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Keine Lust auf Doris Day

19.02.2001
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KINDERFERNSEHEN

Keine Lust auf Doris Day

von Ulrike Abel-Wanek, Frankfurt am Main

Kinder mögen Fernsehen. Mindestens ein Drittel ihrer Freizeit verbringen sie vor der Glotze. Die neue Zeitschrift Flimmo nimmt Sendungen unter die Lupe, die Drei- bis Dreizehnjährige gerne sehen und gibt Eltern und Erziehenden einen Leitfaden an die Hand, der auch in Apotheken und Arztpraxen ausgelegt werden kann. 

Dem Heft geht es nicht um TV-Kritik und um so genannte gute oder schlechte Sendungen. Die "Droge im Wohnzimmer" ist heute zu einer Tatsache in fast jedem Kinderzimmer geworden. Flimmo betrachtet die Programme aus der Perspektive der Kids. Was bringt sie zum Lachen, macht sie traurig oder verwirrt und erschreckt sie? Erwachsene, die sich noch um die Wirkung des Fernsehkonsums sorgen, sollen unterstützt werden, das Richtige für ihren Nachwuchs auszuwählen. Entscheidend sind dafür die drei Kriterien: "Kinder finden's prima", "Sendungen mit Ecken und Kanten" und "für Kinder schwer verdaulich". Alle aktuellen Programmangebote von A wie Abenteuer Leben bis Z wie Zorro finden sich alpabetisch geordnet im Registerteil einschließlich kurzen Inhaltsbeschreibungen und Hinweisen, was Kinder an dem Angebot fasziniert. Berücksichtigt werden alle relevanten Sendungen aus ARD und ZDF und den wichtigsten Privaten.

Western sind von gestern

Das finden laut Flimmo jedenfalls Kinder von heute. Anstatt sich langatmige Schusswechsel in der Ödnis der Prärie zu liefern, kämpfen moderne Helden lieber in den Straßen von New York oder in den fernen Galaxien des Weltraums. Aus der Traum auch vom gemütlichen Familien-Fernsehabend mit Doris Day und Rock Hudson oder Walther Matthau und Jack Lemmon. Ein "Pyjama für zwei" zieht Kinder nicht mehr an und rangiert im wahrsten Sinne des Wortes unter "ferner liefen". Fernsehen "ohne uns" auch im Vorabendprogramm mit zu viel heiler Welt. Die schlichte Harmonie eines "Forsthaus Falkenau" ist den Kids laut Flimmo einfach zu dröge, ganz zu schweigen von Beziehungsproblemen Erwachsener oder Single-Geschichten.

Prima finden Kinder Sendungen, die Spaß und Spannung vermitteln, die Fantasie anregen und Identifikationsmöglichkeiten bieten. Nicht immer entsprechen sie dem Geschmack der Erwachsenen. Die Kategorie "Kinder finden's prima" zeigt auf einer Altersskala, welche Gruppe sich von welchen Geschichten besonders angesprochen fühlt. "Mit Ecken und Kanten" bezeichnet Flimmo Programmangebote, die Heranwachsende zwar mögen, aber nicht unbedingt verarbeiten. Problematisch sind unter anderem Verharmlosung von Gewalt, die Vermittlung eines negativen Welt- und Menschenbildes oder die Dominanz von Rollenklischees. Als "schwer verdaulich" gelten Fernsehangebote, die die jungen Zuschauer emotional belasten. Von Unerklärlichem, Grausamkeiten und Katastrophen, vor allem, wenn sie realistisch dargestellt werden, distanzieren sich Kinder nur schwer und übertragen sie ins eigene Lebensumfeld. Ein "Tatort" mit der Darstellung realitätsnaher Gewalt kann ihnen ebenso zu schaffen machen wie Akte X oder die blutigen Notfälle von Emergency Room. Nach solchen Sendungen brauchen sie Zuwendung und Erklärungen, um das Gesehene richtig einzuordnen.

Welche Rolle beispielsweise Fernsehhelden für Kinder spielen, ob sie sich schon für Talkshows und Nachrichten interessieren beantwortet die Zeitschrift auf den Seiten "Rund ums Fernsehen". Hier gibt es Tipps zur Fernseherziehung und zur Verarbeitung der kindlichen Erlebnisse und informative Exkursionen in die Fernsehgeschichte.

Herausgeber des Leitfadens ist der Verein Programmberatung für Eltern e.V. Mitglieder sind die Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie in Bensheim, das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk und die 13 Landesmedienanstalten der Bundesländer. Sie sind für die Aufsicht privater Hörfunk- und Fernsehanbieter zuständig und sorgen unter anderem für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags. Da Kontrolle allein jedoch nicht genügt, sind Projekte zur Vermittlung von Medienkompetenz seit vielen Jahren ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Der Flimmo ist zurzeit das größte gemeinsame medienpädagogische Unternehmen.

Die Broschüre erscheint dreimal im Jahr und wird bundesweit kostenlos an Kindergärten, Schulen, Gemeinden, Beratungsstellen, Arztpraxen und auch Apotheken vergeben. Darüber hinaus bietet Flimmo online 14-tägig aktualisierte Informationen zum Thema. Unter www.flimmo.de werden neben den regelmäßigen Sendungen auch Spielfilme und Dokumentationen besprochen. Top

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