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Mobilfunk wirkt auf Zellen

17.05.2004
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Mobilfunk wirkt auf Zellen

von Gudrun Heyn, Berlin

Sendemasten schüren immer wieder die Angst vor elektromagnetischen Feldern. Auf dem Weg zu wissenschaftlich fundierten Aussagen sind Wissenschaftler jetzt einen Schritt weiter gekommen – die Gefahr scheint überschaubar.

Hochfrequente elektromagnetische Felder können DNA-Strangbrüche in Zellen induzieren, berichtete Dr. Rudolf Fitzner von der Charité auf dem 53. Deutschen Ärztekongress in Berlin. Im Rahmen des EU-Projektes REFLEX untersucht das Forscherteam des Instituts für Klinische Chemie und Pathobiochemie das Verhalten von Zellen unter dem Einfluss von Elektromagnetfeldern, wie sie auch im Mobilfunk entstehen.

Bei ihren Experimenten verwenden die Berliner Wissenschaftler ein hochfrequentes Elektromagnetfeld mit für Handynetze gängigen 1800 MHz und setzen sowohl normale Leukozyten als auch bereits vorgeschädigte Zellen dieser Strahlung aus. Diese so genannten HL60-Zellen entstammen einer standardisierten Zelllinie aus humanen Leukämiezellen. Allerdings sind sie nicht komplett entartet und besitzen weiterhin die Fähigkeit, sich wieder in normale Zellen zu verwandeln. Auch weisen sie noch keine Apoptoseresistenz wie echte Krebszellen auf. Eine weitere Schädigung lässt sich daher an ihnen besonders gut untersuchen.

Während sich unter diesen Bedingungen die regulären Zellen weiterhin normal verhalten, treten bei den HL-60 Zellen DNA-Strangbrüche auf. Eine deutliche Reaktion gegenüber der Kontrolle zeigt sich bei einer Exposition mit 1,3 Watt pro Kilogramm Gewebemasse und dies gleich in zwei voneinander unabhängigen und unterschiedlichen Gentoxizitäts-Testverfahren. Chromosomenschäden können aber auch bei anderen so genannten SAR-Werten beobachtet werden, welche die spezifische Absorptionsrate elektromagnetischer Felder angeben und laut Strahlenschutzkommission bei Handys unter 2 Watt pro Kilogramm liegen sollen. Die Forscher erhielten darüber hinaus auch Hinweise darauf, dass die Strahlung die Genexpression beeinflusst.

Strahlen schädigen indirekt

Rein physikalisch reicht die Energie eines hochfrequenten Elektromagnetfeldes bei 1800 MHz nicht aus, um chemische Atombindungen aufzuspalten, betonte Fitzner. Für die Aufbruchphänomene müssen daher andere, indirekte Ursachen verantwortlich sein. So vermuten die Berliner Wissenschaftler, dass in diesem System freie Sauerstoffradikale eine Rolle spielen, die sich durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung leicht produzieren lassen. Dies Theorie wird auch dadurch gestützt, dass eine Gabe des Radikalfängers Ascorbinsäure die Wirkung der Bestrahlung deutlich verringert.

Trotz der Schäden auf DNA-Ebene zeigen sich in den Experimenten keine weiteren Veränderungen im zellulären Verhalten. Lebensfähigkeit und Wachstum sind nicht beeinträchtigt, die Proliferationsrate nicht verändert. In der Konsequenz, so schließen die Berliner Wissenschaftler, sind hochfrequente elektromagnetische Felder nicht in der Lage, eine Tumorpromotion anzustoßen. Top

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