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Shampoo, Spülung, Kur und Co.

07.06.2004  00:00 Uhr

Haarpflege

Shampoo, Spülung, Kur und Co.

Karin Steinbrecht, Darmstadt / Gepflegtes Har steht für Gesundheit und Schönheit. Daher gehört die Haarpflege zu den ältesten Bedürfnissen des Menschen. Seit Jahrtausenden ist zum Beispiel die Haarfärbung mit Henna üblich. Heute existiert ein bisher ungekannt breites Spektrum an Haarpflegemitteln und Stylingprodukten.

Einer aktuellen Umfrage zufolge waschen sich in Deutschland etwa 34 Prozent aller Frauen jeden zweiten Tag die Haare, etwa 15 Prozent sogar täglich. Bei den Männern ist die Frequenz noch höher. Die Tendenz zur häufigen Haarwäsche steigt weiterhin an.

Von einem Shampoo wird erwartet, dass es neben einem cremigen Schaum sowie guter Reinigungskraft und Milde auch eine ausreichende Haut- und Schleimhautverträglichkeit besitzt. Ferner muss es, entsprechend den gesetzlichen Regelungen, gut biologisch abbaubar sein. Außerdem sollte es bei jedem Härtegrad des Wassers wirken.

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein standen zur Haarwäsche nur Seifenpräparate zur Verfügung, die wenig hautverträglich waren und einen grauen Schleier auf dem Haar hinterließen. Moderne Shampoos basieren dagegen auf haut- und haarschonenden waschaktiven Substanzen, den Tensiden. Diese haben einen hydrophilen und einen lipophilen Molekülteil, weshalb sie in der Lage sind, Haarschmutz wie Fett, Staub und Hautschüppchen in Wasser zu lösen.

Als waschaktive Substanzen werden heute oft anionische Tenside wie Fettalkoholethersulfate, kurz Alkylethersulfate, eingesetzt, zum Beispiel Natriumlaurylethersulfat. In Kombination mit amphoteren Tensiden (zum Beispiel Amidopropylbetain) entsteht ein mildes Shampoo. Solche Tensidmischungen sind in zahlreichen, handelsüblichen Haarwaschmitteln zu finden. Weitere milde Tenside sind Sulfosuccinate und die auf Zucker basierenden, nichtionischen Alkylpolyglukoside.

Neben Tensiden enthalten Shampoos Pflegestoffe, wie polymere quartäre Ammoniumverbindungen („Quats“), um das Haar nach der Wäsche gut kämmbar zu machen. Weitere Inhaltsstoffe sind unter anderem Verdickungs-, Trübungs- und Konservierungsmittel. Für einen angenehmen Duft sorgen Parfümöle.

Jeder Hersteller kosmetischer Erzeugnisse ist gesetzlich verpflichtet, die verwendeten Inhaltsstoffe nach der international gültigen INCI–Nomenklatur auf der Verpackung anzugeben (siehe auch PZ 16/04, Seite 24). Die Abkürzung INCI steht für International Nomenclature for Cosmetic Ingredients. Diese Angaben sind auf jedem Etikett aufgebracht und besonders für Allergiker und Dermatologen relevant. Rückschlüsse auf die Konzentration der einzelnen Bestandteile lassen sie nur bedingt zu.

Für spezielle Pflege

Auf Grund der verschiedenen Haar- und Kopfhautprobleme gibt es eine Vielzahl von individuellen Haarwaschmitteln, die im Hinblick auf die jeweiligen Bedürfnisse entwickelt wurden. Die Palette reicht von Universal-Shampoos für normales Haar über Produkte gegen fettendes Haar bis hin zu besonders milden Baby-Shampoos.

Für die Reinigung von gefärbtem, dauergewelltem oder strapaziertem Haar ist die Verwendung eines Pflege-Shampoos zu empfehlen, erkennbar an dem jeweils deklarierten Einsatzgebiet, zum Beispiel für „gefärbtes Haar“. Typische Vertreter der in diesen Shampoos eingesetzten Pflegestoffe sind kationische Cellulose- oder Guarderivate.

Auch Silikone werden als Konditioniermittel verwendet. Ihre Einsatzkonzentrationen sind mit denen der anderen Shampoo-Komponenten so abgestimmt, dass sie das Haar nicht beschweren. Pflege-Shampoos können außerdem Aminosäuren und Proteinhydrolysate enthalten, die in Kombination mit den quartären Ammoniumverbindungen als Repairwirkstoffe fungieren. Damit das Haar vor Austrocknung geschützt wird, werden Feuchthaltemittel wie Panthenol oder Glykole zugesetzt.

Anders als bei strapaziertem Haar sollte bei feinem Haar die Pflegeleistung eines Shampoos weniger stark ausgeprägt sein, damit das Haar nicht belastet wird oder strähnig aussieht. Vielmehr sollte hier ein Volumen-Shampoo verwendet werden. Dies beinhaltet spezielle Wirkstoffe, die das Aneinandergleiten der Haare erschweren, zum Beispiel hochdisperses Siliciumdioxid (Kieselsäure). Dadurch wird die Haaroberfläche leicht aufgeraut und die Frisur erhält mehr Fülle. Der Fachmann bezeichnet diesen Effekt als „Body“-Wirkung.

Eine Kombination aus Shampoo und Haarspülung sind die so genannten 2-in-1-Shampoos. Das Haar wird gewaschen und gleichzeitig einer Pflegebehandlung unterzogen. Die konditionierende Wirkung dieser Produkte wird durch den Zusatz von speziellen Ölen oder Silikonderivaten hervorgerufen. Verglichen mit einem Pflege-Shampoo ist die Belastung der Haare zwar geringfügig höher, jedoch sind die Rezepturen so konzipiert, dass auch bei wiederholter Anwendung keine sich addierende Beschwerung der Haare zu erwarten ist.

Bei Kopfhautproblemen wie Schuppen ist der Einsatz eines Antischuppen-Shampoos ratsam. Es enthält besondere Wirkstoffe (Climbazol, Octopirox oder Zinkpyrithion), die die Zellteilungsaktivität der Kopfhaut regulieren und gegen Pityrosporum ovale, einen bei Schuppenbefall oft nachweisbaren Pilz, wirksam sind. Antischuppen-Shampoos sollten nur so lange angewendet werden, wie Schuppen sichtbar sind. Danach empfiehlt sich ein mildes Shampoo, zum Beispiel mit der Ausrichtung „sensitive Kopfhaut“.

Die früher weit verbreiteten Anti-Fett-Shampoos haben an Bedeutung verloren, da das Haar heute meist schon vor dem nächsten sichtbaren Nachfetten gewaschen wird. In der Regel reicht je nach Haarlänge und Verschmutzungsgrad eine Shampoo-Menge in der Größe eines Zehn-Cent- bis Zwei-Euro-Stückes für eine Haarwäsche aus. Das gilt vor allem im Hinblick auf eine gesunde Kopfhaut. Die früher üblichen, direkt aufeinander folgenden zwei Shampoo-Wäschen sind bei der heutigen Waschhäufigkeit nicht mehr nötig.

Wie Spülungen und Kuren pflegen

Durch Umwelteinflüsse wie Sonnenlicht, Wasser und Wind sowie chemische Behandlungen wird das Haar strapaziert. Auch häufiges Bürsten, Frisieren mit scharfkantigen Kämmen und zu heißes Föhnen schaden dem Haar. Der Gebrauch von Haarpflegemitteln soll den Zustand von angegriffenem Haar verbessern. Nach der Anwendung von Spülungen (Conditioner, Rinse) oder Kuren (Treatment) lässt sich das Haar leichter kämmen und hat neben verminderter statischer Aufladung einen angenehmeren Griff und mehr Glanz. Die Grundrezeptur von Haarspülung und -kur besteht im Allgemeinen aus einer Emulsion vom Typ Öl-in-Wasser. Sie ist aus Fettalkoholen, Emulgatoren, quartären Ammoniumverbindungen und Wasser aufgebaut und hat einen mild sauren pH-Wert.

Fettalkohole sind gerad- oder verzweigtkettige aliphatische, einwertige Alkohole mit 6 bis 22 C-Atomen pro Molekül. In der Kosmetik werden hauptsächlich geradkettige Fettalkohole mit einer Kettenlänge von 12 bis 18 C-Atomen eingesetzt, zum Beispiel Stearylalkohol. Neben den Fettalkoholen kommen auch andere öl- und wachsartige Substanzen wie beispielsweise Paraffine oder Bienenwachs zum Einsatz.

Strapaziertes Haar bildet auf der Oberfläche negative Ladungen aus. Haarpflegemittel gleichen diese durch spezielle kationische Pflegestoffe, die quartären Ammoniumverbindungen wieder aus. Diese lagern sich an die negativen Ladungen des Haares an und bilden dadurch eine dünne Schicht an den geschädigten Haarflächen aus. Damit verbessern sie die Kämmbarkeit und den Griff und verleihen dem Haar Glanz. Die Quats, sowohl in monomerer als auch in polymerer Form, sind die wichtigsten Wirkstoffe in Haarpflegemitteln. Ein Beispiel ist Cetyltrimethylammoniumchlorid. In der Rezeptur haben sie oft eine multifunktionale Aufgabe: Sie bewirken die gewünschte Pflege, haben auch emulgierende Eigenschaften und können außerdem die Konservierung unterstützen. Seit einigen Jahren werden vermehrt Silikone und Silikonderivate als Pflegestoffe eingesetzt. Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind Verdickungs- und Konservierungsmittel sowie Parfümöle.

Kuren bieten auf Grund ihrer höheren Konzentration an pflegenden Bestandteilen eine intensivere Pflege als Spülungen. Außerdem sind Kuren deutlich viskoser und werden deshalb oft in Tiegeln angeboten. Weitere Darreichungsformen sind Pflegeschäume in Aerosolform oder Sprüh-Präparate. Haarspülungen haben in der Regel eine fließfähige Konsistenz. Grundsätzlich unterscheidet man Haarpflegemittel zum Ausspülen („Rinse-Off“-Produkte) oder zum Verbleib im Haar („Leave-In“-Produkte). Haarspülungen werden nach der Wäsche ins feuchte Haar eingearbeitet und nach einigen Minuten wieder gründlich ausgespült. Die Einwirkzeit von Kuren ist dagegen mit bis zu 30 Minuten deutlich länger.

Kuren für strapaziertes Haar

Wie bei den Shampoos muss auch bei der Formulierung von Pflegemitteln die jeweilige Haarstruktur berücksichtigt werden: Je geschädigter das Haar ist, um so mehr Pflegestoffe sind erforderlich, damit die Kämmbarkeit verbessert wird. Bei stark strapazierten Haaren wie dauergewelltem, gefärbtem oder trockenem Haar wird deshalb der Gebrauch einer Kurpackung mehrmals im Monat empfohlen.

Auch langes Haar, egal ob glatt oder gewellt, sollte wöchentlich einmal mit einer Haarkur gepflegt werden. Im Gegensatz dazu darf bei normalen und feinen Haaren die Pflegewirkung nicht zu hoch sein, damit das Haar nicht strähnig und belastet wirkt. In diesen Fällen reicht die Verwendung einer auf diese Haartypen abgestimmten Spülung oder einer versprühbaren Leave-In-Kur aus. Zur Prophylaxe vor Schäden durch Kämmen und Bürsten, besonders bei längeren Haaren, ist der regelmäßige Gebrauch einer Haarspülung ebenfalls empfehlenswert. In Deutschland benutzen knapp zwei Drittel der Frauen eine Haarspülung; 35 Prozent von ihnen sogar nach jeder Haarwäsche.

Das Styling der Frisur

Nach der Haarbehandlung mit Shampoo und Spülung folgt häufig der Einsatz von Stylingmitteln. Die wichtigsten Vertreter dieser Produktgruppe sind Haarfestiger und -sprays. Haarfestiger werden in flüssiger Form oder als Schaumfestiger in Aerosolform angeboten. Föhnlotionen gehören ebenfalls zu den flüssigen Festigern. Die wichtigsten Bestandteile von Haarfestigern sind Filmbildner, die auch als Harze bezeichnet werden. Es sind Polymere, die beispielsweise aus der Klasse der Polyacrylate stammen oder aus Polyvinylpyrrolidon oder dessen Copolymerisaten mit Vinylacetat aufgebaut sind. Außerdem werden natürliche Polymere verwendet, beispielsweise Chitosan, ein Amino-Polysaccharid. Die Filmbildner haben die Aufgabe, die Frisur in der gewünschten Form zu festigen.

Weitere Inhaltsstoffe von Festigern sind Weichmacher, Kämmbarkeitsverbesserer (Quats, kationische Polymere), Lösungsmittel (Wasser, Alkohole), Duftstoffe, bei Schaumfestigern zusätzlich noch Tenside und Treibgase wie zum Beispiel Kohlenwasserstoffe (Propan, Butan) oder Dimethylether. Haarfestiger werden vorzugsweise nach der Haarwäsche im feuchten Haar verteilt, erleichtern das Erstellen der Frisur und verleihen Volumen und Halt. Dabei legen sie sich idealerweise wie ein Film um das Haar.

Schaumfestiger werden in diversen Rezepturvarianten mit abgestuft festigender Wirkung (normaler bis ultrastarker Halt) angeboten. Je nach Haarlänge und gewünschter Festigung empfiehlt sich die Verwendung einer Mandarinen- bis Tennisball-großen Schaummenge. Durch die unkomplizierte Handhabung sind Schaumfestiger die am häufigsten genutzten Haarfestiger. Nach einer aktuellen Umfrage verwenden circa 70 Prozent der deutschen Verbraucherinnen einen Schaumfestiger, zwei Drittel davon mindestens einmal in der Woche. Die Festigung durch Föhnlotionen ist meist schwächer als durch Schaumfestiger.

Die Frisur sitzt

Haarsprays wurden erstmals in den 1950er-Jahren populär. Beim klassischen Haarspray handelt es sich um ein Finish-Produkt – es wird als Abschlussbehandlung über die fertig erstellte Frisur gesprüht. Dadurch wird diese gegen Wind und Feuchtigkeit geschützt. Nach der Anwendung soll ein Haarspray schnell trocknen, nicht sichtbare Filme ausbilden, leicht ausbürstbar und auswaschbar sein.

Wie beim Haarfestiger stellen auch hier Filmbildner die Hauptkomponente dar. Bei den ersten Haarsprays wurde Schellack als festigende Substanz verwendet. Heute kommen synthetische Polymere wie Polyacrylate zum Einsatz. Je nach Art und Konzentration der Filmbildner ist der Haltegrad stärker oder schwächer. Haarsprays mit ultrastarker Festigung werden auch als Haarlacke bezeichnet.

Weitere essenzielle Bestandteile von Haarsprays sind Lösungsmittel (vor allem Ethanol), Weichmacher, Treibgase wie Propan, Butan oder Dimethylether und Parfümöle. Das gesamte System aus Inhaltsstoffen, Dosendruck und Sprühkopf mit entsprechendem Ventil ist so aufeinander abgestimmt, dass bei der Entnahme ein Sprühnebel entsteht. Er besteht aus kleinen Tröpfchen, die ein Aerosol bilden. Je feiner dieser Sprühnebel ist, desto schneller trocknet er.

Halt durch Vernetzung

Die Wirkung eines Haarsprays basiert auf einem anderen Stylingprinzip als bei den Festigern: Die Haare werden beim Spray nicht von den Filmbildnern umhüllt, sondern fixieren die Frisur nur punktförmig an den Berührungsstellen der neben- und übereinanderliegenden Haare (siehe Abbildung). Dadurch ergibt sich eine Art „Punktschweißung“ oder „Vernetzung“.

Eine andere Haarspray-Variante ist das Pump-Haarspray. Es benötigt kein Treibgas, sondern wird mit einer entsprechenden Pumpe manuell betätigt. Der Sprühstrahl besteht hier aus größeren Tröpfchen als beim Aerosol-Haarspray. Deswegen ist die Trocknungszeit vergleichsweise länger. Pump-Haarsprays haben eine deutlich geringere Marktbedeutung als Aerosol-Haarsprays. In der Praxis benutzen fast drei Viertel der deutschen Frauen ein Haarspray.

Weniger häufig werden Haargele und -wachse verwendet, die ebenfalls zu den Stylingmitteln gehören. Sie dienen weniger der Erstellung und Haltbarmachung einer kompletten Frisur, sondern werden vielmehr für die Akzentuierung einzelner Haarsträhnen oder -partien eingesetzt. /

Literatur bei der Verfasserin

Anschrift der Verfasserin
Dr. Karin Steinbrecht,
Wella AG, Berliner Allee 65,
64274 Darmstadt
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