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Würmer gefährden die Gesundheit von Hund, Katze und Mensch

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- Medizin Govi-Verlag

ENDOPARASITEN

Würmer gefährden die Gesundheit von Hund, Katze und Mensch

von Thomas Voigt, Laudenbach

Weltweit gehören Wurmerkrankungen zu den zehn häufigsten ansteckenden Krankheiten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich 200 000 Menschen daran. In unseren Breiten ist die Situation wegen der guten hygienischen Verhältnisse wesentlich besser als in südlichen Ländern. Trotzdem werden vor allem Hunde- und Katzenhalter damit konfrontiert. Bei Kontakt mit Kindern stellen wurminfizierte Vierbeiner ein großes hygienisches Risiko dar.

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In den hochentwickelten Industrienationen gibt es etwa 100 Millionen Hunde und mehr als 110 Millionen Katzen – Tendenz steigend. Bedingt durch das enge Zusammenleben von Mensch und Tier kann Wurmbefall bei Haustieren sehr schnell die menschliche Gesundheit gefährden. In erster Linie hat man es mit Rundwürmern (Nematoden) und Bandwürmern (Zestoden) zu tun.

Rundwürmer können sich abkapseln

Nematoden sind fadenförmige dünne Würmer, deren Länge bei den Adulten je nach Art zwischen 1 Millimeter und 1 Meter variiert. Sie ernähren sich von Nahrungsbrei oder vom Darminhalt des Wirtes, zum Beispiel von Epithelzellen, Schleimhaut und Blut. Nematoden sind getrenntgeschlechtlich, wobei die Männchen etwas kleiner sind. Ein Weibchen kann pro Tag etwa 200 000 Eier ablegen, die mit dem Kot des Wirtes ausgeschieden werden.

Die Larvalentwicklung verläuft je nach Spezies entweder außerhalb des Wirtes oder bereits im Ei. Nach Infektion des Wirtes durchwandern die Larven verschiedene Körperareale und Organe, bis sie das für die jeweilige Wurmart passende Organsystem erreicht haben. Dort wird das Larvalstadium abgeschlossen, die adulten Tiere beginnen nach der Geschlechtsreife mit der Fortpflanzung.

Eine Besonderheit bei einigen Nematoden ist die sogenannte Hypobiose, ein Ruhezustand des letzten Larvenstadiums. Die vornehmlich in der Muskulatur ruhenden Larven bleiben mehrere Jahre eingekapselt lebensfähig und können auf intrauterinem und/oder galaktogenem Weg die Jungtiere infizieren.

Die bei Hunden und Katzen am häufigsten auftretenden Rundwürmer (Nematoden) sind Spulwürmer (Askariden), Hakenwürmer (Ancylostomen) und Peitschenwürmer (Trichuris trichiura). Relativ häufig tritt Spulwurmbefall auf, wobei durch die Hypobiose vornehmlich Jungtiere betroffen sind. Von Hakenwürmern werden sowohl ältere Tiere als auch Jungtiere via Übertragung durch das Muttertier befallen. Auch mit Peitschenwürmern können sich alle Altersgruppen infizieren. Aufgrund ihrer enormen Überlebensfähigkeit kann diese Wurmart mitunter große Probleme bereiten.

Bandwürmer parasitieren im Dünndarm

Bandwürmer ähneln einer Kette mit flachen, bandartigen Körpersegmenten. Dem als Haftorgan ausgebildeten Kopfteil (Skolex) folgt ein nichtsegmentierter Halsbereich, von dem aus sich ständig neue Glieder (Proglottiden) bilden. Diese Gliederkette (Strobila) kann je nach Wurmart mehrere Meter, aber auch nur einige Millimeter lang werden. Bandwürmer parasitieren im Dünndarm des Endwirtes, wobei jede Proglottide eine selbständige Funktionseinheit bildet; diese verfügt sogar über die komplette männliche und weibliche Geschlechtsausstattung, da Bandwürmer in der Regel zu den Hermaphroditen (Zwitter) zählen. Die einzelnen Bandwurmglieder werden nach der Reife als Ganzes abgestoßen.

Die Entwicklung vom Ei zur Finne (infektionsfähige Larve) erfolgt indirekt über einen oder mehrere Zwischenwirte, zum Beispiel Flöhe, Mäuse, Schweine und Rinder. Das Ei mit der Hakenlarve wird von einem Zwischenwirt aufgenommen. Handelt es sich dabei um ein Säugetier oder als Fehlwirt um einen Menschen, penetriert die Hakenlarve die Darmwand und wird mit dem Blutkreislauf und Lymphsystem im Körper verteilt; in bestimmten Organen (Prädilektionsstellen) entwickelt sie sich dann zur Finne. Beim Verzehr des rohen Fleisches von infizierten Zwischenwirten oder des Zwischenwirtes selbst, zum Beispiel eines Flohs, wird die Finne vom Endwirt (Hund, Katze) aufgenommen. Hier entwickelt sie sich zum adulten Tier.

Die bei Hunden und Katzen am häufigsten auftretenden Bandwürmer (Zestoden) sind der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), der Kleine Hundebandwurm (Echinococcus granulosus), der Kürbiskernbandwurm (Dipylidium canium) sowie verschiedene Taenia-Arten. Bei Flohbefall treten recht häufig Kürbiskernbandwürmer auf.

Wie sich Hund und Katze infizieren

Die Infektion kann grundsätzlich auf drei Wegen erfolgen, nämlich oral und perkutan oder vom Muttertier auf die Nachkommen.

Infektiöse Eier von Spul- und Peitschenwürmern oder Larven vom Hakenwurm können beim Schnüffeln auf kontaminierten Böden und/oder an Pflanzen aufgenommen werden. Ebenso erfolgt eine orale Übertragung durch die Aufnahme infizierter Zwischenwirte. Hunde und Katzen verschlucken vielfach Flöhe, wenn sie versuchen, diese Peiniger mit den Zähnen zu fassen. Werden infizierte Mäuse und/oder Vögel gefressen, bleiben auch Katzen nicht verschont. Bei Jagdhunden wird eine Infektion geradezu provoziert, wenn der Hund die frischen Eingeweide des erlegten Wildtieres zur Belohnung bekommt.

Perkutan infizieren Hakenwürmer ihre Wirte, indem die Larven aktiv durch die gesunde Haut eindringen.

Aufgrund der Hypobiose werden gerade Rundwürmer sehr häufig von Mutter- auf Jungtier übertragen. Die ruhenden Larven wandern aus der Muskulatur des Muttertieres über die Plazenta in die Feten oder über die Milchdrüsen in die Milch.

Die Schäden durch Wurminfektion sind vielfältig, wobei Gesundheitszustand und Widerstandskraft des Vierbeiners und Ausmaß des Befalls eine bedeutende Rolle spielen. Die Symptome reichen von einer veränderten Fellstruktur über Gewichtsverlust, Wurmbauch, verminderte Fruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit bis hin zu Dermatitis und Anämie. Während erwachsene Tiere eine Wurminfektion in der Regel gut überstehen, werden Jungtiere mitunter stark geschädigt. So kann ein einziges Hakenwurmweibchen pro Tag bis zu 0,5 ml Blut entziehen. Ist ein Welpe oder eine junge Katze von mehr als fünfzig adulten Hakenwürmern befallen, ist dies in der Regel tödlich.

Vorsicht bei engem Kontakt mit Haustieren

Auch Menschen können sich generell oral und perkutan infizieren, wobei die orale Aufnahme von Wurmeiern klar überwiegt. Betroffen sind in erster Linie Personen, die ein sehr inniges Verhältnis zum Vierbeiner pflegen. Besonders gefährdet sind Kinder, die sich von Hund und Katze Hände und Gesicht abschlecken lassen, Speisen und Bett mit ihnen teilen oder im Sandkasten spielen, der mit Hunde- oder Katzenkot verunreinigt ist.

Nach jüngsten Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) mehren sich in Deutschland die Fälle von Trichinose beim Menschen. In Nordrhein-Westfalen wurden von November 1998 bis März 1999 mehr als fünfzig Fälle gemeldet. Die Infektion erfolgt durch den Verzehr von Trichinen-behaftetem Fleisch. Nach Angaben des BgVV handelt es sich bei der Infektionsquelle um rohes Schweinefleisch, das entweder nicht oder nicht richtig untersucht oder nicht richtig gegen Trichinen behandelt wurde (Kältebehandlungsmethode).

Im Extremfall können auch Fliegen Wurmeier auf Lebensmittel übertragen, oder diese gelangen über fäkaliengedüngten Salat, rohes Wurzelgemüse oder verschmutztes Trinkwasser in den Körper. Ungewaschene Waldfrüchte bergen die Gefahr einer Fuchsbandwurminfektion.

Eine perkutane Infektion ist eher die Ausnahme. Bei direktem Hautkontakt mit kontaminierter Sandkastenerde, feuchtwarmem Sand (Badestrand) oder Erde und auf Liegewiesen können gerade Hakenwürmer aktiv in die menschliche Haut eindringen.

Vielfältige Symptome einer Wurminfektion

Bei der oralen Wurminfektion gelangen die Larven zunächst in den oberen Teil des Dünndarms, von wo aus sie zum nächsten Lymphknoten wandern. Hat der menschliche Körper eine gewisse Immunität gegen Wurmerkrankungen entwickelt, was beim gesunden Erwachsenen der Fall ist, sterben die Larven ab, und es entstehen keine weiteren Komplikationen. Ist diese Immunität nicht gegeben - vornehmlich bei Kindern und kranken Menschen -, wandern die Wurmlarven in den Körper und kapseln sich im Gewebe ab. Je nach befallenem Organ und Wurmart kann dies unterschiedliche klinische Symptome auslösen.

Auch wenn die Wurmarten, die in Deutschland vorkommen, nach einer Behandlung keine Schäden hinterlassen, dürfen die Gefahren einer Infektion nicht unterschätzt werden. Eine perkutane Infektion mit Hakenwurmlarven führt zu Läsionen und Entzündungen der betroffenen Hautpartie. Spulwürmer gelangen über den arteriellen Blutstrom beim Menschen in die Leber, das ZNS und das Auge. Bei einer unbehandelten Bandwurminfektion können Bauchschmerzen, blutig-schleimiger Durchfall, Gewichtsverlust, Störung der Leberfunktion, Atrophie und Embolien auftreten.

Hund und Katze routinemäßig behandeln

Die in der Praxis übliche Labormethode zur Diagnose von Wurmbefall ist die mikroskopische Kotuntersuchung. Man verwendet in jedem Fall frische Proben, die entweder direkt aus der Ampulla recti oder sofort nach dem Kotabsatz gewonnen werden. In der Regel erfolgt eine quantitative Bestimmung der Eizahl pro Gramm Kot.

Dieses Verfahren führt nicht immer zu einem 100prozentigen Ergebnis, da die morphologische Ähnlichkeit von Bandwurmeiern keine sichere Differenzierung gestattet. Außerdem werden Infektionen während der Präpatenzzeit und die in der Muskulatur ruhenden Larven nicht erfaßt. Unter Präpatenz versteht man den Zeitabschnitt von der Aufnahme der infektiösen Parasitenstadien bis zum Auftreten von Geschlechtsprodukten in Stuhl, Urin, Sputum, Blut oder Haut. Bei Würmern ist dies die Entwicklungszeit bis zum Adultwurm. Die Präpatenzzeiten reichen je nach Wurmart von zehn Tagen bis zu zwölf Wochen. Zudem kann sich das Tier ständig neu infizieren. Daher ist eine routinemäßige Entwurmung bei Haustieren ratsam; sie dient der Gesundheit der Tiere und des Tierhalters

Aufwendige Wurmkuren, bei denen eine spezielle Behandlung im festgelegten Zeitrhythmus erfolgen muß, sind heute nicht mehr nötig. Moderne Präparate mit den Wirkstoffen Levamisol, Avermectin, Nitroscanat, Pyrantel oder Praziquantel wirken bei einmaliger Verabreichung zuverlässig und schnell gegen Rund- und Bandwürmer, sind aber in der Regel verschreibungspflichtig. Die Wirksamkeit von Stoffen wie Praziquantel, Pyrantel-embonat und Febantel wird regelmäßig in klinischen und Feldstudien untersucht, was schon durch ständige Neuzulassungen weltweit bedingt ist. Das Spektrum der Anwendungsformen reicht von der Tablette bis zur gebrauchsfertigen Suspension, die mit einem Applikator direkt ins Maul gespritzt oder unter das Futter gemischt wird.

Anschrift des Verfassers:
Thomas Voigt
Tilsiter Straße 4
69514 Laudenbach/Bergstraße

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© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 29/1999

 

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