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Kaffee

In der Schwangerschaft mit Vorsicht zu genießen

03.03.2003  00:00 Uhr

Kaffee: In der Schwangerschaft mit Vorsicht zu genießen

von Christian Wetzler, Mainz

Kaffeekonsum während der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Totgeburt. Das ist das Ergebnis einer dänischen Studie, die jetzt im British Medical Journal erschienen ist.

Kaffee ist eine Coffeinkeule: Eine Tasse enthält mit durchschnittlich 100 Milligramm des Muntermachers rund doppelt soviel wie eine Tasse Tee oder ein Glas Cola. Dennoch sind sich Wissenschaftler und Ärzte einig, dass ein normaler Coffeinkonsum keine langfristigen Gesundheitsschäden nach sich zieht. Vorsicht ist allerdings während der Schwangerschaft geboten: Studien an Primaten haben ergeben, dass hohe Coffeindosen das Risiko für eine Totgeburt erhöhen. Daher warnen die Fachleute werdende Mütter vor zuviel Kaffee und schwarzem Tee.

Die statistische Erhebung, die das Team um Kirsten Wisborg vom Universitätskrankenhaus in Aarhus in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins British Medical Journal präsentiert, stützt diese Einschätzung. Zwischen 1989 und 1996 befragten die Forscher mehr als 18.000 schwangere Frauen über Kaffeekonsum und Lebensstil. Den Fragebögen zufolge verzichteten 7878 Frauen (43 Prozent) ganz auf Kaffee, während 6362 (34 Prozent) bis zu drei, 3288 (18 Prozent) bis zu sieben und 950 (5 Prozent) sogar acht und mehr Tassen täglich tranken.

Die Studie lieferte ein eindeutiges Ergebnis: Das Risiko für eine Totgeburt stieg mit der Anzahl der täglich konsumierten Kaffeemenge. Demnach wiesen Frauen, die pro Tag vier bis sieben Tassen Kaffee tranken, mit 7 Totgeburten pro 1000 Geburten ein um 80 Prozent erhöhtes Risiko gegenüber Kaffeeabstinenten auf. Schwangere, die acht und mehr Tassen Kaffee tranken, mussten sogar mit einer um 200 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit (11,6 Totgeburten pro 1000 Geburten) rechnen.

Die Autoren der Studie zogen in Betracht, dass auch der Lebensstil von starken Kaffeetrinkerinnen zu dem Ergebnis beitragen könnte: So sei bei Schwangeren mit hohem Kaffeekonsum zugleich ein erhöhter Zigaretten- und Alkoholkonsum zu erwarten. Doch auch nach Einberechnung dieser Einflüsse sank das Risiko für Totgeburten bei Kaffeetrinkerinnen nur unwesentlich. Gleiches gilt für weitere Faktoren wie Alter, Bildungsstand und Body-Mass-Index der Mutter.

Folglich besteht in der Tat ein Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und Totgeburten. Die Gründe hierfür sind unklar. Nach Ansicht der Wissenschaftler kommen verschiedene Erklärungen in Betracht. In jedem Fall scheint dem Trimethylxanthin Coffein eine zentrale Rolle zuzukommen. Es erhöht zum Beispiel die Freisetzung von Katecholaminen, die möglicherweise vasokonstriktorisch auf uteroplazentare Gefäße wirken und so zu einer Unterversorgung des Fetus mit Sauerstoff führen. Andererseits könnte Coffein auch direkt in das Kreislaufsystem des Fetus eingreifen und zu Tachykardie und anderen Arrhythmien führen, erklärt Wisborg.

Quelle: Wisborg, K., et al., Maternal consumption of coffee during pregnancy and stillbirth and infant death in first year of life: prospective study. BMJ 326 (2002) 420- 422.Top

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