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100 Jahre Deutsche Apotheker- und Ärztebank

15.07.2002
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100 Jahre Deutsche Apotheker- und Ärztebank

von Erdmuthe Arnold, Düsseldorf

Zu einem Fest lud die Deutsche Apotheker- und Ärztebank die Prominenz der Heilberufe ein. Denn sie kann in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Es waren Apotheker, die am 5. Dezember 1902 in Danzig durch ihren Beitritt in einen pharmazeutischen Kreditverein die Weichen für die Gründung stellten.

Die von Professor Dr. rer. pol. h.c. J. F. Volrad Deneke verfasste, 222 Seiten umfassende Festschrift „Deutsche Apotheker- und Ärztebank 100 Jahre“ gibt darüber Auskunft. Bereits lange vorher, nämlich 1871, wurden in der Pharmazeutischen Zeitung (Nummern 91 und 92) die Pro- und Gegenargumente einer pharmazeutischen Genossenschafts- oder Hypothekenbank diskutiert und damals negativ beurteilt. Ein neuer Anlauf des Apothekers Richard Mattern aus Danzig-Langfuhr brachte den Erfolg. Auf seine Initiative wurde am 19. Dezember 1902 der „Kredit-Verein Deutscher Apotheker – Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht (KREDA)“ gegründet. Mattern hatte dafür in einem Beitrag „Pharmaceutische Kreditgenossenschaft“ in Nummer 93 der Pharmaceutischen Zeitung vom 19. November 1902 die Werbetrommel gerührt. Sein Vorbild war der von Amtsrichter Schulze in Delitzsch gegründete Vorschussverein auf Gegenseitigkeit. Die Redaktionsleitung nahm dies übrigens zum Anlass, in einem Nachsatz auf die frühere negative Bewertung hinzuweisen. Matterns Idee „der Hilfe zur Selbsthilfe“ setzte sich durch und hatte Bestand. Die Nachfolgerin ist heute ein florierendes und anerkanntes Bankunternehmen.

Die KREDA fusionierte 1938/39 mit der 1908 gegründeten Spar- und Kreditgenossenschaft Deutscher Apotheker eGmbH (SPARDA) zur Deutschen Apothekerbank eGmbH. Die ersten Jahre nach der Fusion waren schwierig. Markant sanken die Geschäftsguthaben im Jahr 1939, da durch einen Erlass vom 12. November 1938 kein Jude mehr der Genossenschaft angehören durfte. Auf Beschluss der Militärregierung wurde die Bank mit Sitz in Berlin 1945 ein ruhendes Unternehmen.

Wiederum waren es Apotheker, zuvörderst Pharmazierat Otto Andernach, die die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Mitglieder der Deutschen Apothekerbank am 16. Juli 1948 zu einer Versammlung einluden. Sie beschlossen die Verlegung des Firmensitzes nach Westdeutschland und gründeten die Westdeutsche Apothekerbank eGmbH in Düsseldorf. Von vornherein war dabei geplant, alle akademischen Heilberufe einschließlich ihrer Förderer als Mitglieder willkommen zu heißen. Nach der Genehmigung der Bank durch den Finanzminister beschloss der Bankvorstand offiziell die Ausdehnung der Geschäftstätigkeit. Dem Firmennamen wird 1950 daher der Zusatz „Bank für das Gesundheitswesen“ zugefügt.

Der kontinuierliche Aufbau eines Filialnetzes begann 1955 nach der Fusion mit der Deutschen Apothekerbank Berlin und dem Aufbau einer Filiale in Stuttgart. Trotz intensiver Bemühungen gelang es erst 1957, die Namensänderung in „Deutsche Apotheker- und Ärztebank eGmbH“ durchzusetzen. Heute verfügt die Institution über 48 Filialen und ist in die Regionen Nord, Ost, West, Mitte und Süd aufgeteilt.

Festakt in der Düsseldorfer Oper

Lange Jahre residierte die APO-Bank in der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf, genau gegenüber der Düsseldorfer Oper. Oberbürgermeister Joachim Erwin bezeichnete es daher als „sehr passend“, dass die Jubiläumsfeier im Düsseldorfer Opernhaus abgehalten wurde. Denn nach den verschiedenen Festreden konnten die Teilnehmer mit viel Genuss und Gelächter das „Dramma giocoso per musica in due atti - L’italiana in Algeri“ von Gioacchino Rossini erleben.

Erwin würdigte die APO-Bank als die seit 1974 größte genossenschaftliche Primärbank, die seit 1978 an der Rheinisch-Westfälischen Börse in Düsseldorf präsent ist und 2001 die beeindruckende Bilanzsumme von 20,75 Milliarden Euro erreicht hat. „Die Männer, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Geschicke ihrer Bank lenkten und den Grundstein für ihren Erfolg legten, haben dadurch auch dazu beigetragen, den Ruf Düsseldorfs als eines der führenden Finanzzentren der Bundesrepublik zu begründen und zu festigen“, stellte Erwin heraus. Mit Genugtuung registrierte er auch, dass die Bank in diesem Jahr den Grundstein für einen repräsentativen Neubau der Hauptverwaltung in der Oberlöriccker Straße gelegt hat und der Stadt damit die Treue hält.

Der Sprecher des Bankvorstands Werner Wimmer hatte zuvor die illustre Gesellschaft begrüßt. Er gab den Heilberuflern namens seiner Vorstandskollegen Gerhard K. Girner, Jürgen Helf, Günter Preuß und Werner Albert Schuster das Versprechen: „Wir werden das neue Jahrhundert mit so viel Tatendrang angehen, dass wir alle unsere Vorsätze, Strategien und Pläne realisieren.“ So wollen sie den unausweichlichen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft als Aufgabe verstehen, den Wandlungsprozess im Gesundheitswesen als Bank und als Partner kompetent unterstützen, den Service ständig verbessern und die Marktposition festigen und ausweiten. Im Blick hat der Vorstand den „kleinen Kosmos APO-Bank“, der zusammen mit den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für seine Bankkunden beratender und kompetenter Ansprechpartner ist.

Plattform für alle Heilberufe

Wimmer sprach damit auch das Angebot seiner Bank an, eine Plattform für alle Heilberufe zu bilden, um im Gesundheitswesen mit einer Stimme vertreten zu sein.

Im Namen der Apotheker, Zahnärzte, Tierärzte und der deutschen Ärzteschaft überbrachte der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Glückwünsche. Er dankte den früheren Vorständen und Mitarbeitern sowie dem heute agierenden Vorstand und den jetzt tätigen Mitarbeitern herzlich für die partnerschaftliche Zusammenarbeit und Begleitung. Er wünschte der Bank als Institution weitere so erfolgreiche und sinnvolle 100 Jahre.

Schaue man in die langjährige Geschichte der Bank, dann gebe es überhaupt kein Grund, ihre Existenz als einen typischen Luxus der akademischen Heilberufler zu bezeichnen. Die Existenz sei vielmehr von Anfang an und heute ganz besonders „im echten Sinn des Wortes notwendig“, so Hoppe, „um Not zu wenden oder aber entstehende Not rechtzeitig abzuwenden, wenn existenzgründungswillige Heilberufler den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollen oder aber bei diesem Wagnis in Turbulenzen geraten sind. Dann ist sie eine feste Bank für uns Heilberufler und unsere Organisationen.“

Nicht zu übertreffen sei die außergewöhnliche Beratungskompetenz, das über Jahrzehnte gewachsene berufsspezifische Know-how und die ständige Überwachung der wirtschaftlichen Situation der Heilberufler. Hoppe: „Alles zusammen sind das Pfunde, mit dem die APO-Bank wuchern kann.“

Positiv bewertete er die Beratung und Förderung moderner Kooperationsformen im Gesundheitswesen, die Gründung der Netzakademie und die Realisierung von sicheren Informationstechnologien für Vernetzungen aller Art. Hoppe begrüßte die Initiative des Vorstands, „um in politischen Aktivitäten katalysatorische Wirkungen zu entfalten mit dem Ziel, ein freiheitliches Gesundheitswesen aufrecht zu erhalten“. Dies habe bereits dazu geführt, dass sich Apotheker, Zahnärzte und Ärzte zu einer Berufe übergreifenden Diskussionsrunde zusammengefunden und gemeinsam sich auf eine Stellungnahme „Sieben Schritte auf dem Weg zu einer Gesundheitsreform“ geeinigt haben. Mit großem Erfolg sei diese seinerzeit in der Bundespressekonferenz vorgestellt worden (PZ 16/02, Seite 18). Gemeinsam habe man sich rechtzeitig vor der Bundestagswahl in die politische Auseinandersetzung um die Fortentwicklung des Gesundheitswesens eingeklinkt und Flagge gezeigt.

Hoppe, der sich gerade in den Aufsichtsrat der Bank wählen ließ, empfahl abschließend: „Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank mit ihrer umfassenden Dienstleistungsfunktion ist eine unentbehrliche Mitbeteiligte bei der Gestaltung und Operationalisierung unseres Gesundheitswesen. Nicht nur aus rationaler, sondern auch aus emotionaler Überzeugung plädiere ich dafür, dass wir uns selbst in die erfolgreiche Arbeit dieser Bank einbringen und so der Bank nützen, damit sie uns nützt.“

Schriftliche Grußworte lagen auch von Ministerpräsident Wolfgang Clement vor, der seine Teilnahme kurzfristig absagen musste, die APO-Bank aber als bedeutende Körperschaft und Gewerbesteuerzahler wertschätzt. Clement hat durchaus registriert, dass die Bank sich öffentlich in die gesundheitspolitische Reformdebatte eingeschaltet hat. Er sei sich mit Professor Hoppe einig, dass die Ökonomie nicht dominieren dürfe. Doch würden ohne weitergehende ökonomische Anreize die Vorteile des Gesundheitssystems aufs Spiel gesetzt. Im gesamten Gesundheitswesen werde mehr Wettbewerb um medizinische Qualität und Wirtschaftlichkeit gebraucht. Alle Patienten seien auf eine bestmögliche Gesundheitsversorgung angewiesen. „Deshalb brauchen wir eine Reform, die das Kunststück zuwege bringt, mehr Wettbewerb im Rahmen unserer solidarischen Ordnung zu schaffen“, wirbt Clement.

Reformfähigkeit habe die APO-Bank im Übrigen immer wieder bewiesen. So durch die Gründung der Betriebskrankenkasse für Heilberufe, die innerhalb von vier Jahren über 1000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Oder durch die Allianz, die sie Ende 2001 mit Bertelsmann Springer Medizin Online einging, um sowohl für die Heilberufe als auch die Patienten und Verbraucher ein bedeutendes deutschsprachiges medizinisches Angebot im Internet zu schaffen.

„In der einhundertjährigen Geschichte der Deutschen Apotheker- und Ärztebank sind Hippokrates, Äskulap und der bankbetriebliche ‘Geist der Rechenhaftigkeit‘ eine höchst gelungene Symbiose eingegangen“, lobt Clement und gab sich für ein langes Fortbestehen des Erfolgs zuversichtlich. Top

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