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Primeln statt Panzer

23.04.2001
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BUGA 2001

Primeln statt Panzer

von Stephanie Czajka, Potsdam

Keiner kann behaupten, Potsdam sei eine Stadt ohne Gärten. Die 142.000 Einwohner der Stadt konnten bislang im 293 Hektar großen Park Sanssouci, im Neuen Garten (142 Hektar) um Schloss Cecilienhof oder im Babelsberger Schlosspark (146 Hektar) flanieren - um nur die wichtigsten Grünanlagen zu nennen. Da scheint der neue 73 Hektar große Park auf einem alten Truppenübungsplatz nicht weiter aufzufallen. Doch die Stadtväter sind glücklich - am Wochenende wurde in Potsdam  die 26. Bundesgartenschau (BUGA) eröffnet.

Gerade weil in Potsdam diese über 250 Jahre alten Gartenlandschaften liegen, hielten viele die BUGA für überflüssig. An warnenden Stimmen habe es nicht gefehlt, sagte Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck auf der Eröffnungspressekonferenz. Er sei aber froh, dass sein Vorgänger "mit viel Mut" diese Chance ergriffen habe. Gut sei insbesondere, dass erstmals in 50 Jahren BUGA-Geschichte ein dezentrales Konzept verwirklicht wurde.

Neben dem neuen BUGA-Park im Bornstedter Feld gehören drei weitere Flächen zum Ausstellungsgelände: Teile der historischen Innenstadt, Ufer- und Inselflächen am Zusammenfluss von Havel und Nuthe und die "Feldflur", Ackerland auf dem die BUGA die Pläne des Gartenkünstlers Peter Josef Lennés realisiert, landwirtschaftlich genutztes Gelände in die Potsdamer Parklandschaft zu integrieren.

Potsdam hat dank der BUGA seine Stadtentwicklung wesentlich vorangebracht. "Wer mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Stadt geht, kann sehen, dass sie seit 1995 einen Riesensprung gemacht hat", sagte Platzeck. Neben den bisher verbauten und vergrabenen 240 Millionen Mark für die BUGA selbst, haben sechs Potsdamer Wohnungsunternehmen im Rahmen des Projektes "Stadtspuren" weitere 730 Millionen Mark investiert um insbesondere Plattenbauten und deren Umfeld zu verschönern.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg wird die Aussichtspunkte auf dem Pfingst-, Klaus- und Ruinenberg wieder eröffnen. Auch viele Gemeinden um Potsdam schlossen sich "der BUGA-Bewegung" an, sagte Platzeck.

Der eigentliche BUGA-Park wird am Ende der Schau zum Volkspark. Hier darf man unter anderem Grillen, Rollerbladen und Ballspielen, was sich in den - teilweise zum Weltkulturerbe gehörenden - historischen Gärten verbietet. Doch bis Anfang Oktober heißt es auch dort: flanieren und Pflanzen bewundern.

In die Gestaltung des Parks wurde die militärische Vergangenheit des Geländes aufgenommen. Noch bis 1994 standen Panzer auf dem 250 Jahre alten Exerzierplatz. Vier Wall-Karrees, einst aufgeschüttet um militärische Fahrzeuge zu tarnen, wurden mit wildem Wein, Salbei, Lavendel und Gras bepflanzt. Wege, die an Schützengräben erinnern, erlauben einen Ausblick auf das Gelände.

Wälle als Gestaltungselement wurden auch in die "Biosphäre" übernommen. Hierbei handelt es sich um ein Gewächshaus, 72 Meter breit und 201 Meter lang mit einer lichten Höhe von 18 Metern. Der Bau wurde teilweise acht Meter tief in die Erde versenkt, so dass er von außen nicht so gewaltig wirkt. Beide Längswände werden von begrünten Wällen flankiert. An den 45 Grad steilen Hängen sitzen die Pflanzen in Filztaschen, jede mit eigenem Bewässerungsschlauch. Sie können so ohne große Mühe versorgt werden. Teilbereiche der übrigen Halle werden nahezu wöchentlich umgestaltet.

Auf den Freiflächen verstreut sind Gartenanlagen zu verschiedenen Themen: Es gibt Gehölze, Steingärten, Kleingärten, Naturgärten, Felder mit nachwachsenden Rohstoffen, einen kleinen Gesundheitsgarten (mit Führungen von Brandenburger Apothekern), eine Lehrbaustelle zum Mitmachen, Prachtstauden, Gartenbeispiele aus den vergangenen fünf Jahrzehnten und vieles mehr. Nicht zu vergessen Rhododendren und Rosen. 13.000 Rosen (200 Sorten) wurden gepflanzt, die Beete sind teils nach Farben, teils nach Themen, zum Beispiel "Duft" oder "Städtenamen", angelegt. 39 Rosen wurden für die BUGA neu gezüchtet.

Erholung bietet die "Pflanzbar", einem preisgekrönten Entwurf zweier Studenten der Technischen Universität Berlin. Um eine Bar aus geschnittenem Buchsbaum liegen etwas erhöht Beete, die dem farbigen Erscheinungsbild von Cocktails nachempfunden sind. Die Zusammenstellung der Pflanzen soll "die Sinne erfrischen und die Besucher in einen regelrechten Rausch versetzen".

Noch verhindert allerdings ein eisiger Wind jegliches Rauschgefühl. Wer weiter entfernt wohnt, sollte mit einem BUGA-Besuch lieber noch etwas warten. Selbst die Tulpen wollten nicht nach sieben Wochen Regen und Schnee zur Eröffnungsfeier blühen.

Informationen zur BUGA 
über www.buga2001.de, E-Mail: service@bugapotsdam2001.de oder Telefon: (0 18 05) 77 75 50.

 

 

Fritz der Froschkönig Dass nun Fritz mit Frosch eine Alliteration ergibt, hätte passender nicht sein können. Vielleicht ist das der heimliche Grund dafür, dass zur BUGA in Potsdam, der Stadt des Alten Fritz und vieler anderer Friedriche, der Froschkönig Fritz das Rennen als Maskottchen machte und nicht zum Beispiel das zweitplatzierte Apfelmännchen. Das BUGA-Maskottchen ist aus einem Schüler-Malwettbewerb hervorgegangen, an dem 17 Schulen mit 241 Zeichnungen teilgenommen hatten. Mit 15 Einsendungen war dieses Motiv der Favorit der Schüler. Doch auch andere Gründe sprachen für den Froschkönig: Residenzstädte wie Potsdam brauchen Könige, Froschkönige - insbesondere, wenn sie wie Potsdam am Wasser liegen. Für Gärtner gelten Frösche als Nützlinge und schließlich, so eine Pressemitteilung, geht es im Märchen vom Froschkönig um "die Wandlung von etwas Hässlichem" (wie einem Truppenübungsplatz) "zu etwas Wunderschönem" (wie dem BUGA-Park).

 

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