Pharmazeutische Zeitung online

Zum Jahreswechsel

16.12.2002
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Zum Jahreswechsel

Ihnen in diesem Jahr ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2003 zu wünschen, scheint vor dem Hintergrund des Vorschaltgesetzes und dessen wirtschaftlichen Auswirkungen unangebracht.

Wie viele Leserbriefe zeigen, bestimmen Unsicherheit und Angst gepaart mit Wut die Gemütslage der meisten Apothekerinnen und Apotheker. Sie lassen keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Immer wieder wird auch der Standesführung vorgeworfen, sie hätte nicht aggressiv genug die Interessen der Apothekerschaft vertreten, sie hätte keinen Zugang zum verantwortlichen Ministerium gehabt.

Wer einen Blick in die Terminkalender der haupt- und ehrenamtlichen Standesvertreter wirft, wird schnell zu einem anderen Urteil kommen. Unsere Standesführung hat jede Gesprächsmöglichkeit mit dem Ministerium, mit Bundestagsabgeordneten und den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses wahrgenommen. Auch auf der Länderebene waren die Berufsvertreter äußerst aktiv. Sie haben die Interessen der Apothekerschaft mit Nachdruck vertreten. Nicht ohne Erfolg, denn einige Korrekturen konnten durchgesetzt werden. Ein Ziel war allerdings von vornherein nicht realistisch: den Willen der rot-grünen Regierung, das System zu verändern, zu kippen. Auch ist es nicht gelungen, Abgeordnete der Grünen oder der SPD, die im Einzelgespräch Verständnis für die Sorgen der Apotheker hatten, aus der Fraktions- und Parteiendisziplin heraus zu brechen. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Bundesrepublik Deutschland zu einem von Parteien dominierten Staat geworden ist, in dem nicht mehr gilt, dass jeder Abgeordnete primär seinem Gewissen verpflichtet ist. Auch, wenn dies im Grundgesetz steht.

Wer Kritik an der Standesführung äußert, sollte bedenken, dass selbst diejenigen Vertreter, die von sich behaupten, der SPD nahe zu stehen und Zugang zu den sozialdemokratischen Meinungsbildnern zu haben, das Vorschaltgesetz nicht verhindern konnten.

Über eines muss man sich klar sein: Das Vorschaltgesetz ist nur der Einstieg in die Veränderung. Die große Reform soll 2003 folgen, und damit erst wird der Systemwechsel eingeleitet werden. Ulla Schmidt hat offensichtlich schon Vorstellungen, die unter anderem das bewährte Apothekensystem verändern werden. Die Rürup-Kommission wird dies weder verhindern können noch wollen. Vom „Runden Tisch“, der im Konsens Vorstellungen für ein zukünftiges Gesundheitswesen entwickeln sollte, spricht heute niemand mehr. Er war eine reine Alibi-Veranstaltung. Ein ähnliches Schicksal droht der Rürup-Kommission, denn über die Inhalte dieser Kommission ist in anderen Gremien schon längst geredet worden. Ich erinnere nur an die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages aus der letzten Legislaturperiode zur demographischen Entwicklung in Deutschland, die sich auch mit den Auswirkungen der Überalterung der Bevölkerung auf das Renten- und Gesundheitssystem auseinander gesetzt hat. Ein dickes Buch liegt bei allen Politikern auf dem Tisch. Nur gelesen hat es offensichtlich niemand, denn dann würde sich eine Rürup-Kommission erübrigen.

Die Apothekerschaft muss in die Reformdebatte mit eigenen Vorschlägen einsteigen. Vorschläge wie das Hausapotheken-Konzept aus Niedersachsen, das auf eine Kompetenzerweiterung der Apotheker setzt, haben den Vorteil, schon zusammen mit Krankenkassen in eine vertragliche Form gegossen worden zu sein. Es hat inzwischen auch auf der politischen Seite Fürsprecher.

Mit solchen, auf fachlicher Kompetenz aufbauenden Konzepten sollte es gelingen, den Sicherstellungsauftrag für die Arzneimittelversorgung bei den Apotheken und den Apotheker als freien Beruf zu erhalten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen über Weihnachten einige Tage Ruhe und für 2003 neue Perspektiven. Es wird kein leichtes Jahr für den Berufsstand, es ist aber noch nicht alles verloren. Die Pharmazeutische Zeitung wird Sie auch 2003 in gewohnter Weise aktuell über die Entwicklungen im Gesundheitswesen informieren.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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