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Gemeinsam mit Amelie aufklären

03.01.2005
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Psychische Erkrankungen

Gemeinsam mit Amelie aufklären

von Conny Becker, Berlin

Schätzungen zufolge erkrankt jeder Dritte mindestens einmal im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch ist das Wissen um diese Erkrankungen in der Bevölkerung gering. Ändern soll dies eine Kampagne, an der sich in Berlin bereits Apotheken beteiligen.

Erstes Ziel der im Herbst 2004 gestarteten Informationskampagne „Mit psychisch Kranken leben – Entstigmatisierung, Information, Hilfe“ ist es, über psychische Erkrankungen aufzuklären. Dazu liegen in der Modelregion Berlin Broschüren an Orten aus, die Menschen mit Fragen zu psychischen Problemen aufsuchen – das heißt, in Allgemeinarztpraxen, bei Kinderärzten und Gynäkologen, in Apotheken oder Ämtern. Hier können Erkrankte oder deren Angehörige Informationen bekommen, ohne direkt nach ihnen fragen zu müssen. Denn schließlich liegt darin einer der Hauptgründe für die Wissenslücke bezüglich psychischer Störungen: Sie sind extrem stigmatisiert; über sie zu reden, scheint für viele undenkbar.

Nicht jedoch für Amelie – die fiktive 17-jährige Leitfigur der Kampagne, deren Bruder psychisch krank ist und die spielerisch durch die Broschüre führt. Neben Amelies „persönlichen“ Erfahrungen und Fragen, findet der Leser auch sachliche Informationen über das Zusammenspiel der Ursachen, die Schwierigkeit der Diagnose und Möglichkeiten der Hilfe. Zudem beschreibt die Broschüre die sechs häufigsten psychischen Krankheiten: Bipolare Störungen, Depression, Schizophrenie, Sucht- und Zwangserkrankungen sowie die Borderline-Störung. So kann sie helfen, Symptome einer psychischen Erkrankung zu erkennen und über Therapiemöglichkeiten aufzuklären.

„Amelie nimmt die Menschen an die Hand, um zu einem angemessenen Umgang mit psychisch erkrankten Menschen zu kommen“, fasste Margit Golfels von der Familien-Selbsthilfe Psychotherapie (BApK) auf der Jahres-Pressekonferenz des BApK in Berlin zusammen. Die von der Organisation initiierte Kampagne findet in Kooperation mit den Kammern und Verbänden von Ärzten und Apothekern statt und wird von der Fördergemeinschaft der Ersatzkassenverbände finanziert. Die Materialien würden von vielen Interessierten auch unter www.bapk.de oder per Fax unter (0 30) 863 957-02 angefordert, so Golfels. Von den Multiplikatoren der Modellregion wünschte sie sich jedoch noch mehr Unterstützung.

„Dies sind Erkrankungen, die wir aus der Tabuecke herausholen müssen“, betonte auch Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Sie befürwortete, künftig ein Disease-Management-Programm für Depression zu implementieren. Dass psychische Krankheiten ernst zu nehmende Erkrankungen sind, zeigt auch, dass sie fünf der zehn Volkskrankheiten stellen, die die Lebensqualität am stärksten einschränken. Top

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