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Interessen gebündelt vertreten

28.03.2005  00:00 Uhr
Patientenverbände

Interessen gebündelt vertreten

von Ralf Denda, Berlin

Da die familiären Netze dünner werden, nimmt die Bedeutung von Patientenverbänden immer mehr zu. Viele von ihnen, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, die BAGP oder der Verbraucherzentrale Bundesverband, arbeiten auch mit der Apothekerschaft zusammen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland und hat seinen Sitz seit 2003 in Berlin. Grundsätzlich fördert er das soziale Engagement für den anderen sowie den Einsatz für die eigenen sozialen Belange. Er hilft den Betroffenen, ihre Interessen zu formulieren, vorzutragen und durchzusetzen. Ein wesentliches Merkmal ist seine Funktion als Dienstleistungsverband, das heißt, seine Mitglieder erhalten Rat in fachlichen, rechtlichen und organisatorischen Fragen sowie Hilfe bei der Finanzierung von Projekten. Zudem bietet der Verband eine große Auswahl an Aus- und Fortbildungskursen, Lehrgängen und Seminaren an ­ sowohl für haupt- als auch für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als seine Markenzeichen gelten vor allem seine Armutsberichte und die sozialpolitischen Konzepte.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband wurde 1924 ursprünglich als Zweckbündnis freier Krankenhausträger gegründet. Er ist ein Wohlfahrtsverband von rund 9000 eigenständigen Organisationen und Initiativen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, was ihn zum größten Dachverband von Selbsthilfeinitiativen in diesem Bereich macht. Seine Mitgliedsorganisationen arbeiten in den Arbeitsgemeinschaften der 15 Landesverbände zusammen. Auf Bundesebene sind circa 70 Selbsthilfeorganisationen im Paritätischen Wohlfahrtsverband organisiert, wobei neben der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfeorganisationen nach Krebs besonders das Aktionsbündnis Forum chronisch kranker und behinderter Menschen zu nennen sind.

Gemeinsam mit anderen Spitzenverbänden arbeitet der Verband in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zusammen. Zudem vertritt er seine Mitgliedsverbände gegenüber Politik und Behörden, unter anderem in Gremien und fachspezifischen Organisationen wie der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Behinderte, der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren und im Kuratorium Deutsche Altershilfe.

Patienteninteressen im Fokus

In der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen (BAGP) mit Geschäftsstelle in München schlossen sich 1989 die Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen (BAG), VertreterInnen der in Deutschland existierenden PatientInnenstellen, verschiedene Patienteninitiativen sowie Einzelpersonen zu einem Dachverband zusammen, um gemeinsam effektiver tätig werden zu können.

Die einzelnen PatientInnenstellen sind unabhängig von den Einrichtungen im Gesundheitssystem, ihre Träger sind gemeinnützige Vereine. Sie finanzieren ihre Arbeit über öffentliche Mittel, etwa Modellprojektgelder, Honorare, Vorträge, Spenden und das Ehrenamt.

 

Informationen und MaterialienParitätischer Wohlfahrtsverband: kostenlose Ratgeber, Empfehlungen, Pressemitteilungen, Stellungnahmen, Nachrichten Parität ­ Das Magazin, Tagungsberichte

BAGP: Diskussionspapier, Informationsbroschüren, Rundbriefe, Faltblätter, Infotelefon: Montag bis Donnerstag von 13 bis 14 Uhr unter (0 89) 76 75 51 31 interne Beschwerdemöglichkeit

vzbv: Bücher und Ratgeber, virtuelle Verbraucherinfothek, Pressemitteilungen, E-Presseschau, Verbraucherberatung, Produkttests.

 

Die BAGP versteht sich dabei als Dachorganisation für Patienteninteressen mit dem Ziel, Patienten und ihre Stellung im Gesundheitssystem zu stärken. Kern der Arbeit ist die Information, Beratung und Unterstützung von Beschwerden von Bürgern bei gesundheitlichen Fragen und Problemen mit Institutionen oder Anbietern im Gesundheitswesen. Zentrales Ziel der BAGP ist ein soziales, solidarisches, demokratisches, nicht hierarchisches Gesundheitssystem, in dem Patienten gleichberechtigte Partner sind. Weitere Ziele sind:

  • Entwicklung neutraler medizinischer Informationen,
  • Schaffung transparenter Strukturen im Gesundheitswesen,
  • Installation eines effektiven Beschwerdemanagements,
  • Einrichtung von unabhängigen Gutachterstellen,
  • Verwirklichung eines Patientenrechte- und -informationsgesetzes,
  • Verbesserung der Beteiligungsmöglichkeiten engagierter Bürger an gesundheitspolitischen Entscheidungen.

Die BAGP fördert die Kommunikation zwischen den Mitgliedsorganisationen, organisiert Fortbildungen, erarbeitet Standpunkte in der gesundheitspolitischen Diskussion und betreibt bundesweite Presse- und Lobbyarbeit. Weiterhin entwickelt und prüft die BAGP die Qualitätsstandards der angeschlossenen Beratungsstellen. Zudem organisiert sie oder nimmt teil an Ausstellungen, Vortragsreihen, Veranstaltungen, Kampagnen, Projekten und erstellt Broschüren, Faltblätter sowie eine eigene PatientInnenzeitung. Seit Januar 2004 ist die BAGP durch die Benennung in der Patientenbeteiligungsverordnung als maßgeblicher Patientenverband an den Sitzungen des Gemeinsamen Bundesausschusses beteiligt.

Für Verbraucher stark machen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) besteht in seiner jetzigen Form seit dem Jahr 2000 und hat seinen Sitz in Berlin. Er bildet die Dachorganisation von 16 Verbraucherzentralen der Länder und von 22 verbraucherpolitisch orientierten Verbänden. Weitere Organisationen unterstützen den vzbv als Fördermitglieder.

 

Kontaktadressen Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Oranienburger Straße 13-14, 10178 Berlin, Telefon (0 30) 2 46 36-0, Fax (0 30) 2 46 36-110, behindertenhilfe@paritaet.org, www.paritaet.org

BAGP, Auenstraße 31, 80469 München, Telefon (0 89) 76 75 51 31, Fax (0 89) 7 25 04 74, mail@bagp.de, www.bagp.de 

Verbraucherzentrale Bundesverband „Pillbox”, Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin, Telefon (0 30) 2 58 00-0, Fax (0 30) 2 58 00-218, info@vzbv.de, www.vzbv.de

 

Der vzbv vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bezüglich Verbraucherschutz, Verbraucherpolitik und Verbraucherrecht. Zu seinen Aufgaben zählen weiterhin die Koordinierung der Arbeit der Mitgliedsorganisationen, kollektiver Rechtsschutz durch Verbandsklagen, die Förderung der Verbraucherinformation, die Entwicklung von Beratungsstandards und die berufliche Qualifikation in der Verbraucherarbeit. Der vzbv arbeitet mit über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemeinnützig und finanziert seine Arbeit aus Mitteln des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Verkauf von Publikationen sowie Projektmittel. Der vzbv ist als vierter Patientenverband an den Sitzungen des Gemeinsamen Bundesausschusses beteiligt. Top

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