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Präventionskampagne auch in Apotheken

29.09.2003
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Hautkrebs

Präventionskampagne auch in Apotheken

von Ulrike Wagner, Frankfurt am Main

Mit der Kampagne „Prävention 2000+“ will die Deutsche Hautkrebs-Stiftung unter dem Motto „Aufklärung schafft Vorsprung“ die Bevölkerung verstärkt über Hautkrebs informieren. Ab Oktober sollen die entsprechenden Plakate in den Apotheken eintreffen.

Aufklärungsbedarf sehen die Dermatologen vor allem beim hellen Hautkrebs, auch Oberhautkrebs genannt. „Im Gegensatz zum malignen Melanom bleiben diese Krebsformen oft lange unerkannt“, sagte Professor Dr. Roland Kaufmann, Vorsitzender der Deutschen Hautkrebs-Stiftung und Direktor der Dermatologischen Klinik der Universität Frankfurt am Main.

Zum Oberhautkrebs zählen das Basalzellkarzinom (Basaliom) sowie das Stachelzellkarzinom (aktinische Keratose). Das Basalzellkarzinom ist der häufigste Krebs des Menschen überhaupt. Es tritt etwa zehnmal häufiger auf als der schwarze Hautkrebs. Basalzellkarzinome entstehen hauptsächlich im Gesicht, wo sie umliegende Gewebestrukturen zerstören können. „Das Risiko wird allgemein unterschätzt, weil kleinere Läsionen der Haut selten als beginnender Tumor ernst genommen werden“, so Kaufmann.

„Denn nirgends ist Vorbeugung und Früherkennung so einfach, wie bei dieser Erkrankung“, so Kaufmann. Wird ein Hautkrebs früh diagnostiziert, ist die Heilung fast immer möglich. Tatsache ist allerdings auch, dass keine andere Krebsart so hohe Zuwachsraten zu verzeichnen hat (siehe Kasten). Daher legen die Dermatologen so großen Wert auf die Sekundärprävention. Vorstufen oder Frühformen des Hautkrebses sollen so möglichst früh entfernt werden. Die Primärprävention – also der Schutz vor zuviel Sonneneinstrahlung mit Sonnenschutzmitteln und Kleidung – sei vor allem in der Kindererziehung sinnvoll. Erwachsene Menschen bezüglich ihres braungebrannten Schönheitsideals umerziehen zu wollen, hielt Kaufmann für wenig aussichtsreich. Ziel der aktuellen Kampagne ist es, die Menschen dazu zu bringen, wenigstens einmal zum Hautarzt zu gehen, um ihre Muttermale begutachten zu lassen.

Für die Aktion sollen Poster an alle Apotheken in Deutschland ausgeliefert werden. Die Hautärzte erhalten zusätzlich Faltblätter zu den Themen Hautkrebs allgemein, aktinische Keratosen sowie Basalzellkarzinom, die sie in ihren Praxen zur Information der Patienten auslegen können. Apotheker, die diese Broschüren ebenfalls ihren Kunden anbieten möchten, können sich an die Deutsche Hautkrebs-Stiftung, Universitäts-Hautklinik, Dr. Manon Sommerlad, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon (0 69) 63 01 53 11, Fax (0 69) 63 01 51 17, m.sommerlad@hautkrebsstiftung.de wenden. Finanziell unterstützt wird die Kampagne von der Firma Galderma.

Wichtig war den Dermatologen, die Materialen ansprechend zu gestalten und die Menschen nicht mit drastischen Befundfotos abzuschrecken. Dass der Beginn der Kampagne in die Herbstmonate fällt ist ebenfalls kein Zufall. Die Hemmschwelle zum Hautarzt zu gehen, ist wesentlich niedriger, wenn die vielleicht doch etwas zu intensive Sonnenbräune etwas verblasst ist, hofft Kaufmann.

 

Dramatische Zuwachsraten „Noch in den 70er- und 80er-Jahren wurde Hautkrebs von niemandem ernst genommen“, sagte Kaufmann. Nach damaligen Schätzungen erkrankte in den USA etwa jeder 400. Mensch an einem malignen Melanom. „Man hielt das Thema für nicht aufklärungswürdig“, so der Dermatologe. Hautkrebs trete sowieso irgendwann sichtbar in Erscheinung, und in der Regel könne man dann noch behandeln, so die damalige Auffassung.

Heutige Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache. In den USA erkrankt zum Beispiel bereits jeder 75. an einem malignen Melanom. Ursache ist die verstärkte Sonnenexposition vor allem hellhäutiger Menschen. Auf Grund des Ozonlochs haben die Australier besonders stark unter diesem Krebs zu leiden. Bei 2500 Menschen pro 100.000 Einwohner wird dort jährlich Hautkrebs diagnostiziert. Zum Vergleich: In Deutschland erkranken von 100.000 Personen insgesamt 500 Menschen pro Jahr an Krebs, 100 an Hautkrebs. Damit ist Hautkrebs die häufigste Krebsart überhaupt. Allerdings steht dabei nicht das maligne Melanom, sondern der Oberhautkrebs im Vordergrund. Denn nur 10 von 100 Hautkrebserkrankungen pro 100.000 Einwohner gehen auf das maligne Melanom zurück, an dem in Deutschland 2500 Menschen pro Jahr sterben.

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