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Unangenehme Urlaubsmitbringsel

13.06.2005
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Unangenehme Urlaubsmitbringsel

von Ulrike Wagner, Sydney

Neben Erinnerungen und Fotos bringen viele Deutsche auch weniger angenehme Souvenirs von ihren Urlaubsreisen mit nach Hause. Die Nummer eins bei den eingeschleppten Infektionskrankheiten ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) hier zu Lande noch immer Malaria.

Im vergangenen Jahr meldeten deutsche Ärzte 707 Malaria-Erkrankungen, zwei der Patienten starben. Dies berichtet das RKI im aktuellen Infektionsepidemiologischen Jahrbuch, das Anfang Juni erschien. Zwar ging die Zahl der Infektionen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Ob es sich dabei jedoch um einen anhaltenden Trend handelt, ist noch unklar. Die Tendenz bei den Todesfällen ist allerdings eindeutig und erfreulich: Immer weniger Menschen sterben hier zu Lande an der Tropenkrankheit. Bis 1999 lag die Zahl der Opfer noch bei 20 pro Jahr und war in Bezug auf die Erkrankungszahlen und im Vergleich zu anderen Industrieländern viel zu hoch.

Die Reisenden unterschätzen das Malaria-Risiko noch immer. So hatten in den vergangenen Jahren die meisten Erkrankten keinerlei Medikamente zur Malariaprophylaxe verwendet. Diejenigen, die trotz Chemoprophylaxe erkrankt waren, hatten die Medikamente meist nicht den Empfehlungen entsprechend eingenommen. Sehr selten erkranken Reisende, weil die Erreger gegen die empfohlenen Medikamente zur Prophylaxe resistent sind.

Besonders gefährdet sind Personen, die nach Afrika reisen. So hatten sich im Jahr 2004 87 Prozent der an Malaria Erkrankten die Infektion dort zugezogen. Dabei führt Ghana mit großem Abstand die Liste der Länder an, gefolgt von Nigeria, Kamerun und Kenia. In Asien scheint die Gefahr wesentlich geringer: 7 Prozent der Malaria-Patienten hatten sich zuvor dort aufgehalten, 4 Prozent in Amerika, 2 Prozent in Australien/Ozeanien.

Shigellen aus Ägypten

Um sich ein unangenehmes Urlaubssouvenir zuzuziehen, muss man jedoch nicht bis in die Tropen reisen. Ein Aufenthalt in Ägypten oder in der Türkei reicht schon aus, um zum Beispiel an Shigellose zu erkranken. Zwar tritt die Shigellen-Ruhr auch in Deutschland auf, inwieweit es sich dabei jedoch um Sekundärinfektionen nach Kontakt mit im Ausland erkrankten Personen handelt, lässt sich auf Grund der ans RKI übermittelten Daten nicht immer bestimmen. Daher galt für 30 Prozent der Shigellosen das Infektionsland Deutschland, Ägypten folgte mit 25 Prozent; 7 Prozent der an Shigellen-Ruhr erkrankten Patienten hatten in der Türkei Urlaub gemacht.

Shigellose ist weltweit verbreitet. Charakteristisch für die bakterielle Infektion sind wässrige bis blutige Durchfälle, Bauchkrämpfe und Fieber. Sehr selten kommt es zum hämolytisch-urämischen Syndrom, das oft mit akutem Nierenversagen einhergeht. Die Übertragung der Shigellen erfolgt fäkal-oral von Mensch zu Mensch, über verunreinigtes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel. 2004 waren 1149 Menschen in Deutschland an Shigellen-Ruhr erkrankt.

Auch bei anderen Erkrankungen liegen die Türkei und Ägypten relativ weit vorne. So kommen verhältnismäßig häufig Patienten mit Giardiasis von einer Reise in eines der beiden Länder zurück. Die parasitäre Infektion tritt auch in Deutschland auf, bei den Reiserückkehrern gaben nach Indien die meisten die Türkei oder Ägypten als Reiseland an.

Bei der Giardiasis handelt es sich um eine Infektion mit dem Dünndarmparasiten Giardia lamblia. Diese kann unauffällig verlaufen, aber auch zu lang andauernden und über Jahre wiederkehrenden Durchfällen und Oberbauchbeschwerden mit Gewichtsabnahme führen. Übertragen wird dieser Parasit ebenfalls fäkal-oral.

Hepatitis A aus der Türkei

Auch eine Hepatitis-A-Infektion ziehen sich viele Reisende in Ägypten oder der Türkei zu. Dabei waren die meisten Menschen (94 Prozent), die 2004 an der Virusinfektion erkrankten, nicht geimpft. Das Hepatitis-A-Virus verursacht eine akute Leberentzündung mit den klinischen Zeichen einer Gelbsucht. Das Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden und durch direkten Kontakt, verunreinigte Nahrungsmittel oder kontaminiertes Trinkwasser übertragen.

Besonders vorsichtig sollten Reisende auch beim Genuss von roher Milch und Milchprodukten von Schafen, Ziegen oder Kühen sein, selbst wenn sie nur im Mittelmeerraum unterwegs sind. Denn dort ist Brucellose noch immer eine relativ häufig vorkommende Erkrankung. Erreger sind Bakterien der Gattung Brucella. Sie verursachen eine fieberhafte Erkrankung, die sehr schwer verlaufen kann. 2004 infizierten sich 32 Menschen an Brucellose, 15 hatten sich zuvor in der Türkei aufgehalten.

Sowohl beim Typhus abdominalis als auch beim milder verlaufenden Paratyphus werden inzwischen die meisten Erkrankungen nach Deutschland importiert. Beide Krankheiten, die von verschiedenen Serovaren der Bakterienart Salmonella enterica hervorgerufen werden, wurden 2004 am häufigsten aus Indien eingeschleppt. Daneben stehen Pakistan, Bangladesch, die Türkei, Indonesien sowie Kambodscha auf der Liste der Länder, aus denen die in Deutschland aufgetretenen Infektionen stammten.

Dengue-Fieber aus Thailand

Bei den von Stechmücken übertragenen Viren steht das Dengue-Virus als Erreger importierter Infektionskrankheiten an erster Stelle. Im Jahr 2004 erkrankten 121 Menschen in Deutschland an Dengue-Fieber. Die meisten hatten sich in Thailand infiziert, gefolgt von Indien und Sri Lanka. Allerdings waren im Vergleich zu den Vorjahren mehr Menschen an Dengue-Fieber erkrankt, die außerhalb Asiens unterwegs waren.

Das Dengue-Virus kommt in vier verschiedenen Serotypen vor. Es verursacht eine akute fieberhafte Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen und manchmal Hautausschlag. Zu hämorrhagischen Verlaufsformen kommt es meist dann, wenn nach einer Infektion mit einem Serotyp eine erneute Infektion mit einem anderen Serotypen auftritt. An Dengue-hämorrhagischem Fieber erkrankten 2004 zwei Patienten, glücklicherweise starb niemand. Top

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