Pharmazeutische Zeitung online

Nur Männer profitieren von Antioxidantien-Kombi

24.01.2005  00:00 Uhr

Nur Männer profitieren von Antioxidantien-Kombi

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Frauen ernähren sich im Allgemeinen gesünder als Männer. Dies ist möglicherweise der Grund dafür, dass die Antioxidantien-Supplementierung in einer Studie nur bei den männlichen Probanden das Krebsrisiko sowie die Gesamtmortalität senken konnte.

Seit langem wird vermutet, dass eine zu geringe tägliche Aufnahme antioxidaktiver Vitamine und Mineralien in der Nahrung mit einem erhöhten kardiovaskulären und/oder Krebsrisiko korreliert. Verschiedene randomisierte, kontrollierte Studien mit antioxidaktiven Nahrungsmittelzusätzen konnten jedoch bislang keine eindeutigen gesundheitsfördernden Effekte nachweisen. Insbesondere für die hoch dosierte Gabe mehren sich Befunde für schädliche Wirkungen.

Nun gingen Pariser Wissenschaftler in einer randomisierten Doppelblindstudie erneut der Frage nach, inwiefern entsprechende Supplemente vor Krankheiten schützen. Dazu erhielten 13.017 französische Erwachsene (7876 Frauen zwischen 35 und 60 Jahren sowie 5141 Männer zwischen 45 und 60 Jahren) entweder einmal täglich eine Kapsel mit 120 mg Ascorbinsäure, 30 mg Vitamin E, 6 mg Betacaroten, 100 µg Selen und 20 mg Zink oder Placebo. Die Studiendauer betrug 7,5 Jahre; Beurteilungskriterien waren das Auftreten und die Häufigkeit von Krebserkrankungen und Myokardinfarkten sowie die Gesamtmortalität.

Bezogen auf die gesamte Studienpopulation konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede bei den drei Beurteilungskriterien finden. Als sie jedoch die Männer allein auswerteten, stießen sie auf ein signifikant erniedrigtes relatives Krebsrisiko bei den Männern, die die Antioxidativa-Kombination eingenommen hatten (RR = 0,69, p = 0,004). Bei Frauen war eine entsprechende Korrelation nicht feststellbar, das relative Krebsrisiko betrug 1,04. Auch die Gesamtmortalität konnte die Nahrungsergänzung nur bei den Männern senken (RR = 0,63), nicht bei den Frauen (RR = 1,03).

Fazit: Die niedrig dosierte Supplementierung mit antioxidativen Vitaminen und Mineralien konnte nach 7,5 Jahren zwar bei Männern, nicht aber bei Frauen die Krebsinzidenz und die Gesamtmortalität vermindern. Die Autoren erklären diesen geschlechtsspezifischen Effekt mit den niedrigeren Basis-Vitaminspiegeln der Männer, im Speziellen von Betacaroten. Sie hatten zu Beginn der Studie anhand von Bluttests Unterschiede zwischen Frauen und Männern festgestellt. So entdeckten sie, dass Frauen einen höheren Vitamin C- und Betacarotenspiegel hatten. Mit Hilfe der Antioxidantien-Ergänzungen können offenbar diejenigen, die nur geringe Mengen der Antioxidantien aus ihrer normalen Ernährung beziehen, diesen Mangel ausgleichen.

 

Quelle: Hercberg, S., et al., Arch. Intern. Med. 164 (2004) 2335-2342.Top

© 2005 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa