Pharmazeutische Zeitung online

Durchsichtig

10.10.2005  00:00 Uhr

Durchsichtig

Auch in jahrelang gewachsenen Geschäftsbeziehungen ist man vor Überraschungen nicht gefeit. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Apotheken und Pharmagroßhändlern. Wie eine Farce mutet die jüngste Aktion einiger Großhändler an. Sie erheben einen so genannten Energiekostenzuschlag oder -zuschuss. Viele der selbstständigen Kolleginnen und Kollegen haben sich schon darüber gewundert, manch einer wird es noch tun. Denn weitere Großhandlungen wollen diesem Beispiel folgen.

Ohne Zweifel sind die Energiekosten in der Vergangenheit stark angestiegen. Das betrifft Großhändler genauso wie deren Sub- und Fuhrunternehmen. Das betrifft sogar die Hersteller und ganz besonders die Apotheken. Denn zu den Energiekosten zählen nicht nur die Ausgaben für Benzin, sondern auch alle anderen Aufwendungen für Energie. Der Betrieb einer Offizin verschlingt viel Energie.

Nun haben sich Großhandlungen dazu entschlossen, diese Mehraufwendungen durch einen Zuschlag direkt an die Apotheken weiterzugeben. Zwischen 60 Cent und knapp einem Euro sollen Apotheken pro Anfahrt für die Leistung des Großhändlers bezahlen. Wohlgemerkt: pro Anfahrt! Wie die Unterschiede von rund 40 Prozent zu Stande kommen? Diese Frage sollten Sie unbedingt Ihren Großhändlern stellen. Und vielleicht sollten die dann erklären, wie Apotheken diese Mehrkosten zum Beispiel an Patienten oder Krankenkassen weitergeben. In jedem Fall haben Sie als guter Kunde grundsätzlich eine gute Basis für eine erfolgreiche Verhandlung.

Zudem sollte geklärt werden, warum ein knapper Euro pro Fahrt bezahlt werden muss. Das klingt danach, dass Apotheken zukünftig den Fuhrunternehmen die Tanks füllen ­ und nicht mehr der Großhandel selbst. Betreibt der Pharmagroßhandel dieses Spiel flächendeckend, dann werden jährlich mehrstellige Millionensummen fällig ­ die fließen aus den Apotheken direkt zu den Pharmagroßhandlungen. Von denen haben einige in den vergangenen Jahren erhebliche Gewinne erzielt ­ auch dadurch, dass immer mehr Leistungen, zum Beispiel der Fuhrpark, ausgegliedert wurden. Dass ausgerechnet einige dieser Unternehmen zu den Zuschuss-Vorreitern zählen, ist bemerkenswert und sollte zu denken geben.

Nicht minder aufmerksam verfolgen wir, dass mehrere Großhändler zum selben Zeitpunkt Aufschläge in fast exakter Größenordnung fixierten. Das macht stutzig und ist neue Munition für diejenigen, die bereits in der Vergangenheit Absprachen zwischen den Großhandlungen vermuteten.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Rolle der apothekernahen Genossenschaften. Bislang verzichten diese Unternehmen auf Zuschläge und suchen nach anderen Wegen, mit den gestiegenen Energiekosten umzugehen. Zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit gehört, mit den Marktpartnern fair umzugehen. Sich abzeichnende Unterschiede bei der Behandlung zwischen Apothekengruppen, großen und kleinen Apotheken sind fatal: Sie schwächen einzelne Apotheken und sorgen für Abhängigkeiten. Und schaden einem funktionierenden System der Arzneimittelversorgung. Die Apothekerverbände werden hier den Finger in die Wunde legen.

Fritz Becker
Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Apothekerverbands
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