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Neues Haar aus ruhenden Wurzeln

19.05.2003
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Neues Haar aus ruhenden Wurzeln

von Dagmar Knopf, Berlin

Eine ruhende Haarwurzel zu neuer Aktivität anzuregen, klingt wie ein Verheißung. Bei Mäusen gelingt dies. Doch der Prozess ist hoch sensibel.

Solange die Haarwurzel gesund ist, steht dem Haarwachstum nichts im Wege. Regelmäßig sprießen aus den tief in der Haut verankerten Haarfollikeln neue Haare aus und wachsen manchmal jahrelang. Auf die Phase des Wachstums folgt allerdings unvermeidlich ein Wachstumsstopp, das Haar fällt aus und die Haarwurzel macht eine Ruhepause.

Wissenschaftler der Medical School an der University of Michigan haben nun herausgefunden, dass eine kurze Aktivierung während der Ruhephase ausreicht, um die Haarwurzel zu neuem Wachstum anzuregen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten David Van Mater und seine Kollegen im Fachjournal Genes & Development.

Beim Schlüssel zum Haarreichtum handelt es sich um das Protein β-Catenin, das bei der Entwicklung embryonaler Haarfollikel und der Bildung von Hauttumoren eine Rolle spielt. Dass es auch die normale Wachstumsphase anstößt, entdeckten die Wissenschaftler durch Vergleichsuntersuchung an Mäusen. Zum einen arbeiteten sie mit Mäusen, die auf Grund eines genetischen Eingriffs kein aktives β-Catenin-Protein produzierten. Allerdings ließ sich das Protein bei diesen Mäusen durch die Gabe eines chemischen Agens zu jedem beliebigen Zeitpunkt anregen. Bei den Vergleichstieren handelte es sich um genetisch unveränderte Mäuse, deren Haarfollikel sich gerade in der Ruhephase befanden.

Kahle Stelle im Versuch

Um den Signaleffekt von β-Catenin auf das Wachstum ausgereifter Haarwurzeln zu testen, rasierten Mater und sein Team den Versuchstieren eine kahle Stelle auf dem Rücken. Anschließend injizierten sie den Mäusen ohne aktives Protein das anregende Agens unter die Haut und aktivierten so das β-Catenin-Protein. Fünfzehn Tage warteten die Forscher ab, dann zeigte sich der Unterschied deutlich.

Während die genetisch unveränderten Tiere weiterhin auf Haare warteten, schmückte die angeregten Mäuse ein neues Haarkleid. Histologische Untersuchungen zeigten keinen Unterschied zwischen den neuen und alten Haaren. Auch in ihrem Wachstumsverhalten zeigten sie keinerlei Auffälligkeiten. Sie durchwanderten den restlichen Wachstumszyklus in der typischen Art und Weise.

Entscheidend für einen normalen Wachstumszyklus scheint die Dauer des Signals zu sein. Wirkt β-Catenin nur kurz, wie in dem Mäuseexperiment der Forscher, wird die Haarwurzel in die richtige Richtung gelenkt. Verlängert sich jedoch die Aktivierungszeit, sind unkontrolliertes Zellwachstum und eine massive Verzerrung der Follikelstruktur die Folge. Die präzise Kontrolle der Signalaktivität ist somit für eine gesunde Follikelregeneration unverzichtbar. Top

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