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Säuglings- und Kindernahrung gilt als sicher

26.03.2001
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BSE-RISIKO

Säuglings- und Kindernahrung gilt als sicher

von Bettina Neuse-Schwarz, Bad Arolsen

Über das Fläschchen oder den Milchbrei droht Säuglingen und Kleinkindern nach derzeitigem Kenntnisstand keine BSE-Gefahr; auch rind- und kalbfleischhaltige Gläschenkost biete den höchstmöglichen Sicherheitsstandard im Hinblick auf ein Infektionsrisiko mit BSE. Dies beteuern die Hersteller von Säuglings- und Kleinkindernahrung wie Milupa, Nestlé Alete und Hipp. Eine Einschätzung, die die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin teilt: Es würden alle derzeit verfügbaren Vorsorgemaßnahmen ergriffen, um höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten, heißt es in einer Presseerklärung.

Die Kommission beruft sich dabei auf Angaben der Hersteller; danach wird schon seit 1994 für die Gläschennahrung ausschließlich Rind- und Kalbfleisch von anerkannten, kontrollierten Bio-Bauernhöfen verwendet. Die Tiere würden seit mindestens zwei Generationen in landwirtschaftlichen Betrieben gehalten, die den gesetzlichen Vorgaben für zertifizierten ökologischen Landbau entsprechen, heißt es.

Die Aufzucht der Kälber erfolgt nach Herstellerangaben gemäß der EU-Bio-Verordnung ausschließlich mit der Milch der Mutterkühe (Mutterkuh-Haltung) und später mit pflanzlichen Futtermitteln aus ökologischer Produktion, vorzugsweise Gras und Heu. Die Herden würden in erster Linie durch Aufzucht aus den eigenen Herden der Vertrags-Landwirte ergänzt, wenn nötig allenfalls durch Zukauf aus anderen Bio-Betrieben, so die Produzenten der Babynahrung. Die Verarbeitung von Tieren aus dem Ausland sei somit ausgeschlossen.

Milchaustauscher und tiermehlhaltige Futtermittel dürfen in der Bio-Landwirtschaft nicht verwendet werden; regelmäßige, unabhängige Kontrollen sollen die Einhaltung dieses Verbots sicherstellen. Als weitere Sicherheitsmaßnahmen führen die Herstellerfirmen von Gläschennahrung folgende Punkte an:

  • Entsprechend der Verordnung über den ökologischen Landbau werden die Tiere getrennt vom sonstigen Schlachtbetrieb geschlachtet, um mögliche Kontaminationen mit BSE-Risikomaterial zu vermeiden. So gibt beispielsweise Nestlé Alete an, für die Schlachtung seiner Rinder und Kälber nur mit einem einzigen, bio-zertifizierten Schlachthof zusammenzuarbeiten.
  • Zusätzlich lassen die Gläschenkosthersteller direkt nach der Schlachtung jedes Rind per Schnelltest auf BSE testen.
  • Als weitere Sicherheitsstufe darf für die Gläschennahrung ausschließlich Muskelfleisch zum Einsatz kommen. Dieses scheint nach derzeitigem Stand der Wissenschaft BSE-frei zu sein; Prionen als Erreger der Erkrankung wurden hier bislang nicht nachgewiesen.
  • Um die Herkunft der Tiere und des verwendeten Fleisches für jeden Verarbeitungsschritt nachvollziehbar zu machen, werden die Kälber direkt nach der Geburt mit Ohrmarken gekennzeichnet.

Vollwerternährung auch ohne Rind

Auch andere, für die Gläschenkost verwendete Fleischsorten wie Huhn, Pute und Schwein stammen nach Herstellerangaben ausschließlich von kontrollierten Bio-Betrieben. Experten sehen bei diesen Fleischsorten und bei Fisch keine BSE-Gefahr. So heißt es etwa seitens der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, "... eine BSE-Übertragung im Rahmen der landwirtschaftlichen Produktion von Schweinen, Geflügel sowie bei Fisch ist nicht bekannt."

Wer Eigenherstellung der Gläschenkost vorzieht und seinem Kleinkind rind- oder kalbfleischhaltige Beikost selbst zubereiten will, sollte dazu ebenfalls Fleisch aus zertifizierter ökologischer Erzeugung verwenden, empfiehlt die Ernährungskommission. Gleichzeitig geben die Experten zu bedenken, dass für eine vollwertige Ernährung Rind- und Kalbfleisch nicht unbedingt erforderlich ist.

Milch ist kein Risikomaterial

Über Milch oder Milchprodukte sei nach dem derzeitigen Wissensstand eine BSE-Infektion nicht möglich, heißt es in der Presseinformation der Kommission weiter. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Verwendung von Milch- und Milcherzeugnissen nach wie vor als unbedenklich ein: In Milch und Milchdrüsen seien niemals Erreger nachgewiesen worden.

Trotz dieser übereinstimmenden Beurteilung haben die Hersteller von Säuglingsmilchnahrungen noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, die sich im Wesentlichen mit denen der Gläschenkosthersteller decken. Bereits seit einigen Jahren habe man ein besonderes Vorsorgeprogramm für Rohstoffe aus Kuhmilch entwickelt, das weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehe, erklärt zum Beispiel Milupa.

Demnach wird als Rohstoff für Säuglingsmilch und deren Zubereitungen ausschließlich Milch von kontrollierten Höfen verwendet. Hier gelten die gleichen Forderungen wie für das in Gläschen verarbeitete Fleisch: Weidehaltung der Kühe, Mutterkuh-Haltung, keine Verfütterung von Tiermehl, keine Düngung der Weiden mit tierischen Abfallprodukten et cetera. Die gesamte Herstellungskette der Säuglingsmilchnahrungen werde vom Hersteller lückenlos kontrolliert und verfolgt, so das Unternehmen. Das in den Produkten enthaltene Calcium stamme aus mineralischem Calciumcarbonat, nicht aus Knochen.

© 2001 GOVI-Verlag
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