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Starker Auftritt

18.12.2000
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Starker Auftritt

von Hans-Günter Friese
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende. Einmal mehr stand der Vertriebsweg für Arzneimittel im Zentrum des öffentlichen Interesses. Es war ein Jahr wichtiger Gerichtsverfahren und Urteile. Und es war ein Jahr, in dem das Thema Internet durch verschiedenste Faktoren eine Bedeutung für den Apothekenbereich gewonnen hat, die auch die Progressivsten unter uns kaum für möglich gehalten hätten. Wo immer man hinschaut, liest man von Portalen, Homepages und E-Commerce. Schnellschüsse wurden und werden überall abgefeuert. Einige sind schnell verklungen, viele weitere werden auch und gerade im nächsten Jahr folgen.

Wagen wir in dieser Situation einfach einmal eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wir Apothekerinnen und Apotheker nutzen das Internet bereits intensiv. Und zwar nicht nur im Business to Business-Bereich - da sind wir führend im Gesundheitswesen - sondern auch schon im Business to Consumer-Bereich. Dies betrifft nicht nur das Angebot der ABDA oder der Kammern und Verbände. Die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die eine eigene Homepage betreiben, liegt bereits heute im Bereich von einigen Tausend und wächst ständig.

Nötig ist nun die Bündelung aller Aktivitäten, das Zusammenführen zu einem starken Auftritt. Die ABDA hat daher bereits in diesem Jahr alle Vorbereitungen dazu getroffen, das Internet-Portal der deutschen Apotheker im Sommer 2001 online zu bringen.

Dieses Portal wird nicht nur die Möglichkeit bieten, alle Apotheken im Netz zu finden und Arzneimittel zur Abholung in der Apotheke vor Ort vorzubestellen. Wir werden auch ein sehr umfangreiches Informationsangebot rund um das Arzneimittel und die Apotheke zur Verfügung stellen. Gleichzeitig rüsten alle Kammern und Verbände auf, ihrerseits dieses Portal mit zusätzlichen Inhalten zu versorgen.

Unser Portal, und das unterscheidet es von allen anderen, ist dabei nicht auf Gewinn für einzelne Unternehmen ausgerichtet. Wir erarbeiten ein Angebot, das konkret und direkt jedem Apotheker zur Verfügung steht und Nutzen für seine Apotheke bietet, indem der Kunde noch mehr an seine lokale Apotheke vor Ort gebunden wird.

Dies erfordert viel Augenmaß und Sensibilität. Denn eines muss auch dem euphorischsten Befürworter des Internet klar sein: Was Krankenkassen und Teile der Politik mit der Diskussion um das Thema World Wide Web verschleiern wollen, ist nichts anderes als der verdeckte Aufruf zum Systemwechsel. Nicht das Internet, sondern der Versandhandel wird gewollt. Der lässt sich aber vermeintlich eleganter "verkaufen", wenn er mit dem Thema Internet getarnt wird. Auch in dieser scheinbar neuen Diskussion – das gehört zur Wahrhaftigkeit – geht es nicht primär um Visionen oder Fortschritt, sondern ausschließlich um Margen, die natürlich gesenkt werden sollen. Und dahinter verbergen sich wieder nur die alten Folterinstrumente wie Kettenapotheken, Versandhandel und Wegfall der Arzneimittelpreisverordnung.

Wie bisher setzt die ABDA in ihrer Interessenvertretung auf die Kraft der Argumente. Sie tut dies natürlich zunächst für die Apothekerinnen und Apotheker. Argumente werden aber nur dann aufgenommen, haben nur dann Aussicht auf politische Umsetzung, wenn sie die Bedürfnisse der Gesellschaft zur Grundlage haben. Und gerade wegen dieses "Gesetzes der Nähe" prüfen wir immer auch, wie unsere Argumente mit den berechtigten Interessen unserer Kunden und Patienten übereinstimmen. Das war die Stärke der ABDA-Politik, das wird sie auch weiterhin sein.

Nicht nur auf Grund der Internet-Aktivitäten der ABDA habe ich keinen Zweifel daran, dass wir auch im nächsten Jahr die anstehenden Probleme meistern werden. Die ABDA wird einmal mehr unter Beweis stellen, wie erfolgreich das System der einheitlichen Berufsvertretung der Apothekerinnen und Apotheker mit ihren beiden Säulen Bundesapothekerkammer und Deutscher Apothekerverband ist. Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam und selbstbewusst werden wir Erfolg haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen einige besinnliche Tage, und für das neue Jahr viel Erfolg, Schaffenskraft und vor allem Gesundheit. Top

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