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Kunst auf Rezept

21.01.2002  00:00 Uhr

Kunst auf Rezept

von Ulrike Abel-Wanek, Eschborn

Dreimal täglich: malen. Einen Blick in das Grenzgebiet zwischen Kunst und Medizin wirft eine Wanderausstellung, die der Herforder Kunstverein ab 9. Februar zeigt. Die Exponate: ungültige schwarz-weiße Kassenrezepte, die künstlerisch "wiederbelebt" wurden von Vertretern der zeitgenössischen Kunstszene - von Marina Abramovic über Christo und Jeanne Claude bis Günther Uecker.

Die Idee zur Ausstellung stammt von dem Kölner Mediziner und Kunstsammler Hartmut Kraft. Der Psychoanalytiker und Nervenarzt, der nur selten Rezepte ausstellte, hatte noch einen Block mit fast tausend ungebrauchten Formularen im Schrank. "Name des Patienten", "Wohnung", "Arbeitgeber", "Krankenkasse" - im Unterschied zum leeren Blatt war hier der eindeutige Bezug zu Medizin und Pharmazie gegeben. "Auf einem umfangreich vorstrukturierten und inhaltlich aufgeladenen Papier zu arbeiten - wäre dies ein Anreiz zur künstlerischen Auseinandersetzung oder eher ein Hindernis?", so Kraft im Vorwort des Ausstellungskatalogs.

Zusammen mit seinem Buch "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie", 1998 neu aufgelegt im DuMont Buchverlag, verschickte Kraft die Rezeptformulare und lud insgesamt 240 Künstlerinnen und Künstler dazu ein, sein Projekt mit einem Beitrag zu unterstützen. Zurück kamen 162 Antworten - von den einzelnen Künstlern ganz unterschiedlich umgesetzt. Neben den erwarteten Zeichnungen und Malereien erreichten auch Objekte, Skulpturen, Großfotos und ein Video den von der breiten Resonanz überraschten Initiator.

Der durch seine Nagelobjekte bekannt gewordene Günther Uecker zum Beispiel durchbohrt und verbindet das Papierformular, Robert Gernhard von der "Neuen Frankfurter Schule" karikiert die Medikation und empfiehlt Humor als die beste Medizin. An die uralte Überzeugung, dass Kunstwerke heilend wirken, knüpft Heinz Zolper an: Er überträgt das Rezept in ein farbiges Bild und verordnet "sechsmal täglich einige Augenblicke".

Zu sehen sind die Kunstrezepte vom 9. Februar bis 30. März im Daniel-Pöppelmann-Haus in Herford, von Ende April bis Mitte Juni in der Städtischen Galerie Sohle I in Bergkamen, vom 30. Juni bis 1. September im Städtischen Museum Zwickau, vom 8. September bis 3. November im Ausstellungsforum Oranienstraße des Siegerlandmuseums, Siegen.

Weitere Informationen bei Hartmut Kraft, Telefon (02234) 7 05 82,
Fax 70 97 89.

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