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Medizin

19.01.2004
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Altersdermatosen

Sichtbare Spuren der Zeit

von Roland Niedner, Potsdam

Alterungsvorgänge des Menschen machen sich nicht nur in Form von Leistungseinbußen und verschiedenen Erkrankungen bemerkbar, sie sind auch an sichtbaren Veränderungen abzulesen – vor allem an der Haut: Tiefe Falten, Runzeln, Altersflecken, eine trockene bis schuppige Oberfläche und eine verringerte Hautdicke mit deutlicher Zeichnung der tieferen Blutgefäße sind typische Kennzeichen.

Alterungsprozesse hängen nicht nur vom Zeitaltern ab, das durch die Erbanlagen, durch Erschöpfung der Teilungsvorgänge und Minderversorgung der Zellen bestimmt wird (inneres Altern), sie werden auch durch Umwelteinflüsse gefördert, zum Beispiel durch UV-Strahlung, Nikotin, Alkohol, Fehlernährung und Stress, was als äußeres Altern bezeichnet wird.

Die typischen Alterungsmerkmale der Haut kommen durch verschiedene physiologische Veränderungen zustande. So führt die verringerte Teilungsrate der Epidermiszellen und Fibroblasten zu einer verlangsamten Wundheilung. Durch die Reduktion der Langerhans-Zellen wird die Immunantwort vermindert. Die Anzahl der Schweißdrüsen in der Haut nimmt ab, weshalb die Thermoregulation gestört ist. Weiterhin führt die Verkleinerung der Talgdrüsen, zusammen mit einem verminderten Wassergehalt, eine Reduktion des Hautoberflächenfettes zu einer Austrocknung der Haut. Außerdem kann eine verminderte Kapillarresistenz eine flächenhafte Hautblutung (Purpura senilis) bedingen, und durch die verminderte Hautelastizität bilden sich schließlich Falten.

Neben diesen charakteristischen harmlosen Merkmalen entstehen durch die Zeitalterungs- und Umweltalterungsprozesse echte, alterstypische Erkrankungen der Haut. Eine Zwischenstellung nehmen Veränderungen ein, die zwar im Vergleich zur gesunden Haut pathologisch sind, aber nicht immer einen Krankheitswert haben müssen, so zum Beispiel Teleangiektasien (Erweiterung kleiner Blutgefäße), senile Angiome, Riesenkomedonen, Altersflecken (Lentigo senilis) und Pseudonarben.

Harmlos sind auch die im Alter oft sehr zahlreich auftretenden seborrhoischen Warzen, auch Alterswarzen genannt, die nicht viral bedingt sind, sondern eine Wucherung der Epidermis darstellen. Sie sind so oberflächlich gelegen, dass sie mit einer Ringcurette narbenlos entfernt werden können.

Krankhaft verändert

Eine echte Alterserkrankung ist dagegen das Rhinophym, die Knollennase: Durch eine vermehrte Bildung der Talgdrüsen ist bei dieser Sonderform der Rosacea die Nase knollenförmig verdickt. Die Trockenheit der Altershaut führt unter Umständen zu einer weiteren typischen Erkrankung, dem Exsikkationsekzem (Austrocknungsekzem, meist am Unterschenkel gelegen) mit feinen Einrissen der Epidermis.

Durch Sonneneinwirkung – UVB-Strahlung wird lebenslang aufsummiert – können unter Umständen aktinische, das heißt strahlenbedingte Schäden auftreten: Es kann zur Ausbildung von aktinischen Keratosen, Vorstadien von Hautkrebs, oder zu echtem Hautkrebs (Carcinoma spinocellulare) kommen. Prädestiniert hierfür ist beispielsweise die Unterlippe, die als „Sonnenterrasse“ besonders der Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist.

Im Alter ebenfalls gehäuft tritt die Gürtelrose auf, auch Zoster genannt, bei der es sich um ein endogenes Rezidiv des Varizella-Zoster-Virus handelt. Im zweiten Lebensjahrzehnt entwickeln nur 1,4 von 1000 Personen einen Zoster, in der achten Lebensdekade verfünffacht sich die Inzidenz auf 10,1 pro 1000. Im Vorstadium der Gürtelrose, vor Ausbruch der eigentlichen Erkrankung, entwickeln die Betroffenen in der Regel ein Erythem mit Juckreiz bis hin zu starken Schmerzen am Ort der Entstehung. Zusätzliche Symptome sind Kopfschmerzen, Photophobie (Lichtscheu) und allgemeines Krankheitsgefühl.

Bei mehr als 50 Prozent der Patienten tritt der Zoster an der Brust auf, er kann aber auch den Kopf, Hals oder Bauch betreffen. Obwohl die Erkrankung im Volksmund Gürtelrose heißt, sind die Hauterscheinungen wie Bläschen, Erosionen, Krusten und Nekrosen immer nur streng halbseitig angeordnet, niemals tatsächlich gürtelförmig um den Körper herum.

Von Pilzen befallen

Zu den häufigen Hauterkrankungen im Alter gehören auch Pilzinfektionen, beispielsweise mit Hefepilzen (unter anderem Mundsoor) oder mit Fadenpilzen. Im Vordergrund steht häufig ein Befall der Zehennägel, so genannte Onychomykosen, gelegentlich verbunden mit der Ausbildung von Krallennägeln (Onychogrypose). Grund ist nicht selten eine Vernachlässigung der Fußpflege bei älteren Menschen, beispielsweise durch eingeschränkte Beweglichkeit oder Adipositas.

Bei ungenügender Pflege der Zehenzwischenräume kann es dort zur Mazeration kommen: Das Gewebes quillt auf und erweicht, es entstehen feine Verletzungen der Epidermis, durch die dann Bakterien wie Streptokokken in die Haut eindringen können. Mögliche Folge ist die Entstehung einer Wundrose. Innerhalb weniger Stunden nach Eindringen der Bakterien können Schüttelfrost und Fieber bis zu 41 °C auftreten, sowie eine flammende Rötung des infizierten Areals, starke Schmerzen im betroffenen Bein und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Patienten sind sofort mit Penicillin zu behandeln und haben strenge Bettruhe einzuhalten.

Altersleiden Krampfadern

Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) ist ebenfalls eine Erkrankung, die oft in zunehmendem Alter ernsthafte Beschwerden bereitet. In vielen Fällen beginnt sie allerdings schon in jüngeren Jahren. Frühe Zeichen sind neben deutlich hervortretenden Krampfadern charakteristische Veränderungen der Haut, die infolge des permanenten Überdrucks im Venensystem der Beine zustande kommen. Am inneren Fußrand findet sich häufig eine kranzförmig angeordnete Ansammlung von bläulichen Venen, außerdem lässt sich im Knöchelbereich oft eine durch Einlagerung von Hämosiderin bräunlich-ocker verfärbte Haut beobachten sowie eine weißlich verfärbte, dünne, aber sehr harte und minderwertige Haut. Diese kann im Laufe der Zeit durchbrechen und zu einem chronischen Geschwür (Ulcus cruris) führen.

Schütteres Haupthaar

Mit fortschreitendem Alter nimmt die Stärke der Kopfhaare immer mehr ab, ebenso ihre Reißfestigkeit und Dehnbarkeit. Die Haare wachsen langsamer und werden schütterer. Eine androgenetische Alopezie (Haarausfall) mit ihren verschiedenen Formen und Ausprägungen wird in vielen Fällen deutlich sichtbar. Gleichzeitig verstärkt sich oft die Behaarung an Ohren, Rücken und Augenbrauen des Mannes. Bei beiden Geschlechtern verlieren die Haare ihr Pigment, das Haupthaar ergraut.

 

Anschrift des Verfassers:
Professor Dr. Roland Niedner
Klinik für Dermatologie
Klinikum Ernst von Bergmann
14467 Potsdam
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