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Tödliches Zusammenspiel

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Beethoven und Blei

Tödliches Zusammenspiel

von Brigitte M. Gensthaler, Leipzig

Was verbindet Ludwig van Beethoven und Samuel Hahnemann? Dies erklärt das Sächsische Apothekenmuseum Leipzig in einer kleinen Sonderausstellung. Anhand etlicher Exponate und vieler Texttafeln stellt es die Krankheiten Beethovens im Zusammenhang mit Wein, Gift und der Hahnemann'schen Weinprobe vor. Spektakulärstes Ausstellungsstück ist eine Original-Haarlocke des Musikers.

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Das Genie (1770 bis 1827) liebte die "geistigen Getränke" wegen ihrer erquickenden, stärkenden und tröstenden Wirkung, beklagte aber auch, dass viele Weine verfälscht würden. Gleichwohl muss der Maestro die süßen (oft billigen) Weine bevorzugt haben. Das Rezept zum Entsäuern des Weines ist seit der Antike bekannt. Schon die Römer verwendeten dazu Bleiverbindungen. Auch in späteren Jahrhunderten setzten Weinhändler dem Rebensaft metallisches Blei, Bleioxid ("Wasser des Saturn"), Bleicarbonat (Bleiweiß) und Bleiacetat (Bleizucker) zu, um die Säure abzustumpfen und den Wein süßer, klarer und farbintensiver zu machen.

Als sein "Hauptübel" bezeichnete Beethoven selbst die seit dem 26. Lebensjahr zunehmende Schwerhörigkeit, die auf eine Erkrankung des Innenohres sowie Störungen der Durchblutung und der Innervation des Hörorgans zurückgeführt wird. Zu den auslösenden Faktoren gehörte die chronische Bleiaufnahme, was durch einen Obduktionsbefund - die Degeneration des Innenohres - bestätigt wird.

Das "Gift im Wein" hatte der Leipziger Toxikologe Professor Dr. Reinhard Ludewig vor vier Jahren nachgewiesen. Dies bestätigten kürzlich amerikanische Chemiker, die das Schwermetall in Beethovens Haar in 40fach erhöhter Konzentration entdeckten. Quecksilber, das zur Behandlung der Syphilis eingesetzt wurde, fanden sie kaum. Die Befunde der Obduktion, die am 27. März 1827, einen Tag nach Beethovens Tod, in seiner Wohnung stattfand, deuten daraufhin, dass eine Syphilis als Krankheits- und Todesursache auszuschließen ist, Ethanol höchstens eine sekundäre Rolle gespielt haben kann und Blei im multifaktoriellen Geschehen den Ausschlag gab.

Einen ganz anderen Zugang zum "Gift im Wein" hatte Samuel Hahnemann (1755 bis 1843). Der berühmte Gründer der Homöopathie, dem ein eigener Raum im Museum gewidmet ist, war ein findiger und chemisch versierter Apotheker. Um 1788 machte er mit seiner Weinprobe von sich reden. Bis dato (seit 1707) bestand die "Württembergische Weinprobe", die allerdings wenig spezifisch war und neben Blei auch Eisenspuren erfasste.

Hahnemann fand ein zuverlässigeres Nachweisverfahren mit saurem Schwefelwasserstoffwasser, im damaligen Fachjargon "angesäuertes, mit Schwefelleberluft gesättigtes Wasser". In allen Apotheken war der Hahnemann'sche Liquor für etwa vier Groschen erhältlich und bald wurde diese Weinprobe amtlich vorgeschrieben. 1794 stellte der Apotheker eine vereinfachte Variante als "Liquor probatorius fortior" vor, der mit Bleiacetat zu einer dunklen Lösung reagiert.

 

Professor Ludewig sowie Antje Brödner und Sabine Seufert vom Sächsischen Apothekenmuseum haben die Ausstellung "Beethoven, Hahnemann und das Gift im Wein" konzipiert und gestaltet. Sie ist bis zum 2. September im Sächsischen Apothekenmuseum, Thomaskirchhof 12, 04109 Leipzig zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Ausnahme: Donnerstag 14 bis 20 Uhr. Anmeldung für Sonderführungen unter 0341/336520.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 30/2001

 

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