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FSME-Risikogebiete in Deutschland

31.05.2004  00:00 Uhr

FSME-Risikogebiete in Deutschland

von Christina Hohmann, Eschborn

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat drei neue Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ausgewiesen. In Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg ist jeweils ein Landkreis zu den bisher bestehenden Risikogebieten hinzugekommen.

Im Jahr 2003 erkrankten in Deutschland 276 Menschen an FSME, nur wenig mehr als im Vorjahr, in dem 239 Fälle an das RKI gemeldet wurden. Die meisten Erkrankungen waren in Baden-Württemberg (42 Prozent) und Bayern (38 Prozent) zu verzeichnen, berichtet das RKI im Epidemiologischen Bulletin Nummer 21 vom 19. Mai 2004. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf zehn weitere Bundesländer. Nur etwa 9 Prozent der Erkrankungen wurden im Ausland, vor allem in Ungarn und Österreich, erworben.

Grundlage der neuen Einteilung sind die gemeldeten Erkrankungen aus den Jahren 1984 bis 2003. Alle bisher als Hochrisikogebiete ausgewiesenen Regionen behalten auch weiterhin diesen Status bei. Zu diesen kommen drei weitere Gebiete hinzu: der Landkreis Hof in Bayern, der Landkreis Hildburghausen in Thüringen sowie der Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Alle drei Regionen grenzen an bereits bekannte Risikogebiete. Insgesamt gelten derzeit 83 Kreise als Risikogebiete, davon 30 in Baden-Württemberg, 45 in Bayern, 4 in Hessen, 3 in Thüringen und einer in Rheinland-Pfalz. Die Daten des Jahres 2003 zeigen erneut, dass im Süden Deutschlands, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, große zusammenhängende FSME-Naturherde bestehen.

Als Risikogebiete gelten Regionen, in denen entweder in einer Fünfjahresperiode zwischen 1984 und 2003 mindestens fünf lokal erworbene FSME-Erkrankungen auftraten oder jährlich eine beobachtet wurde. Als Hochrisikogebiet stuft das RKI Landkreise ein, aus denen in einer Fünfjahresperiode insgesamt 25 lokal erworbene Erkrankungen gemeldet wurden. Regionen, in denen zwar bisher keine FSME-Fälle vorkamen, aber in denen ein großer Anteil der Zeckenpopulation das Virus in sich trägt, gelten als FSME-Endemiegebiete.

Impfung für Risikogruppen

Für die von Flaviviren ausgelöste Erkrankung existiert keine kausale Therapie. Sie lässt sich jedoch durch eine aktive Schutzimpfung verhindern. Eine solche Immunisierung ist für gefährdete Personen in Risikogebieten sinnvoll. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt eine FSME-Schutzimpfung für Personen, die in Risikogebieten wohnen oder arbeiten und dabei ein Zeckenstichrisiko haben, wie zum Beispiel Forst- und Landarbeiter oder Jäger. Außerdem sollten sich Menschen, die sich in der Zeckensaison von März bis Oktober in ihrer Freizeit viel im Freien aufhalten, prophylaktisch impfen lassen. Dies gilt besonders für Kinder. Obwohl der Krankheitsverlauf bei Kindern generell milder ist als bei Erwachsenen, können auch sie Komplikationen und neuropsychologische Spätschäden entwickeln. „Deshalb sollte die Schutzimpfung allen Kindern, die in einem Endemiegebiet wohnen oder dorthin reisen, ermöglicht werden“, schreibt die International Working Group on FSME in einem Konsensuspapier.

Auch Reisende in Risikogebiete, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, sollten sich prophylaktisch impfen lassen, empfiehlt das RKI. Die meisten FSME-Erkrankungen weisen Russland und Lettland auf. Hier kommen etwa 5000 bis 10.000 Fälle jedes Jahr vor. Ein hohes Infektionsrisiko besteht außerdem in Tschechien, Slowenien, Westungarn, Litauen und Polen. Auch in Estland, Österreich, Südostschweden, Kroatien, Albanien und der Schweiz existieren Naturherde. Top

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