Pharmazeutische Zeitung online

Mikrochips im Auge

30.09.2002
Datenschutz bei der PZ

Mikrochips im Auge

von Regina Fenski, Berlin

Gentherapie und Mikrochips als Nervenzellersatz gehörten dieses Jahr zu den Innovationen, die Augenärzte während der Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) vorstellten.

Die Gentherapie für Augenerkrankungen ist in Tierversuchen inzwischen so weit erprobt, dass der Grundstein für klinische Studien gelegt ist, hieß es während der Veranstaltung Ende September in Berlin. Bei Erkrankungen der Hornhaut wollen die Forscher vor allem die Transplantatabstoßung nach einer Hornhautübertragung verhindern. Der Cornea werden dabei vor der Transplantation in Gewebekultur die Gene für immunologische Botenstoffe übertragen. Die Synthese der entsprechenden Zytokine soll Abstoßung oder Entzündungsreaktionen des Empfängers unterdrücken.

Bei Netzhauterkrankungen versuchen Forscher mit Hilfe der Gentherapie, krankhafte Gefäßneubildungen zu verhindern. Diese treten zum Beispiel infolge von Diabetes oder der altersbedingten Makuladegeneration auf - den häufigsten Erblindungsursachen alter Menschen in Deutschland. Bei erblichen Netzhauterkrankungen, zum Beispiel bei unvollständig ausgebildeten Photorezeptoren, macht ein effektiver und zellspezifischer Gentransfer die Bildung funktionsfähiger Rezeptorzellen im Tiermodell bereits möglich. Gleichzeitig arbeiten die Forscher nach wie vor daran, die meist viralen Genvehikel zu verbessern und ihre Toxizität weiter zu mindern.

Die Implantation von Mikrochips auf oder unter die Netzhaut ist dagegen bereits soweit fortgeschritten, dass erste Patienten in den USA im Mai dieses Jahres nach einem solchen Eingriff von einer besseren Sehschärfe und einem erweiterten Gesichtsfeld berichteten. Die Patienten litten an der Erbkrankheit Retinopathia pigmentosa. Ärzte implantierten ihnen Mikrochips unter die Netzhaut. Das Immunsystem tolerierte die Chips, die offenbar nach einigen Monaten die Sehfunktion verbesserten.

Die fortschreitende Krankheit führt zur Pigmentablagerungen und lässt Nervenzellen der Netzhaut bis zur Erblindung degenerieren. Mikrochips können eingehende Lichtsignale entweder mittels elektrischer Stimulation oder mit Hilfe von Neurotransmittern auf Nervenzellen im Auge übertragen. Weiteres Ziel der Forschungen, an denen auch deutsche Arbeitsgruppen beteiligt sind, ist es, Nervenzellen durch die Abgabe von Neurotransmittern zum Wachstum auf den Chips zu bewegen, so dass beide direkt miteinander verbunden sind. Allerdings ist von den Mikrochips nur eine um maximal 10 Prozent verbesserte Sehschärfe zu erwarten, erklärte Professor Dr. Gabriele Lang aus Ulm, Präsidentin der DOG. Top

© 2002 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa