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In-vitro-Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar

09.07.2001
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VITAMIN C

In-vitro-Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar

PZ "Vitamin C ist nicht krebserzeugend", meldet der Arbeitskreis Ernährungs- und Vitamin-Information e. V. (evi) und widerspricht damit Berichten in anderen Medien, die sich auf eine kürzlich in Science veröffentlichte amerikanische Studie berufen. "Unsere Studie darf nicht falsch interpretiert werden. Sie zeigt nicht, dass Vitamin C Krebs verursacht", habe selbst der Studienleiter, Ian Blair von der Universität Pennsylvania, betont.

Die Forscher hatten Vitamin C und bestimmte Lipidhydroperoxide zusammengegeben und nach zwei Stunden beobachtet, dass sich Stoffe bildeten, die das menschliche Erbgut schädigen können, so genannte Genotoxine. Die Autoren werteten diese Ergebnisse als mögliche Erklärung dafür, dass die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten in vorangegangenen Studien nicht vor Krebs schützte (Lee, S. H. et al., Science, Vol. 292, vom 15. Juni 2001, Seite 2083).

Zur Versuchsandordnung erklärt Professor Dr. Balz Frei, Direktor des Linus Pauling Instituts in Oregon, in der evi-Pressemitteilung: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Lipidhydroperoxide im menschlichen Körper an derselben Stelle vorkommen wie Vitamin C. Sie treffen also unter normalen Bedingungen nicht aufeinander, vor allem nicht in den Konzentrationen, die in diesem Reagenzglasversuch verwendet wurden. Außerdem werden Lipidhydroperoxide von körpereigenen Enzymen in Bruchteilen von Sekunden unschädlich gemacht. Dass Lipidhydroperoxide wie im Versuch zwei Stunden lang mit Vitamin C reagieren können, ist völlig unrealistisch."

In vielen Berichten seien die In-vitro-Daten direkt auf den Menschen übertragen worden, kritisiert evi. "Dies ist in der Wissenschaft nicht zulässig und ein gravierender Fehler", urteilt Professor Dr. Klaus Pietrzik von der Universität Bonn in der Presseerklärung. Das antioxidative Gleichgewicht, das im menschlichen Körper unter anderem durch die Anwesenheit von Vitamin E gewährleistet wird, ist im Reagenzglas nicht vorhanden, heißt es weiter. "Insgesamt sind die positiven Wirkungen von Vitamin C wissenschaftlich so gut belegt, dass dessen Nutzen für die Gesundheit auf eine sichere Art gewährleistet ist", sagt Frei. Top

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