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Die Tumor-Suchmaschine

17.05.2004
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PET-CT

Die Tumor-Suchmaschine

von Conny Becker, Berlin

Mit dem kombinierten Bild gebenden Verfahren PET-CT können Tumoren vielfach schneller erkannt werden als bislang. Darüber hinaus soll die teure Methode Geld sparen helfen, da sie unnötige chirurgische Eingriffe und Biopsien vermeidet und ineffektive Therapien aufdeckt, so die Meinung der Nuklearmediziner.

In der Krebsdiagnose spielen Bild gebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) schon längst eine große Rolle, doch werden damit immer noch einige Tumoren übersehen. So liefere etwa die CT so viele anatomische Informationen, dass ein Filtern schwierig werde und falsch negative Befunde auftreten, sagte Professor Dr. Frans Corstens, Präsident des europäischen Vereins für Nuklearmedizin aus Nijmegen, auf einer von Siemens unterstützten Pressekonferenz in Berlin.

Die Kombination mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) beschreibt der Mediziner als deutlich aussagekräftiger als ein isoliertes Verfahren. Während bei der PET stoffwechselaktive Tumorherde gut zu erkennen sind, ermöglichen erst die hoch auflösenden CT-Bilder eine genaue räumliche Zuordnung. Im einem Gerät kombiniert, erspart das PET-CT dem Patienten eine zusätzliche Untersuchung, Außerdem wird das Ergebnis durch direktes Überlagern des röntgenologischen und des nuklearmedizinischen Bildes genauer als ein zeitlich versetzter Vergleich, sodass auch sehr kleine Herde exakt zugeordnet werden können.

Die PET basiert darauf, dass den Patienten Substanzen injiziert werden, die mit Positronenstrahlern wie den kurzlebigen 18F-, 11C-, 13S- und 15O-Isotopen markiert sind. Treffen die abgegebenen Positronen auf Elektronen, zerfallen sie unter Emission von Gammastrahlen. Auf Grund der hohen Halbwertszeit von 110 Minuten werde vor allem 18F verwendet, die drei anderen Positronenstrahler könnten aber bei der Untersuchung der Durchblutung angewandt werden, sagte Corstens.

Krebsherde aufdecken

Das noch recht neue und teure Verfahren wird vor allem in der Onkologie eingesetzt. Denn Tumoren zeigen einen erhöhten Glucosestoffwechsel, sodass sich das Radiopharmakon 2-(18F)-Fluordesoxyglucose (FDG) besonders in den Krebsherden ansammelt. Ein spezieller PET-Detektor misst die Gammastrahlung und zeichnet ein Bild, auf dem der Tumor zu erkennen ist. Angewandt wird dieses Diagnoseverfahren vor allem bei Lungen-, Dickdarm-, Brust-, Lymphknoten-, Haut- sowie Gehirntumoren. Das Prostatakarzinom dagegen nimmt den Zucker nicht auf, reichert aber Cholin besonders an. Daher dient hier 18F- oder auch 11C-markiertes Cholin zur Detektion.

Mit der PET-CT können Metastasen, Rezidive oder nach bereits entdeckten Lymphknoten-Metastasen auch die entsprechenden Primärtumoren aufgedeckt werden. Daneben kann die Methode auch helfen, Chemotherapien zu bewerten, berichtete Professor Dr. Wolfgang Mohnike, der in seinem ambulanten diagnostisch-therapeutischen Zentrum in Berlin eines von insgesamt zwölf PET-CT-Geräten in Deutschland hat. So sei der Erfolg einer Radioimmuntherapie mit Zevalin® bei Non-Hodgkin-Lymphomen im MRT nicht erkennbar, wenn die Herde noch die gleiche Größe aufweisen. Die PET-CT könne dann jedoch zeigen, dass diese nicht mehr aktiv sind. Auch die Wirksamkeit der teuren Therapie von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib kann die Methode erfassen, sodass eine erfolglose Behandlung abgebrochen werden kann. Dadurch sowie durch eine schnelle Diagnose und die Vermeidung überflüssiger Eingriffe helfe PET-CT Geld zu sparen, auch wenn eine einzige Untersuchung rund 1000 Euro koste, sagte Mohnike. Er hofft, dass das Kombinationsverfahren künftig nicht mehr am Ende der Diagnosekaskade steht.

„PET-CT verändert bei 25 bis 30 Prozent der Patienten die therapeutische Entscheidung“, sagte Corstens. Denn entdecken Mediziner etwa bei Lungentumoren Knochen- oder Lebermetastasen, operieren sie in vielen Fällen den primären Tumor nicht mehr. Dies habe laut einer Studie jedem fünften Patienten mit vermutetem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eine unnötige Thorakotomie erspart – sowie die entsprechenden Kosten von mehreren tausend Euro. Daher könne Corstens nicht verstehen, dass in Deutschland die PET-CT – im Gegensatz zu allen anderen Ländern der europäischen Union – nicht von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werde. Zwar gibt es etwa in Belgien, Frankreich oder Großbritannien strikte Indikationsvorgaben für die Erstattung. Diese decken jedoch fast alle Tumoren ab, die den Marker gut aufnehmen. Außerdem ist die Methode auch häufig bei kardiologischen Untersuchungen (Herzdurchblutung und -vitalität) und in der Neurologie (zur Diagnose von Epilepsie, Morbus Alzheimer oder Chorea Huntington) indiziert. Zehn EU-Länder geben keine strikten Indikationsvorgaben, in sechs der neuen Mitgliedsstaaten ist noch kein PET-CT-Gerät vorhanden.

Zukunft von PET-CT

In Deutschland ist die Kostenübernahme durch die GKV im niedergelassenen Bereich noch verboten. Doch derzeit prüft der Gemeinsame Bundesausschuss alle Indikationen für Aufnahmen in der Klinik. Wahrscheinlich wird zumindest die Diagnostik bei Lungentumoren in Zukunft erstattet.

So scheint es, dass Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien die nahe Grenze von einem PET- oder PET-CT-Gerät pro eine Million Einwohner eher überschreiten werden als Deutschland, das anfangs noch federführend in der neuen Technologie war. Die USA weise bereits mehr als zwei Geräte pro einer Million Einwohner auf, sagte Corstens.

Am Einsatzbereich der Methode wird weiter gefeilt. So kann die PET-CT etwa Infektionskrankheiten wie Fieber mit unbekannter Herkunft oder eine HIV-Infektion sichtbar machen, denn auch Infektionsherde setzen verstärkt Glucose um. Sie können laut Corstens, ebenso wie einige granulomatöse Entzündungen, falsch positive Ergebnisse in der Tumorsuche liefern, wobei sie jedoch quantitativ viel weniger Glucose verbrauchen. Top

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