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Vorsorgeprogramm gegen Schlaganfall gestartet

19.05.1997
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Vorsorgeprogramm gegen Schlaganfall gestartet

  Durch die Ausschaltung vermeidbarer Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und durch die rechtzeitige Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, absolute Arrhythmie, Diabetes und Cholesterolerhöhungen könnten 30 bis 40 Prozent aller Schlaganfälle verhindert werden, so schätzen Experten. Prävention hilft deshalb nicht nur Todesfälle zu verhindern und Lebensqualität zu erhalten, sondern auch Kosten im Gesundheitswesen zu sparen.

In Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf geht die Betriebskrankenkasse der Deutschen Bank auf diesem Weg mit gutem Beispiel voran. Am 5. Mai fiel der Startschuß für ein Schlaganfall-Vorsorgeprogramm, das den BKK-Versicherten ab sofort kostenlos angeboten wird.

Der Schlaganfall ist nach wie vor eine unterschätzte Krankheit, monierte der Vorstandsprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, bei der Auftaktveranstaltung in Eschborn. Nach Herzinfarkt und Krebs ist der Hirninfarkt oder Schlaganfall zu Zeit die dritthäufigste Todesursache in der Bundesrepublik. Rund jeder Vierte stirbt an der Mangeldurchblutung im Gehirn, die die Ursache für rund 90 Prozent der Schlaganfälle ist. Von den überlebenden Betroffenen tragen rund drei Viertel eine bleibende Sprach- oder Gehstörung davon, circa 30 Prozent sind dauerhaft pflegebedürftig.

Prävention durch individuelle Untersuchung

Das jetzt gestartete Präventionsprogramm der BKK Deutsche Bank soll helfen, diesen Mißstand zu verbessern. Es beinhaltet eine Analyse des individuellen Risikoprofils des Versicherten durch einen Arzt des Präventionsteams. Das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt, werden die in einer rund einstündigen Untersuchung und Beratung ermittelten Risikofaktoren dann an den Hausarzt weitergegeben, um die erforderlichen Vorbeugemaßnahmen einzuleiten.

Professor Dr. Helmuth Steinmetz von der Universität Düsseldorf, medizinischer Leiter des Programms, machte das erwartete Ausmaß einer rechtzeitigen Prävention deutlich: Die effektive Therapie einer bestehenden Hypertonie könnte das Schlaganfallrisiko um rund 40 Prozent reduzieren, die Behandlung einer absoluten Arrhythmie könnte die Gefahr sogar um circa 70 Prozent verringern und "Stop smoking" käme einer Risikosenkung um etwa die Hälfte gleich, schätzt er.

In absoluten Zahlen hieße das: Von den in Deutschland jährlich zu veranschlagenden rund 150000 neuen Schlaganfällen wären 60000 durch rechtzeitige Hypertoniebehandlung vermeidbar, 15000 könnten durch Einstellung des Rauchens verhindert werden und etwa die gleiche Zahl durch die Therapie von bestehenden Herzrhythmusstörungen.

Genau auf diese Effekte baut das Präventionsprogramm. Ziel sei es, so Ute Manthey, BKK-Vorstand, durch rechtzeitige medikamentöse Intervention oder Lebensumstellung die Gesundheit der Mitarbeiter auf hohem Niveau zu erhalten. Um den Erfolg dieser Maßnahmen zu überprüfen, sieht das Programm etwa zwei Jahre nach Erstellung des persönlichen Risikoprofils eine Nachuntersuchung durch einen Arzt des Präventionsteams vor.

PZ-Artikel von Bettina Schwarz, Eschborn        

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