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Männer sind gefordert

27.11.2000  00:00 Uhr

WELT-AIDSTAG

Männer sind gefordert

von Ulrich Brunner, Eschborn

"Männer stellen sich der Verantwortung" - unter diesem Motto steht der Welt-Aidstag am 1. Dezember. Die Kampagne von WHO und UNAIDS, dem Aidsprogramm der Vereinten Nationen, soll Männer motivieren, sich kritischer mit dem Thema Aids auseinanderzusetzen - zum Schutz für sich selbst, aber auch ihre Partner und Partnerinnen sowie ihre Familie.

2,6 Millionen Menschen starben alleine 1999 an den Folgen der Immunschwäche Aids. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Epidemie auf 16,3 Millionen. Doch der Zenit ist laut UNAIDS noch nicht erreicht. Denn im letzten Jahr steckten sich erneut 5,6 Millionen Menschen an. Rund um den Globus tragen heute nahezu 34 Millionen das Virus in sich.

Während die Einwohner der reichen Länder von kontinuierlich verbesserten Therapieschemata profitieren und inzwischen auch umfassende Aufklärungskampagnen zur HIV-Prävention Wirkung zeigen, radiert die Epidemie die Bevölkerung in einigen Ländern Afrikas und Asiens regelrecht aus. Laut UNAIDS-Report leben 95 Prozent aller HIV-Positiven in Entwicklungsländern, mehr als zwei Drittel davon auf dem afrikanischen Kontinent.

Die diesjährige Welt-Aidskampagne "Men make a diffrence" will Männer sensibilisieren, sich kritischer mit dem HIV-Risiko und dessen Folgen auseinanderzusetzen. Fast überall auf der Welt sind mehr Männer als Frauen betroffen. Sie bringen aber nicht nur sich selbst in Gefahr. Oft können Frauen nicht bestimmen, ob und wann sie Sex haben. Zudem weigern sich viele Männer, Kondome zu benutzen.

Es ginge nicht darum, alle Männer in einen Topf zu werfen und ihnen die Schuld an der Aids-Epidemie zu geben, erklärt die Deutsche Aidshilfe die diesjährige Kampagne. Männer müssten aber in Aktionen gegen die Ausbreitung von HIV einbezogen werden - als Politiker, Vorarbeiter, Vertrauensleute, Lehrer, Väter, Brüder, Söhne und als Freunde.

Männer kümmern sich weniger um Gesundheit, riskieren gerne viel im Leben und gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch Frauen. Oft wird dafür der Grundstein schon im Jugendalter gelegt. Zwar brächten viele Mütter ihren Jungen ein Verständnis für "Männlichkeit" bei. Das führe aber auch dazu, dass die Jungen nicht lernen, über ihren Körper und Sexualität zu sprechen, so die Aidshilfe. In einer indischen Studie waren beispielsweise viele Jungen überzeugt, sich nicht mit HIV anstecken zu können, weil sie beim Sex schließlich "geben" und nicht "nehmen". Jungen und junge Männer bräuchten eine Erziehung zur sexuellen Gesundheit, die auf ihre besonderen Bedürfnisse eingeht, und Orte, an denen sie über Sexualität und ihre Probleme sprechen können, fordert die Aidshilfe.

Weil in vielen Ländern Geschlechtsverkehr zwischen Männern nach wie vor tabuisiert und sogar bestraft wird, findet er heimlich statt. Präventionsmaßnahmen erreichen solche Gruppen nur schlecht. Diskriminierung und Verfolgung führen zudem dazu, dass Jungen und Männer sich nicht als homosexuell definieren und damit ihr HIV-Risiko auch nicht wahrhaben wollen.

Die Deutsche Aidshilfe versteht den Welt-Aidstag als Chance, über die Verhältnisse der Geschlechter zueinander und ein neues Rollenverständnis zu diskutieren. Sie will aber auch junge und erwachsene Männer motivieren, über ihre Sexualität, Drogenkonsum und Aids zu sprechen.

Auch die deutschen Apotheken, die täglich mehreren Millionen Kundenkontakte pflegen, können als ein wichtiger Multiplikator die Weltaids-Kampagne unterstützen. Die Deutsche Aidshilfe als nationaler Dachverband und die über einhundert regionalen Gruppen und Verbände haben für den 1. Dezember bundesweit Aktionen geplant. Kontakt zu regionalen Verbänden und kostenloses Infomaterial zum Welt-Aidstag gibt direkt bei der Deutschen Aidshilfe in Berlin, Telefon 030/6900870, Fax 030/69008742, oder im Netz unter www.aidshilfe.de

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