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Lebendspende statt Warteliste

21.05.2001
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Lebendspende statt Warteliste

von Ulrike Wagner, Eschborn

In Deutschland erhalten noch zu wenige Dialyse-Patienten eine lebend gespendete Niere. Das meldet der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz - Info Gesundheit e. V. (BGV) in Bonn. Dabei hat die Transplantation von Organen aus lebenden Menschen bessere Erfolgsaussichten als die Verpflanzung von Nieren Verstorbener.

In Deutschland machen Lebendspenden einen Anteil von 15 Prozent aller Nierentransplantationen aus, in den skandinavischen Ländern sind es 40 Prozent. Ein Grund für die geringe Rate in Deutschland ist nach Meinung von Professor Dr. Günter Kirste, Deutsche Transplantations-Gesellschaft (DTG), Freiburg, die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung. Immer noch wüssten in Deutschland nicht alle Betroffenen von der Möglichkeit der Lebend-Nieren-Spende und insbesondere nicht von den überragenden Erfolgsaussichten.

Bessere Erfolge mit Lebendspenden

Bei 90 Prozent der Patienten, die die neue lebend gespendete Niere in spezialisierten Zentren erhalten, funktioniert das Organ auch noch nach fünf Jahren. Deutschlandweit können die Patienten mit einer Erfolgsrate von 80 Prozent rechnen. Bei einer postmortal gespendeten Niere liegt diese Zahl nur bei 65 Prozent. "Von hundert Transplantierten haben fünfzig noch nach 22 bis 23 Jahren ihre Niere, bei der postmortalen Spende bleibt das Transplantat im Durchschnitt neun Jahre funktionsfähig", sagt Kirste.

Dennoch kann die Lebendspende nur eine Ergänzung zur postmortalen Spende sein. Denn ihr sind nicht nur medizinische, sondern auch ethische Grenzen gesetzt, heißt es in der Pressemitteilung des BGV. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz sind Lebendspenden nur zwischen nahen Verwandten und Paaren erlaubt, die in enger persönlicher Beziehung zueinander stehen. Die Spende muss freiwillig und jeglicher kommerzieller Hintergrund ausgeschlossen sein. Beides muss von einer unabhängigen Kommission geprüft werden.

Mehr Lebendspenden könnten die Wartelisten für Spendernieren deutlich verkürzen: In Deutschland müssen Dialysepatienten im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre auf eine Spenderniere warten, in Norwegen nur fünf bis sechs Monate. Voraussetzungen für eine Lebendspende sind aus medizinischer Sicht die Eignung des Spenders und Empfängers. Umfangreiche Voruntersuchungen sind notwendig, um das Risiko einer solchen Transplantation so gering wie möglich zu halten. Das Operationsrisiko ist tatsächlich sehr gering: Für die Lebendspende einer Niere wird es in den entsprechenden Veröffentlichungen mit 0,03 Prozent angegeben. Auch schwerwiegende andere Komplikationen treten nur bei 1 bis 2 Prozent der Operationen auf.

Ein weiterer Vorteil der Lebendspende: Stammt das Organ von Verwandten, können immunsuppressive Medikamente niedriger dosiert werden, je nach Übereinstimmungsgrad der Gewebsantigene. Häufig ist sogar eine erhebliche Reduzierung innerhalb weniger Jahre möglich.

Broschüre erschienen

Menschen mit einem Transplantat können selbst viel dazu beitragen, dass ihr neues Organ lange funktionsfähig bleibt, heißt es in der Pressemitteilung. Sie sind nicht nur gefordert, ihre Medikamente richtig einzunehmen. Wichtig ist es außerdem, Infektionen vorzubeugen. Transplantierte müssen daher bei der Hygiene besondere Sorgfalt walten lassen, Personen mit Infektionskrankheiten meiden und vorsichtig im Umgang mit Katzen sein, da diese Toxoplasmose übertragen können. Konkrete Ratschläge für die Zeit vor und nach der Organtransplantation hat der BGV in seiner Patientenbroschüre "Organtransplantation - Leben mit dem neuen Organ" zusammengestellt. Das Heft kann kostenlos beim BGV, Gotenstraße 164, 53175 Bonn oder im World Wide Web unter www.bgv-transplantation.de angefordert werden.

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