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Zukunftsorientiert

04.10.2004
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Zukunftsorientiert

Joachim Gauck hat in seinem Festvortrag auf dem Deutschen Apothekertag dazu aufgerufen, „sich dem Jammern nicht verpflichtet zu fühlen“. Die Delegierten sind ihm offensichtlich gefolgt.

Natürlich mussten die Auswirkungen des Beitragssatzsicherungsgesetzes und des GKV-Modernisierungsgesetzes, im Rechenschaftsbericht von ABDA-Präsident Hans-Günter Friese und im Geschäftsbericht von Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Rainer Braun aufgearbeitet werden. Sie waren aber nicht der Startschuss für dreitägiges Klagen.

Mit den Arbeitskreisen „sichere Arzneimittelversorgung“, wie kann sie in einer globalen Gesellschaft auch weiterhin garantiert werden, „Zukunftschancen der Apotheker“ und „die Apotheke im neuen Europa“ wollte die ABDA bewusst zukunftsorientiert diskutieren mit dem Ziel, den Apotheker noch stärker als den Arzneimittelfachmann in der Gesellschaft zu etablieren.

Die klare Absicht der Hauptsversammlung, am regulierten Pharmaziestudium mit Abschluss Staatsexamen festhalten zu wollen und damit der Umstellung des Pharmaziestudiums in Bachelor- und Masterstudiengänge eine deutliche Absage zu erteilen, wird die Diskussion um eine Umstrukturierung der Pharmaziestudiums allerdings nicht beenden. Die Apothekerschaft wird weiterhin wachsam bleiben und mit denen in den Dialog einsteigen müssen, die Bachelor und Master haben wollen.

Eine Bereicherung des Apothekertages war der aus der Terminnot der Bundestagsabgeordneten geborene Auftritt des Staatssekretärs aus dem Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Theo Schröder, während der Diskussion der Hauptversammlung. So konnten zu einigen Äußerungen des Staatssekretärs unmittelbar - auch von den Delegierten - Stellung genommen werden, was insbesondere zur Telematik und der Preisgestaltung im Selbstmedikationsbereich notwendig erschien. Inwieweit die Diskussion mit dem Staatssekretär um die Novellierung des Apothekengesetzes zur Versorgung der Krankenhäuser mit Arzneimittel auf die Gesetzgebung Einfluss haben wird, muss abgewartet werden. Hier scheinen, wie ABDA- Präsident Hans-Günter Friese konstatieren musste, Regierung und Apothekerschaft auf verschiedenen Ebenen zu kommunizieren.

Erfreulich war die überaus sachliche und intensive Diskussion in der Hauptversammlung. Obwohl zum Jahresende Vorstandswahlen bei der Bundesapothekerkammer, beim Deutschen Apothekerverband und bei der ABDA anstehen, hat die Hauptversammlung der Versuchung widerstanden den Apothekertag zur Wahlkampfplattform zu machen.

Gespräche mit den Besuchern der Expopharm, die mit über 22.000 Besuchern in diesem Jahr rekordverdächtig war, zeigten, dass gegenüber der Kölner Veranstaltung im letzten Jahr offensichtlich die Verunsicherung bei den Apothekerinnen und Apothekern von der Suche nach klaren Strategien zur Sicherung der eigenen Zukunft abgelöst wurde. Nach dem Motto: Schwierige Zeiten kann ich nur mit Investitionen erfolgreich überstehen.

In München sind sicher die enttäuscht worden, die sich auf Auseinandersetzungen mit der ABDA gefreut haben. Die Delegierten, unter denen erfreulich viele junge Kolleginnen und Kollegen waren, folgten vielmehr der Einsicht, dass der Berufsstand nur dann stark ist, wenn er geschlossen auftritt.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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