.

Quelle: Vortrag von Professor Dr. Werner Weitschies, Pharmazeutisches Kolloquium am Institut für Pharmazie der Universität Greifswald, 15. Juni 1999

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