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Wir sind fast überall Ausländer

27.11.2000  00:00 Uhr

Wir sind fast überall Ausländer

von Erdmuthe Arnold
PZ-Redakteurin

Wer erinnert sich noch an die Jahre 1992 und 1993? Schon damals entbrannte der Fremdenhass. Als Protest dagegen gingen Hunderttausende mit Lichterketten auf die Straße. Jetzt ist es wieder so weit. Als äußerst bedauerlich empfinde ich es, dass Politiker aus populistischen Gründen, etwa auf Stimmenfang vor den Wahlen, aber auch wegen ihrer großen Unentschlossenheit um eine einheitliche Position im Kampf gegen die rassistischen Tendenzen in unserem Land, nun selbst Fremdenhass in der Bevölkerung schüren.

Zu begrüßen ist daher die Plakataktion der Heilberufe in Nordrhein-Westfalen gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und rassistische Tendenzen sowie das Bestreben anderer Kammerbereiche, sich dieser Aktion anschließen zu wollen. Die Kammerversammlungen der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe stimmten am 15. beziehungsweise 22. November dieser gemeinsamen Aktion zu. Die Botschaft der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker ist: Für Ausländerfeindlichkeit ist im Gesundheitswesen kein Platz. Offenheit und Vorurteilsfreiheit gegenüber ausländischen Mitbürgern, die oftmals auch Kollegen oder Mitarbeiter sind, soll dokumentiert werden. Das in Nordrhein-Westfalen an alle Apotheken versandte Plakat "Gesundheit kennt keinen Hass" heißt die Ausländer in 20 Sprachen "Herzlich willkommen".

Eine weitere Aktion plant die Landesapothekerkammer Hessen, um öffentlich Stellung für die ausländischen Mitbürger zu beziehen, egal welcher Hautfarbe sie sind (siehe Seite 60).

Mögen alle Aktionen vielfältigen Inhalt bekommen. Denn "wir alle sind Ausländer, fast überall", wie ein gängiger und treffender Spruch sagt. In der schnelllebigen Zeit der Globalisierung, der Völkerwanderungen aus Kriegsgebieten und aus Ländern großer wirtschaftlicher Not kann sich Europa nicht als Insel der Glückseligen abschotten. Es gilt vielmehr, gemeinsam in Europa, zusammen mit den Vereinten Nationen, die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen und eine migrationsorientierte Entwicklungspolitik zu betreiben. Mit guten Absichtserklärungen ist es nicht getan. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Der durch Angstgefühle entstehende Fremdenhass ist keine Lösung.

Dies ist jedoch nicht die Aufgabe von Berufsverbänden. Die Bundesregierung und alle politischen Parteien sind dazu aufzurufen, neue und effektive Wege in der Entwicklungspolitik einzuschlagen, damit dem dramatischen Nord-Süd-Gefälle Einhalt geboten wird und die Menschen nicht notgedrungen ihre Heimat verlassen müssen. Top

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