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Solidarität

14.10.2002
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Solidarität

Der Deutsche Apothekertag 2002 in Berlin war unter dem Motto „Pro Apotheke“ als programmatische Arbeitstagung gedacht. Der Berufsstand wollte ohne den Einfluss einer Bundestagswahl die Zukunft planen und Weichen stellen.

Die Arbeitskreise zum Versorgungsmanagement mit den Unterpunkten Disease-Management, Pharmazeutische Basisbetreuung und wohnortnahe Versorgung bis ans Krankenbett, sowie zur Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen versprachen eine sachliche Diskussion. Im Mittelpunkt stand dabei die zukünftige Rolle der Apothekerinnen und Apotheker sowie der unabhängigen Apotheke im Gesundheitswesen.

Die Diskussionen zeigten, dass der Berufsstand bereit ist, sich den zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Apotheker wollen auch in die Zukunft investieren.

Doch wer investieren will, muss auch die finanzielle Basis haben, auf der er eine solide Finanzierung seiner Pläne vornehmen kann. Und genau diese Basis wurde durch das rot-grüne Sparpaket, das die Hauptversammlung am Freitagabend wie ein Blitz traf, erschüttert. Der Donner folgte zwar noch nicht, da dieses Papier primär als Absichtserklärung und nicht als konkrete Gesetzesvorlage angesehen werden muss.

Trotzdem, auch die Absicht muss bereits ernst genommen werden. Beweist sie doch, dass die Koalitionäre auch in der neuen Legislaturperiode an kleinen gesunden mittelständischen Betrieben wie den Apotheken nicht interessiert sind. Sollte das angekündigte Einsparvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro umgesetzt werden, muss mit einer Ertragskürzung von über 50.000 Euro pro Apotheke gerechnet werden. Das würde zwangsläufig Schließungen von Apotheken und Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten. Aber auch Steuermindereinnahmen und Ausfälle von Sozialversicherungsbeiträgen wären unausweichliche Folgen.

Das kann nicht im Interesse der Regierung und der Gesetzlichen Krankenversicherung sein. Beide benötigen mehr Geld, nicht weniger.

Die Maßnahmen stehen auch im direkten Widerspruch zu den Absichtserklärungen des designierten Superministers für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, der den Mittelstand stärken möchte und ihn, wenn man seinen Worten glauben kann, als Jobmaschine erkannt hat.

Auf eine Intervention des Bundeskanzlers zu hoffen, muss als Illusion angesehen werden. In der Vergangenheit hat er sich, wie die Beispiele Mobilcom und Holzmann belegen, nur für Großkonzerne erwärmen können und medienwirksam millionenschwere Bürgschaften versprochen.

Zurzeit scheint es mir erfolgversprechender zu sein, dass die durch das geplante Vorschaltgesetz Betroffenen, wie Industrie, Großhandel, Apotheken und Ärzte, deren Vertragsstrukturen zerstört werden sollen, ihre Interessen bündeln und gegen die Sparpläne intervenieren.

Es lohnt sich, auch die Patienten und Verbraucher mit ins Boot zu nehmen, denn auch sie werden von den Maßnahmen getroffen, obwohl die Koalition ausdrücklich betont, Patienten würden verschont.

Fazit aus den Ereignissen der letzten Woche: Ähnlich wie 1992 vor dem ersten Gesundheitsstrukturgesetz von Horst Seehofer mit Preismoratorium und Budgets, das damals über zwei Milliarden Mark einsparen sollte und auch eingespart hat, ist wieder eine gedrückte Stimmung im Berufsstand zu verspüren. Sie hat damals eine neue Solidarität geweckt. Sie sollte auch heute nicht dazu führen, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern alle Kräfte zu mobilisieren und für eine gesicherte Zukunft zu kämpfen. Nur so wird man den Generalangriff auf die Institution Apotheke abwehren können.

Mit seinen Beschlüssen hat der Deutsche Apothekertag 2002 einen Anfang dazu gemacht.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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