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Konstitutionsermittlung von Alkaloiden

04.11.2002  00:00 Uhr
Hermann Emde

Konstitutionsermittlung von Alkaloiden

von Bernard Unterhalt, Marburg

Ein Wissenschaftler, der Grundlagen zur Strukturaufklärung einiger Alkaloide erarbeitete, ist Hermann Karl Christian Maximilian Emde. 1906/07 fand er die reduzierende Spaltung quartärer Ammoniumsalze, den nach ihm benannten Emde-Abbau. Außerdem beschäftigte er sich mit Harzbestandteilen des Fichtenholzes und deren Schicksal bei der Fabrikation von Sulfitzellstoff.

Emde war der Sohn eines Fabrikdirektors aus Opladen. Er bestand die Reifeprüfung am Siegburger Gymnasium und trat eine Praktikantenstelle in der Marburger Einhorn-Apotheke an, die am 1. November 2000 ihr 525-jähriges Bestehen feierte. Nach seinem Vorexamen war er Apothekerassistent in Köln, studierte Pharmazie, Chemie und Nahrungsmittelchemie in Braunschweig und Marburg und legte die zugehörigen Examina ab. 1906 wurde er bei E. A. Schmidt in Marburg mit der Arbeit "Beiträge zur Kenntnis und Versuche zur Synthese des Ephedrins und des Pseudoephedrins" zum Dr. phil. promoviert. Nach über zweijähriger Assistententätigkeit am Braunschweiger Institut bei H. A. Beckurts habilitierte er sich dort 1908 mit dem Thema "Kohlenstoff-Doppelbindung und Kohlenstoff-Stickstoff-Bindung" für allgemeine, pharmazeutische und Nahrungsmittelchemie.

In dieser Zeit gelang ihm erstmals die reduzierende Spaltung von Cinnamyl-trimethylammonium-chlorid mit Natriumamalgam zu Phenylpropen und Trimethylamin. Dieser nach ihm benannte Abbau bildet die Grundlage für die Konstitutionsaufklärung einiger Alkaloide wie zum Beispiel Ephedrin und Corycavidin. Emde stellte später fest, dass die Spaltung schonender durch katalytische Hydrierung über Pt oder Pd in neutraler oder essigsaurer Lösung erfolgen kann.

Nach kurzer Tätigkeit bei dem bekannten Chemiker J. Thiele in Straßburg ging Emde in die Industrie. 1915 bis 1818 nahm er als Offizier am 1. Weltkrieg teil. Danach war er Chefchemiker bei Schering in Berlin, später Chemiker bei Hoffmann-La Roche in Basel. Ein Jahr lang leitete er die Chininfabrik in Soekabami auf Java.

1928 bis 1930 war Emde Privatdozent und außerordentlicher Professor an der Baseler Universität. Wenig später wurde er als Nachfolger von H. Matthes nach Königsberg berufen und übernahm die Leitung des Pharmazeutisch-Chemischen Instituts der Albertus-Universität. Nach Aussagen von Zeitgenossen war Emde eine lebensfrohe Natur, wortgewandt und von bestimmtem Auftreten, ein geschickter Organisator und vortrefflicher Dozent.

 

Lebensdaten
  • 1880, am 10. Dezember, als Sohn des Fabrikanten und Chemikers Dr. Burghard Emde in Opladen (Rheinland) geboren
  • 1900 Abitur am Siegburger Gymnasium und Annahme einer Praktikantenstelle in der Marburger Einhorn-Apotheke
  • 1902-1906 pharmazeutisches Vorexamen, Apothekerassistent in Köln, Studium
  • 1906 Promotion zum Dr. phil. bei E. A. Schmidt (1845-1921) in Marburg
  • 1908 Habilitation für allgemeine, pharmazeutische und Nahrungsmittelchemie in Braunschweig
  • 1911 Tätigkeit bei J. Thiele (1865-1918) in Straßburg
  • 1911-1915 Leitung der Chinin-Fabrik Buchler in Braunschweig
  • 1915-1918 Offizier im 1. Weltkrieg
  • 1918-1928 Chefchemiker bei Schering in Berlin, Mitarbeiter von Hoffmann-La Roche in Basel, Leiter einer Chinin-Fabrik auf Java
  • 1928 Privatdozent, 1930 außerordentlicher Professor in Basel
  • 1931 Direktor des Pharmazeutisch-Chemischen Instituts der Albertus-Universität Königsberg
  • 1935, am 19. Juli, auf einer Urlaubsreise in Thun in der Schweiz an den Folgen einer Blinddarmoperation gestorben

 

Literatur

  • G. Wallrabe, Ber. Dtsch. Chem. Ges. 68 A, 164-165 (1935)
  • Anonym., Angew. Chem. 48, 616 (1935).
  • H.-D. Schwarz, Dtsch. Apoth.-Ztg. 125, 1565-1566 (1985); s. auch Dtsch. Apoth. Biogr., Erg.-Bd., S. 105-106, WVG, Stuttgart 1986.

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