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Gentherapie: Phase-I-Studie beendet

26.05.1997
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-Medizin

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Gentherapie: Phase-I-Studie beendet

  Das Immunsystem reagiert, Aussagen über Heilungsmöglichkeiten stehen aber noch aus. So der Stand der Dinge nach Abschluß einer gentherapeutischen Phase-I-Studie an der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg.

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Roland Mertelsmann hatte als erstes Forscherteam in Deutschland die Genehmigung für eine Gentherapie bei nicht mehr konventionell therapierbaren Haut-, Nierenzell- und Dickdarmkrebspatienten erhalten. Ihr Ziel ist es seither, den menschlichen Körper soweit zu bringen, daß er Krebszellen als fremd erkennt. Ein gezielter gentherapeutischer Eingriff soll das Immunsystem der Patienten aktivieren, damit dieses Krebszellen angreifen und im Idealfall abtöten kann.

In der im April 1994 gestarteten Phase-I-Studie erhielten die Patienten vier subcutane Injektionen eines Gemisches eigener Tumor- und Bindegewebszellen (Fibroblasten), in die zuvor die Erbinformation für das immunstimulierende Hormon Interleukin(IL)-2 eingeschleust worden war. Die eingesetzten Tumorzellen und Fibroblasten waren zu einem früheren Zeitpunkt durch Operation oder Biopsie gewonnen und in vitro kultiviert beziehungsweise tiefgekühlt gelagert worden. Vor der klinischen Anwendung wurden sie durch Bestrahlung teilungsunfähig gemacht.

Das IL-2-Gen wurde mit Hilfe von Liposomen oder durch Elektroschocks in die Fibroblasten eingebracht. Es wurde so eine dauerhafte IL-2-Freisetzung aus den Fibroblasten ermöglicht; die an die Injektionsstelle gelockten Immunzellen sollten dadurch aktiviert werden, die mitinjizierten Tumorzellen zu erkennen und auch an anderer Stelle im Körper abzutöten.

Die wissenschaftlichen Ziele der Phase-I-Studie, nämlich die Prüfung von Toxizität und Praktikabilität des neuen Therapieansatzes, wurden erreicht, heißt es in einer Mitteilung der Freiburger Uni-Pressestelle. Nebenwirkungen sowie bislang unbekannte Gefahren für Patienten und Personal wurden nicht beobachtet; bei Melanompatienten konnte eine gezielte Beeinflussung des Immunsystems gegen Krebszellen nachgewiesen werden. Die Ergebnisse wurden im International Journal of Cancer (79/97, 269-277) und im Journal of Molecular Medicine (75/97, 290-296) veröffentlicht.

Um Aussagen zur klinischen Wirksamkeit des gentherapeutischen Ansatzes zu erhalten, laufen derzeit drei weitere Studien, zwei beim Melanom, eine beim Nierenzellkarzinom. Da den bisherigen Ergebnissen zufolge mit unerwarteten Risiken offenbar nicht zu rechnen ist, werden inzwischen auch Patienten in früheren Krankheitsstadien und mit günstigerer Prognose einbezogen. Mit Ergebnissen ist nach Einschätzung Mertelsmanns frühestens in zwei Jahren zu rechnen.

Artikel von der PZ-Redaktion
       

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