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Gesichter des Orients

18.07.2005
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Ausstellung

Gesichter des Orients

von Gisela Stiehler-Alegria, Bonn

Jordanien liegt am Schnittpunkt der ältesten Hochkulturen der Erde. Hier hatten Christentum, Judentum und Islam ihre Ursprünge, hier liegen die Wurzeln der Zivilisationsgeschichte und der abendländischen Kultur. Die Bonner Kunsthalle präsentiert noch bis zum 21. August 2005 Archäologie und Alltag dieses Landes über einen Zeitraum von 10.000 Jahren.

Über 700 hochkarätige Leihgaben aus jordanischen Museen geben einen sehr »lebendigen« Eindruck vom Leben der Menschen jener Zeit. Zu den Höhepunkten der Schau zählen Monumente aus den wichtigsten Etappen der Menschheitsgeschichte, wie die spektakulären, weltweit frühesten Menschenplastiken aus Ain Ghazal aus dem 8. Jahrtausend v. Chr. Die jungsteinzeitlichen Bewohner verehrten ihre Verstorbenen als Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der Toten, formten sie überlebensgroß aus Gips und stellten sie in ihren Versammlungsräumen auf. Eingeschlossen im Felsenmeer der peträischen Berge lagen Dörfer wie Ba´ja mit Pueblo-artigen Dorfanlagen. Der Ort ist nur durch steile Schluchten zu erreichen, was im 7. vorchristlichen Jahrtausend eine ausgeklügelte Wirtschafts- und Wasserbevorratung erforderte. Hier wurde auch erstmals Arbeitsteilung betrieben, schufen produzierte Konsumgüter und Fernhandel soziale Unterschiede. Eine regelrechte Handels-Drehscheibe bildeten schließlich im 4. Jahrtausend Siedlungen aus dem Gebiet um Aqaba, deren Bewohner auf den Erwerb von Rohmaterial, dessen Weiterverarbeitung und überregionalen Vertrieb spezialisiert waren.

Beliebtestes Ziel des heutigen Jordanientouristen ­ und Herzstück der Ausstellung ­ ist Petra (griechisch für Fels), die Königsstadt der Nabatäer. Die Landschaft Petras wirkt wie die Kulisse einer gigantischen Nekropole (griechisch Nekropolis, »Totenstadt«), doch in seiner Blütezeit gehörte der Ort zu den lebhaftesten Handelsstädten des Nahen Ostens, die den Warenverkehr zwischen Südarabien und den Mittelmeerländern kontrollierten. Beladen mit Weihrauch, Myrrhe und Balsam zogen die Karawanen der arabischen Beduinen an den Felsfassaden der Königsgräber vorbei. Iris und Weihrauch dienten als Räuchermittel im religiösen Kontext, aber auch als Duftstoffe desinfizierender Wundsalben für die Lebenden und konservierende Balsame für die Toten. Hoch geschätzt war Olibanum, der Weihrauch, ein Gummiharz des aus dem südarabischen Hadramaut stammenden Bäumchens Boswellia carteri (Burseraceae), das nach Einschnitten in den Ästen als milchweiße Emulsion ausfließt. An der Luft erstarrt das Ausscheidungsprodukt zu gelbbraunen Tropfen und wurde auch als Heilmittel verwendet.

Auf Grund seiner mannigfaltigen Oberflächenformen verfügt das Land über unterschiedliche Klimata, die Pflanzengesellschaften in großer Vielfalt gedeihen lassen. Unter den farbenprächtigen Frühlingsblühern wählte sich Jordanien eine dunkelviolette Iris-Art, die so genannte schwarze Iris, zur Nationalblume.

Die Ausstellung präsentiert Jordanien nicht zuletzt als Touristenziel, das die Welt einlädt, an seinen Schätzen teilzuhaben. »10.000 Jahre Kunst und Kultur aus Jordanien. Gesichter des Orients« ist noch bis zum 21. August 2005 in der Kunsthalle Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, zu sehen. Infos: www.kah-bonn.de.

 

Dr. Gisela Stiehler-Alegria ist Apothekerin und Archäologin. Bis heute macht sie Vertretungen in Apotheken und arbeitet dort als Teilzeitkraft. Sie wurde jedoch im Fach Archäologie promoviert und arbeitet wissenschaftlich mit den Schwerpunkten antike Pharmakopoen und Pflanzenmonographien.

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