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Wunderdoktor statt Quacksalber

28.10.2002
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Wunderdoktor statt Quacksalber

PZ/dpa  Den Wunderdoktor Johann Andreas Eisenbarth gab es wirklich: Er ist nicht die barocke Sagengestalt, die in Dörfern und Städten den Leuten mit einer Riesenzange die Zähne rausriss. Und auch nicht der im Volkslied „Ich bin der Dr. Eisenbart“ verschmähte Scharlatan und Quacksalber. Das hat der Göttinger Medizinhistoriker Karl Hieke für seine Doktorarbeit recherchiert.

Der Arzt wurde 1693 in Oberviechtach in Bayern geboren und starb 1727 in Hannoversch Münden (Kreis Göttingen). Dort soll Eisenbarths Bedeutung für die Medizingeschichte erstmals zu seinem 275. Todestag im November im Stadtmuseum mit einer Ausstellung mit bisher unbekanntem Material gewürdigt werden.

Die in den Sagen und Geschichten um Eisenbarth immer wieder erwähnte Bühne, sein Gefolge, die Spielleute, Seiltänzer, Komödianten und Gaukler, die bei den kurzen Aufenthalten auf den Jahr- und Wochenmärkten auf ihn aufmerksam machten, gab es wirklich. Doch trotz des Rummels sei es ihm vor allem darum gegangen, die chirurgische Versorgung der Landbevölkerung zu sichern.

Die Wundärzte waren die einzigen, die komplizierte Operationen durchführten, weil solche selbst in großen Städten wie Frankfurt am Main von den dort ansässigen zünftig organisierten Handwerkschirurgen nicht vorgenommen wurden. Eisenbarth war nach den neuen Forschungen einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Landärzte. Vom Kaiser sowie von zwölf Königen und Landesfürsten zwischen Polen, Preußen und England wurde er zum privilegierten Landarzt ernannt. Der preußische König machte ihn zum Hofrat.

Als Chirurg blieb Eisenbart im Gegensatz zu zahlreichen anderen Landärzten solange an einem Ort, bis seine Patienten genesen waren. Sie seien wahrheitsgemäß über ihren Gesundheitszustand aufgeklärt worden. Bei schwierigen Operationen habe er Konsiliarärzte hinzugezogen. Eisenbarth habe es durch psychologisch geschickt formulierten Flugblätter und Zeitungsinserate verstanden, seine Patienten positiv zu beeinflussen und ihnen die Angst vor vielfach lebensrettenden Operationen zu nehmen. Als Unternehmer sei er zeitweise für 120 bei ihm beschäftigte Menschen verantwortlich gewesen.

 

Die Ausstellung in Hannoversch Münden wird am 11. November eröffnet und dauert bis zum 3. März.

Städtisches Museum Hannoversch Münden
Schlossplatz 5 (Welfenschloss)
34346 Hannoversch Münden
Telefon (0 55 41) 75-202
Museum@hann.muenden.de

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