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Viele Fragen und noch mehr Antworten

09.06.2003  00:00 Uhr
Kinder-Uni

Viele Fragen und noch mehr Antworten

von Ulrike Abel-Wanek, Eschborn

Warum Vulkane Feuer speien, warum man über Witze lachen muss oder die Dinosaurier ausgestorben sind, erfuhren hunderte von Kindern im letzen Jahr an der ersten Tübinger Kinder-Uni. Die Veranstaltung war ein Riesenerfolg und wurde in diesem Sommersemester wiederholt. Die Hörsäle der Eberhard Karl-Universität hielten dem Ansturm der neugierigen 8- bis 14-Jährigen kaum stand.

Insgesamt acht Warum-Fragen werden die Tübinger Professoren bis zur letzten Vorlesung am 1. Juli beantwortet haben. Nobelpreisträgerin Professor Dr. Christiane Nüsslein-Volhard machte Ende April den Anfang mit: Warum darf man Menschen nicht klonen? Die Professoren, die auf ein Honorar für diese Veranstaltungen verzichten, erklären spannende Phänomene aus ihren Fachgebieten. Ein Mediziner beantwortete die Frage: Warum haben wir einen kleinen Mann im Ohr? Von einer Archäologin konnte man erfahren, warum griechische Statuen immer nackt sind und ein Biologe erläuterte, warum Pflanzen wachsen. Warum wir träumen, versuchte ein Psychiater den wissbegierigen Kindern deutlich zu machen.

Nicht immer fallen die elterlichen Antworten auf die zahllosen kindlichen Warum-Fragen zur vollsten Zufriedenheit des Nachwuchses aus. Hier können die Spezialisten helfen.

 

Vorlesungen noch bis 1. Juli 2003 Alle Veranstaltungen beginnen um 17 Uhr c.t.
  • 17. Juni, Warum bin ich? Professor Dr. Manfred Frank, Philosophisches Seminar
  • 24. Juni, Warum dürfen Kinder weniger als Erwachsene? Professor Dr. Eduard Picker, Juristische Fakultät
  • 1. Juli, Warum fallen die Sterne nicht vom Himmel? Professor Dr. Klaus Werner, Institut für Astronomie und Astrophysik

 

Professor Dr. Gregor Markl vom Tübinger Institut für Geowissenschaften beobachtete unbändige Lust am Lernen und wirkliches Interesse am Thema bei seinen jungen Zuhörern. Die rege Aufmerksamkeit sei kein Ausdruck eines durch PISA geförderten schlechten Gewissens bei Eltern, ihren Kindern zu wenig Bildung zukommen zu lassen. Attraktiv sei es, von einem „leibhaftigen“ Professor fundiert etwas erklärt zu bekommen. Dahinter stehe der Wunsch, ernst genommen zu werden und ein Terrain kennen zu lernen, das sonst nur Erwachsenen vorbehalten sei. Markl hielt die Eröffnungsvorlesung der ersten Kinder-Uni 2002. Noch Wochen nach der Veranstaltung wurde er von Eltern und Kindern auf der Straße angesprochen, zweimal luden ihn Grundschulen ein, erneut aus seinem Fachgebiet, den Vulkanen, zu referieren.

Trotz des überzeugenden Erfolgs der Kinder-Uni plädiert Markl weiterhin für eine strikte Trennung zwischen Hochschule und Schule. Die Kinder-Uni sei kein Ersatz für den Unterricht, sondern eine eigene Veranstaltung, ähnlich dem Studium Generale. Nicht im Sinne von Eltern und Lehrern könne es sein, den Eindruck entstehen zu lassen, wirklich kompetente Antworten bekäme man heutzutage nur noch von „Experten“. In den Medien würden sie bereits für Alltägliches herangezogen, damit bestimmte Sachverhalte glaubwürdiger erscheinen, obwohl gesunder Menschenverstand eigentlich ausreichend wäre. Nicht in Frage stellte Markl damit die Tatsache, dass es komplexe Spezialgebiete gibt, die tatsächlich nur von wenigen Experten verstanden werden können.

Die Aufgabe von Hochschullehrern liege jedoch weiterhin in der Ausbildung von Studenten und hochkarätiger, wissenschaftlicher und publizierbarer Forschung. Auch die aus der Not knapper Studentenzahlen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften geborene Vernetzung von Hochschule und Schule der letzten Jahre täusche nicht über diesen Auftrag hinweg.

Auf der anderen Seite wecken gerade Projekte wie die Kinder-Uni oder auch die NatWorking-Programme der Robert-Bosch-Stiftung Verständnis für die Hochschularbeit und die Notwendigkeit von Wissenschaft. Deshalb seien sie uneingeschränkt positiv zu bewerten. Die Kinder-Uni sei für Hochschullehrer darüber hinaus eine wunderbare Chance, spannende Themen aus verschiedenen Sachgebieten einer Zuhörerschaft zu präsentieren, die an Neugier kaum zu überbieten sei.

 

Eine Idee breitet sich aus Professoren und Kinder zusammenzubringen, stößt auch in anderen Ländern auf große Resonanz. In Rom öffnete unter Beteiligung der Tübinger Professoren die erste italienische Kinder-Uni. In Vorbereitung sind unter anderem Veranstaltungen in Basel und Stuttgart. Die Journalisten Ulrich Janssen und Ulla Steuernagel hatten 2002 die Idee, Vorlesungen auch Kindern anzubieten. Jetzt präsentieren sie die Kinder-Uni jetzt als Buch.

In dem unterhaltsamen und gelehrten Wissensbuch findet man verständliche Antworten auf Fragen, die manche Forscher ein ganzes Leben lang beschäftigen. Fast jede Seite ist phantasievoll illustriert. Farbige kleine Kästen und Schriften am Seitenrand stellen berühmte Wissenschaftler und ihre Entdeckungen vor oder fassen den Text noch einmal zusammen.

Leicht verständliche Antworten gibt das Buch zum Beispiel auf die schwierigen Fragen: Warum gibt es Arme und Reiche? Warum müssen Menschen sterben? Warum stammt der Mensch vom Affen ab? Warum beten Muslime auf dem Teppich? Besonders interessant für Kinder ist die Experten-Antwort auf die Frage, warum Schule doof ist.

Zum Schluss werden die Wissenschaftler und ihre Fachgebiete – vom Urgeschichtler bis zum Wirtschaftswissenschaftler – noch einmal genau vorgestellt und einige Begriffe der „Universitätssprache“ erklärt.

Die Kinder-Uni – Forscher erklären die Rätsel der Welt. 224 Seiten, Halbleinen, 19,90 Euro. DVA Stuttgart, München 2003. ISBN 3-421-05695-1. Top

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