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Rauchen schadet Schilddrüse

07.08.2000  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Rauchen schadet Schilddrüse

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Raucher erkranken häufiger an Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Das berichten Wissenschaftler, die rund 130 gleichgeschlechtliche Zwillingspärchen untersuchten.

Die Graves-Erkrankung, Autoimmunthyreoiditis und der einfache Kropf gehören zu den häufigsten Schilddrüsenerkrankungen. Ihre Ätiologie konnten Forscher bislang nicht vollständig aufklären. Wahrscheinlich spielen sowohl genetische als auch Umwelteinflüsse eine Rolle.

Im letzten Jahrzehnt wurden mehrere Artikel publiziert, die den Einfluss von Zigaretterauch auf die Schilddrüse untersuchen. Auswirkungen des Tabakkonsums werden jedoch kontrovers diskutiert, da die Studien widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Schuld daran sind möglicherweise zu unterschiedliche Studienpopulationen, verschiedene Definitionen des Raucher- beziehungsweise Nichtraucherstatus, abweichende Jodaufnahme sowie unterschiedliche Bewertungskriterien für den Zustand der Schilddrüse.

Um erblich bedingte Faktoren zunächst nicht mit einzubeziehen, untersuchten Wissenschaftler nun den Einfluss des Zigarettenrauchens auf die Schilddrüse von Zwillingen. Dazu werteten sie die Daten von insgesamt 132 gleichgeschlechtlichen Zwillingspärchen aus. Rauchgewohnheiten und das Vorliegen einer Schilddrüsenerkrankung wurden dabei mit Hilfe von Fragebögen erfasst. Die behandelnden Ärzte sollten danach die jeweilige Diagnose bestätigen.

Tabakkonsum erhöhte das Risiko für eine klinisch manifeste Schilddrüsenerkrankung signifikant um 200 Prozent, und zwar sowohl bei eineiigen als auch bei zweieiigen Zwillinge. Dieser Effekt war bei den eineiigen Zwillingen allerdings noch deutlicher ausgeprägt (400 versus 150 Prozent).

Quelle: Heiberg Brix, T., et al. Arch. Intern. Med. 160 (2000) 661 - 666.

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