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Neue Empfehlungen zur Malariaprophylaxe

16.07.2001
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REISEMEDIZIN

Neue Empfehlungen zur Malariaprophylaxe

von Ulrike Wagner, Eschborn

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) hat neue Empfehlungen zur Malariaprophylaxe herausgegeben. Wie bereits in der PZ angekündigt, ergeben sich einige Änderungen bei der Beratung von Reisenden. Für mehr Gebiete als bisher empfehlen die Experten keine regelmäßige Chemoprophylaxe, sondern ausschließlich Medikamente zur Stand-by-Therapie. Neu aufgenommen wurden zudem Empfehlungen zur Malariaprophylaxe bei Reisenden mit Vorerkrankungen.

Für welche Regionen empfiehlt die DTG welches Präparat? In Mittelamerika ist das Malariarisiko relativ gering. Da die Malariaerreger hier bislang keine Resistenzen entwickelt haben, empfiehlt die DTG keine regelmäßige Chemoprophylaxe, sondern Chloroquin (zum Beispiel Resochin®) als Stand-by-Medikation. Auch Reisende nach Südamerika brauchen in der Regel keine prophylaktische Medikation, außer sie bereisen die Gebiete Rodônia, Acre und Roraima in Brasilien. Dort empfiehlt die DTG Chemoprophylaxe mit Mefloquin (Lariam®). Im restlichen Südamerika reicht nach Ansicht der DTG die Stand-by-Medikation mit Mefloquin aus.

Eine Region, für die die Experten immer noch jedem Reisenden die regelmäßige Chemoprophylaxe mit Mefloquin empfehlen, sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Reisende nach Nordafrika müssen sich im Gegensatz dazu weder um Chemoprophylaxe noch um Stand-by-Medikation kümmern.

Für Reisen nach Vorderasien empfiehlt die DTG ausschließlich die Stand-by-Therapie mit Mefloquin. Im südlichen Indien reicht dies ebenfalls aus. Reisende in die restlichen Regionen des Subkontinents sollten regelmäßig Chloroquin und Proguanil (Paludrine®) zur Chemoprophylaxe einnehmen.

Neuzulassung

Bei der Beratung von Reisenden nach Südostasien kommt eine wichtige Neuerung ins Spiel, die sich aus der Zulassung von Malarone® (Atovaquon/Proguanil) für die Prophylaxe ergibt. So empfiehlt die DTG Reisenden in Hochrisikogebiete mit Resistenzen gegen Mefloquin (zum Beispiel die Provinzen Trat und Tak in Thailand) Malarone zur regelmäßigen Chemoprophylaxe. Für die restlichen Gebiete in Thailand - ausgenommen die Malaria-freien Regionen - empfiehlt die DTG die Stand-by-Therapie mit Malarone oder Riamet® (Artemether/Lumefantrin). Riamet wurde ebenfalls neu in die Empfehlungen aufgenommen - allerdings gemäß der Zulassung nicht zur Prophylaxe, sondern als Stand-by-Medikation. Die Wirkstoffkombination wird wie Malarone in Gebieten mit Mefloquin-Resistenzen und bei Kontradindikation oder -Unverträglichkeit zur Therapie der Malaria eingesetzt.

Ähnlich lauten die Empfehlungen für andere Länder Südostasiens wie Kambodscha und Myanmar: Für die Hochrisikogebiete empfiehlt die DTG die Prophylaxe mit Malarone, Reisende in die restlichen Gebiete sollten Malarone oder Riamet als Stand-by-Medikation bei sich haben. Letzteres ist eine weitere Neuerung in der Stand-by-Medikation. Riamet wird zur Therapie der Malaria wie Malarone in Gebieten mit Mefloquin-Resistenzen eingesetzt, oder wenn Mefloquin kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.

Für Papua-Neuguinea empfiehlt die DTG wie für das südliche Afrika die Prophylaxe mit Mefloquin. Wenn der Wirkstoff allerdings bei einem Reisenden kontraindiziert ist, soll nun auch hier statt Doxycyclin Malarone gegeben werden.

Reisende mit Vorerkrankungen

Für Reisende mit Niereninsuffizienz empfiehlt die DTG Mefloquin und Doxycyclin, weil diese Wirkstoffe nicht über die Niere, sondern über die Leber metabolisiert werden. Malarone ist kontraindiziert bei einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml pro Minute. Patienten mit schweren Leberkrankheiten sollten eine Reise in Malariagebiete gar nicht erst antreten, denn für sie sind alle Malariamedikamente kontraindiziert.

Bei Epileptikern ist Mefloquin kontraindiziert, auch bei Verwandten ersten Grades. Möglich ist die Prophylaxe mit Chloroquin, Proguanil und Doxycyclin. Zur Prophylaxe oder Notfalltherapie mit Malarone sowie zur Stand-by-Medikation mit Riamet liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Die Empfehlungen der DTG enthalten auch Tipps zur Expositionsprophylaxe und zur Chemoprophylaxe bei Kindern. In diesen Punkten hat sich jedoch im Vergleich zu den Empfehlungen vom Vorjahr nichts geändert. Im Detail sind die Empfehlungen im Internet auf der Homepage der DTG unter www.dtg.mwn.de/malaria/malproph.htm nachzulesen. Wer sie als Broschüre anfordern möchte, sollte einen mit 3 DM frankierten DIN-A5-Umschlag an den DTG-Infoservice, Postfach 40 04 66, 80704 München, Telefon (0 89) 39 88 44, schicken. Top

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