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Passivrauchen macht krank

21.05.2001
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WELTNICHTRAUCHERTAG

Passivrauchen macht krank

von Ulrike Wagner, Eschborn 

Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. "Keine dicke Luft am Arbeitsplatz - auch Passivrauchen macht krank", ist das diesjährige Motto. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will mit diesem Aktionstag auf die Gefahren aufmerksam machen, denen Nichtraucher am Arbeitsplatz durch ihre rauchenden Kollegen ausgesetzt sind. In Deutschland organisiert die Koalition gegen das Rauchen zentrale Aktionen.

Inzwischen ist wissenschaftlich unumstritten, dass Passivrauchen krank macht. Im Zigarettenrauch tummeln sich tausende Chemikalien, von denen mindestens 40 Krebs hervorrufen. Zudem enthält der Rauch große Mengen an Kohlenmonoxid und anderen Substanzen, die Herzerkrankungen und Schlaganfälle hervorrufen können.

Ein Passivraucher atmet im Vergleich zum Raucher durchschnittlich etwa ein Hundertstel der giftigen Stoffe aus dem Tabakrauch ein. Allerdings sind manche als gesundheitsschädlich eingestufte Substanzen im Hauptstromrauch in geringerer Konzentration enthalten als im Nebenstromrauch, der vorwiegend von Passivrauchern eingeatmet wird. So übersteigt zum Beispiel die Konzentration des krebserregenden N-Nitrosodimethylamin im Nebenstromrauch die im Hauptstromrauch um den Faktor 130, meldet das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Krebs und Herzerkrankungen

Passivraucher erleiden die gleichen akuten und chronischen Gesundheitsschäden wie Raucher, wenn auch seltener und in geringerem Ausmaß. Dazu zählen sowohl Langzeitschäden als auch kurzzeitige Effekte. Zu letzteren gehören Reizungen von Augen, Nase, Hals und Lungen, bis hin zu Asthmaattacken bei Asthmatikern. Nichtraucher reagieren meist empfindlicher auf die toxischen Wirkungen des Tabakrauchs und leiden oft unter Kopfschmerzen und Schwindel. Zu den Langzeiteffekten zählen nach jahrelanger Exposition Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. Das Lungenkrebsrisiko passiv rauchender Menschen ist zum Beispiel um etwa 30 Prozent erhöht. Personen, die 15 Jahre lang in stark verrauchten Räumen arbeiteten, haben ein fast doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko wie nicht oder nur gering belastete Menschen.

Nichtraucherschutz angestrebt

In Deutschland zählt die Maximale Arbeitsplatzkonzentration für Tabakrauch zur Kategorie krebserzeugender Arbeitsstoffe mit der höchsten Gefahrenstufe, meldet die Bundesvereinigung für Gesundheit. Da derzeit jedoch rechtsverbindliche Bestimmungen zum Schutz des Nichtrauchers am Arbeitsplatz fehlen, arbeiten drei Millionen Arbeitnehmer in Räumen, in denen regelmäßig geraucht wird.

Unter den derzeitigen Bedingungen hängt der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz wesentlich von der Gutwilligkeit der Entscheidungsträger im jeweiligen Betrieb ab, meldet die Deutsche Krebshilfe. Betriebsräte, Verwaltungsleiter und Vorstände setzen sich meist nur dann für rauchfreie Arbeitsplätze ein, wenn sie selbst überzeugte Nichtraucher sind. In Betrieben, die von Rauchern geführt werden, fehlt ein wirksamer Nichtraucherschutz doppelt so häufig wie in Betrieben mit nicht rauchenden Führungskräften.

Allerdings zeichnet sich jetzt auch in Deutschland eine gesetzliche Regelung zum Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz ab. Eine interfraktionelle Abgeordnetengruppe versucht seit 1999 über eine Ergänzung des allgemeinen Gesundheitsschutzes in § 5 der Arbeitsstättenverordnung den Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz mit einem Nichtraucherschutz-Paragraphen zu verbessern. Am 31. Mai, dem Weltnichtrauchertag, wird mit der Zweiten und Dritten Lesung des Antrags "Für einen verbesserten Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz" eine Änderung der Arbeitsstättenverordnung erwartet. Die Ausschüsse des Deutschen Bundestages für Recht, für Wirtschaft, für Arbeit und Soziales sowie für Umwelt hatten in ihrer Sitzung im Februar mit deutlicher Mehrheit für einen gesetzlichen Nichtraucherschutz in der Arbeitsstättenverordnung gestimmt. Der Bundestag folgt meist der Beschlussempfehlung seiner Fachausschüsse.

Kinder sind wehrlos

Aber nicht nur für Arbeitnehmer ist der Rauch aus dem Glimmstängel anderer eine Bedrohung. Die WHO macht in ihrer weltweiten Kampagne zum Weltnichtrauchertag darauf aufmerksam, dass Kinder besonders häufig Opfer des Zigarettenrauchs sind. Bei ihnen führt Passivrauchen zu Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen, Asthmaanfällen und plötzlichem Kindstod.

Die Tabakindustrie bestreitet auch heute noch, dass Passivrauchen krank macht, kritisiert die WHO. Als Teil ihrer Firmenstrategie, haben die Unternehmen konsequent Regelungen und Gesetze bekämpft, die Menschen vor dem Passivrauchen schützen.

Die Koalition gegen das Rauchen, die deutschlandweit Aktionen zum Weltnichtrauchertag initiiert, ist eine Gruppierung von 80 Initiativen und Organisationen des Gesundheitswesens. Sie wird von einem Steuerungsgremium geleitete, dem unter anderen die Bundesärztekammer, die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe angehören.

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